Tag 3. Von Odenthal nach Köln

Am 27.07.2010

Strecke 20 Km (Gesamt 64 Km)

 

Heute konnte ich wieder ein paar Überstunden abbauen. Meine Tochter, inzwischen stolze Führerscheinbesitzerin, fuhr mich in den frühen Morgenstunden nach Odenthal. Der Wetterbericht versprach einen schönen Tag.

Ich wurde an der Bushaltestelle (an der Tag 2 endete) abgesetzt. Nach einer kurzen Runde um die Kirche St. Pankratius und dem Hexenbrunnen fand ich auch das abseits gelegene Pfarramt für den obligatorischen Pilgerstempel.

Danach ging es direkt weiter durch das Dhünntal. Die Dhünn hat sich hier schon zu einem ansehnlichen Gewässer gemausert. Irgendjemand hat aus Schrott und grünen Geweberesten ein schaukelndes Gespenst über dem Fluss kreiert. Dieses sah in den frühen Morgenstunden ganz schön gruselig aus.

Bald führte der Weg aus dem Dhünntal hinaus, entlang von stark befahrenen Landstraßen in den Ort Schildgen. Ab hier ging es dann über Anliegerstraßen in den riesigen Dhünnwald. Der Dhünnwald bildet den Osthang des Rheintales, folglich ging es durch das Waldgebiet immer leicht bergab. Auch hier habe ich wieder die Orientierung verloren und bin vom gezeichneten Weg abgekommen. Irgendwie bringen mir große Wälder anscheinend kein Glück. Schließlich habe ich mich so gut es ging nach Westen gehalten. Irgendwann musste der Wald ja aufhören und dann wollte ich mich neu orientieren.

Der Wald hörte dann tatsächlich auf und ich befand mich im Kölner Stadtbezirk Dhünnwald. Ab hier verläuft der Weg (die Kennzeichnung fand ich bald wieder) entlang einer endlos erscheinenden Zufahrtstraße nach Köln - Mülheim. Dieser Streckenabschnitt war der hässlichste, den ich auf meinem bislang kurzen Weg erlebt habe.

In Köln - Mülheim stieß ich dann, direkt unter der Mülheimer Brücke, an den Rhein. Zuvor hatte ich ein Stadtviertel durchquert, das den Eindruck einer türkischen Großstadt vermittelte.

Am Rhein angekommen habe ich erst einmal gerastet und für ein halbes Stündchen dem Treiben auf dem Fluss zugesehen.

Danach ging es flussaufwärts. Schon bald gelangte ich an einen ganzen eingezäunten Straßenblock der als Filmkulisse für die WDR-Serie "Die Anrheiner" dient. Irgendwie schien die Zeit hier stehen geblieben zu sein.

Wenige Meter weiter stieß ich auf einen Baum, der unmittelbar an diese Filmkulisse grenzt. Für ihn schien die Zeit nicht stehengeblieben zu sein. Ein mächtiges Stück Metallzaun war in ihn hineingewachsen. Der Zaun selber wurde, offensichtlich bereits vor Jahren, neu gesetzt.

 Ab hier ging es dann durch ein parkähnliches Gelände bis zu den Messehallen in Köln - Deutz.

Immer wieder ergaben sich tolle Ausblicke auf das Zentrum Kölns mit dem alles überragenden Dom.

Direkt an den Messehallen führen Aufgänge auf die Hohenzollernbrücke. Hierbei sollte man unbedingt die flussaufwärts gelegene Seite der Brücke begehen. An den Zäunen zum Bahnkörper hin sind, einer alten Kölner Tradition folgend, abertausende Vorhängeschlösser angebracht, mit denen Verliebte ihre Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Die überwiegende Anzahl der Schlösser ist liebevoll mit Namen und Daten graviert. Hier finden sich uralte Vorhängeschlösser bis moderne Schlossvarianten in allen Bonbonfarben. Echt beeindruckend.

 Am Dom angekommen begab ich mich zunächst zu dem weit sichtbaren städtischen Informationsbüro gegenüber des Domportals. Welch ein Fehler. Auf die Frage nach einem Pilgerstempel wurde mir, nach der Auskunft "Ja, können sie bei uns bekommen" der Stempel zur Pilgerschaft zu allen Bundesligastadien in den Pilgerpass gedrückt. Ich bin bald kollabiert. Im Dom habe ich dann erfahren, dass es den gewünschten Stempel im Domforum, schräg gegenüber dem Domportal, gibt. Dort habe ich ihn mir auch direkt abgeholt. Aus lauter Ärger über den blöden Fußballstempel musste ich mir "Am Heumarkt" danach 1,2,3 Kölsch trinken, bevor ich vom Kölner Hauptbahnhof den Zug zurück nach Solingen nahm.