Tag 17. Von Metz nach Vandieres

Am 07.06.2011

Strecke 32 Km (Gesamt 426 Km)

 

Schon gegen 06:00h bin ich aufgestanden und habe mein
abermals nasses Zelt abgebaut und eingepackt. Bereits um kurz vor 07:00h verließ ich den Zeltplatz. Ich suchte mir im Bereich der Altstadt den Zugangspunkt zur Wegbeschreibung.

So verließ ich in den frühen Morgenstunden die schöne Stadt Metz und schaute noch einmal zurück auf den "Temple Neuf", eine reformierte evangelisch Kirche, die während der deutschen Besatzung nach 1901 errichtet wurde. Stadtauswärts ging es immer entlang von Moselkanälen bis zu dem Stadion des FC Metz. Hier kam ich dann mit der Wegbeschreibung nicht mehr klar. Ich ging etwa einen knappen Kilometer am Stadion vorbei, doch weder die beschrieben Brücke noch die beschrieben Kleingärten kamen in Sicht. Also drehte ich um und versuchte einen anderen Weg.

Letztendlich ging ich einen riesigen Bogen von etwa 3 Kilometern, immer auf dem Gelände des FC Metz, um fast wieder an den
Punkt zu gelangen, an dem ich zuvor umgedreht hatte. Ich traf auf zwei Nordic - Walkerinnen von denen eine leidlich Deutsch sprach. Ich erklärte ihr, dass ich den Wanderweg Metz-Nancy entlang des "Canal de la Moselle" suchte. 
Sie boten an, mir den Zugang zu zeigen, da ihre Strecke dort vorbeiführte. Allerdings behielten sie ihren Walking - Schritt bei und ich begleitete sie mit Rucksack. Am "Canal de la Moselle" angekommen, brauchte ich dann erst einmal eine Pause. Ein Sauerstoffzelt wäre besser gewesen.


Der Weg entlang des Kanals verläuft, mit wenigen geringen Richtungsänderungen, immer geradeaus. Letztendlich war ich so
gut im Schritt, dass ich die beschriebene Brücke nach Ars-du-Moselle verpasste.

Ich befand mich danach folglich am falschen Moselufer, der Weg führte dennoch immer in unmittelbarer Moselnähe entlang.

So gelangte ich bis in die Höhe von Dornot, einem kleinen malerischen Dorf, oberhalb der Mosel. Ich fand mich auf einem
Gelände mit zahlreichen Gedenktafeln wieder. Diese verwiesen auf eine erbitterte Schlacht, zwischen deutschen und amerikanischen Truppen beim Kampf um Metz im Jahr 1944, hin. Südlich dieser Gedenkstätte ist die Mosel wieder in zahlreiche Nebenarme und Teiche zerklüftet. Da mir kein ausreichendes Kartenmaterial zur Verfügung stand, hielt ich mich ein wenig landeinwärts, um mich nicht zu verlaufen. Bald erreichte ich das Städtchen Corny-sur-Moselle.

Hier konnte ich dank der dortigen Brücke auf die richtige Moselseite wechseln und fand meinen Weg in Novèant-sur-Moselle bald wieder.

Ab Novèant-sur-Moselle führt der Weg dann wieder, leicht abseits der Mosel, gemächlich an Weinbergen entlang zu dem Dörfchen Arnaville. Ich konnte auf diesem Abschnitt der Beschreibung gut folgen, es gab auch nicht sonderlich viele Stellen, an denen man etwas falsch machen konnte.

So erreichte und durchquerte ich dann das Dörfchen Arnaville. Bald kam ich wieder an einen offensichtlich alten und nicht mehr genutzten Seitenkanal der Mosel. Wieder ging es auf einem, teilweise mit Holzknüppeln stabilisierten, Waldpfad entlang des Kanals. Irgendwann fühlte ich mich hier so verloren, dass mir Zweifel über die Richtigkeit des Weges aufkamen. Ich drehte abermals um, und vergewisserte mich, dass ich nichts
falsch gemacht hatte. Aber ich war zweifelsfrei auf dem richtigen Weg.

Nach Kilometern erreichte ich eine alte Schleuse bei Pagny-sur -Moselle. Doch es war nicht die, die in der Wegbeschreibung beschrieben wurde. Ich folgte meinem alten, nun etwas breiter
gewordenen, Pfad und erreichte eine weitere, große und moderne Schleusenanlage.

Hier ging es dann zwischen einem schiffbaren Moselkanal und der Eisenbahnstrecke weiter bis nach Vandieres hinein. Auf dem letzen Streckenabschnitt wird das Moseltal von einer gut ausgebauten TGV-Strecke gequert. Die Geschwindigkeit der modernen französischen Schnellzüge beeindruckte mich tief.

In Vandieres fand ich schnell die beschriebene Unterkunft "Auberge des Voyageurs". Dort bekam ich auch ein freies Zimmer. Es handelte sich um ein gelinde gesagt "abgewohntes" Dachzimmer.  Neben dem ausgetretenen Teppich und den
alten Möbeln stachen mir sofort abgelöste Tapeten im Bereich des Deckenbalkens und Wasserabrinnspuren an den Seitenwänden des Zimmers ins Auge. Aber immerhin waren die wackeligen Betten frisch bezogen. In Anbetracht der Gewitter der letzten Abende hatte ich schon irgendwie ein ungutes Gefühl mit diesem Zimmer.

Im Restaurant bekam ich ein warmes Abendessen, welches ich mit der Bedienung ausgehandelt hatte. Da ich kein Wort von dem verstanden habe , was mir angeboten wurde, war es ein echtes "Menu Surprise". Letztendlich gab es einen Salat mit einer gefüllten Schinkenrolle, Kartoffelbrei mit zwei Scheiben Kalbsbraten und Erdbeeren zum Nachtisch. Zumindest der Hauptgang war lieblos zusammengerührt und nahezu geschmacksneutral. Das Fleisch war durchwachsen und zäh. In
einem unbeobachteten Moment stibitzte ich mir ein paar Servietten vom Nachbartisch und packte das Fleisch ein, um es am Folgetag an den nächst besten Hofhund zu verfüttern.


Ich nahm mir noch einen 1/2 Liter Rotwein mit auf das Zimmer, las die Wegbeschreibung des Folgetages durch und machte mir noch einige Notizen. Gegen 23:00h, ich war gerade eingeschlafen, kam das allabendliche Gewitter. Zunächst wurde ich durch einige wenige Tropfen die auf den Teppich fielen wieder wach. Es tropfte immer schneller. Zum Schluss quoll, ohne Übertreibung, ein dünner, geschlossener Wasserfaden vom Deckenbalken. Ich suchte die Betreiberin der Auberge in der Gaststätte auf und machte ihr klar, dass es durchregnete. Diese tat zunächst überrascht, bewaffnete sich aber direkt mit einem riesigen Eimer und folgte mir auf das Zimmer. Im Anschluss bot sie mir ein "change l'etage" an, was ich gerne annahm. Letztendlich landete ich im Gästezimmer (mit angegliedertem Bad und WC) in der Wohnung der Herbergsbetreiber. Sehr komfortabel.


Im großen Ganzen war es heute eine gut beschriebene und gut zu gehende Etappe, mit Ausnahme der Wegbeschreibung im Bereich des Geländes des FC Metz. Mittlerweile habe ich den beschriebenen Wegabschnitt auf Google Earth nachvollzogen und kann meinen Fehler immer noch nicht erkennen.


Dass ich den Abzweig über die Moselbrücke nach Ars-sur-Moselle übersehen habe, nehme ich auf meine Kappe, es lief halt gerade so gut.