Tag 16. Von St. Hubert nach Metz

Am 06.06.2011

Strecke 25 Km (Gesamt 384 Km)

 

Ich habe wirklich die ganze Nacht tief und fest geschlafen und wurde, ganz gegen meine Gewohnheit, erst vom Wecker geweckt. Schnell packte ich meinen Rucksack. Direkt nach dem Frühstück wollte ich aufbrechen.

Zunächst warf ich einen Blick aus dem Fenster meines Zimmers. Die Straße war abgetrocknet, es schien abermals ein schöner Tag zu werden.

Die Gastgeberin hatte ihre Kinder zur Schule gefahren und auf dem Rückweg frische Croissants und Baguette besorgt. Es gab schwarzen Kaffee, Fruchtsaft und zum obigen Backwerk selbstgemachte Marmeladen. Obwohl ich kein Vertreter der "süßen Fraktion" bin, war das Frühstück ein Genuss. Der Übernachtungspreis hielt sich nebenbei in Grenzen.

Nun, nachdem schon einige Wochen ins Landgegangen sind, erinnere ich mich immer noch mit Begeisterung an diese herrlich Unterkunft an die freundlichen und warmherzigen Gastgebern.

Leider verfügte das junge Ehepaar noch nicht über einen eigenen Stempel für ihr „Chambres D’Hôtes“.

Da ich wenige Wochen zuvor von einem Kollegen mitgeteilt bekam, dass Metz sehenswert ist, wollte ich natürlich so schnell wie möglich dort sein, um noch Zeit für ein "Sightseeing" zu haben. Zunächst musste ich aber erst einmal die etwa fünf Kilometer bergauf nach Vigy gehen, die ich gestern Abend mit dem Auto heruntergefahren worden bin.

Danach entschloss ich mich (nach den schlechten Erfahrungen des Vortages) für die einfach zu findende Fahrradroute nach Metz. Diese führte von Vigy über Mechy und Charly-Oradour nach Metz, immer
einer wenig befahrenen Landstraße folgend.

Diese verlief, wie gewohnt, durch riesige Raps- und Getreidefelder links und rechts des Weges. Ein willkommener Augenschmaus war daher ein Citroen-Oldtimer vor dem Bürgermeisteramt von Charly-Oradour.



Bereits am frühen Nachmittag kam ich in Metz an. Zunächst ging ich zur Kathedrale und dem nahe gelegenen Info-Zentrum. Dort holte ich mir in der Kathedrale den Pilgerstempel ein und besorgte mir im
Info-Zentrum einen Gratis-Stadtplan. Anhand der Karte fand ich dann schnell den nahe am Stadtzentrum gelegenen Campingplatz.

Dieser war kaum 500 Meter von der Altstadt entfernt. Der Campingplatz war sehr gepflegt.  Einzelzelte konnten direkt auf einem Wiesenstreifen an der Mosel aufgestellt werden. Ich baute schnell mein Zelt auf, duschte kurz und nahm eine kurze Erfrischung im kleinen Restaurant des Campingplatzes zu mir. Danach bewaffnete ich mich mit meiner Kamera und ging in die Stadt.

Metz war wirklich sehenswert. Die Stadt wird von der Mosel und mehreren Seitenkanälen durchflossen, die durch zahlreiche Wehre angestaut werden. Über die Kanäle führen diverse alte Brücken ins Stadtzentrum. Dominiert wird das Stadtzentrum von der Kathedrale und den neben liegenden Plätzen.

Von dort aus führt ein ganzes Netz enger Straßen und Gässchen ab, in denen sich zahlreiche Geschäfte, Boutiquen und Kneipen angesiedelt haben. Besonders interessant fand ich, dass innerhalb eines kompletten Häuserblocks ein modernes, dreistöckiges Einkaufszentrum eingebaut wurde. Nur an wenigen Stellen sind die Zugänge des Neubaus erkennbar. Rings um das Zentrum herum wurde das Altstadtflair perfekt erhalten.

An vielen Stellen finden sich in den Gassen urgemütliche kleine Cafés und Kneipen sowie malerische alteingesessene Geschäfte.

Nach etwa 3,5 Stunden Stadtrundgang begab  ich mich zurück zu meinem Zelt, nicht ohne zuvor die Zutaten für ein kleines Nachtmahl besorgt zu haben. Ich machte es mir, kaum fünf Meter von meinem Zelt entfernt, am Moselufer gemütlich.

Meine Füße hing ich in die erfrischend kühle Mosel und trank einen leckeren Rotwein zu frischen Baguette. Leider kam binnen einer Stunde ein sehr frischer Wind auf, dem auch direkt ein Gewitter folgte. Den Rest des Abends musste ich dann leider im Zelt verbringen. So fand ich am heutigen Tag dann früh in den Schlaf.

Meine Entscheidung, die eher öde Strecke des Radweges zu gehen, hatte sich heute gelohnt. Ich habe einen wirklich schönen und sonnigen Nachmittag in Metz verbracht und hierbei viele Eindrücke der Stadt gewonnen. Metz ist, wie mir versprochen wurde, wirklich einen Besuch wert.


Am Empfang des Campingplatzes traf ich auf einen aufgeschlossenen jungen Mann, der sofort erkannte, dass ich kein Franzose war. Die Unterhaltung wurde daher von ihm aus direkt in Englisch geführt.


Den Zeltplatz selbst kann ich wirklich nur empfehlen. Er ist blitzsauber, von jedem Standplatz hat man einen Blick auf die
Mosel und in dem kleinen Restaurationsbetrieb gibt es mittags und abends kleine warme Mahlzeiten und ganztägig kühle Getränke.