Anreise von Solingen nach Beune

Am 16.09.2012

 

Lange hatte ich auf diesen Tag gewartet. Mit der Urlaubsvorplanung war es im Laufe des Jahres recht eng geworden, so dass ich nur für die kommende Woche Urlaub genehmigt bekam. Hoffentlich würde das Wetter mitspielen. Aber die Langzeitprognose auf www.wetter.com sah gut aus.


Bereits am Vortag packte ich in aller Ruhe und nach bewährtem Muster meine Ausrüstung in den Rucksack. Diesmal erweitert um einen Seidenschlafsack, den ich mir aufgrund der vorhergesagten kalten Nächte noch kurzfristig zugelegt hatte.

 

Am Sonntagfrüh, gegen 08:30 h, tankte ich meinen Wagen randvoll und machte mich auf den Weg in Richtung Beaune. Die Autobahnen waren leer und so kam ich gut voran. Schnell war ich in der Eifel, wo sich links und rechts der Strecke tolle Anblicke boten. Die tief eingeschnittenen Täler lagen im dichten, kalten Nebel während die Höhenzüge in der klaren Luft und bei strahlend blauem Himmel weithin sichtbar waren. Bereits hier hätte ich gerne schon die ersten Fotos geschossen.

An einer Raststätte bei Metz legte ich eine kleine Pause ein. Irgendwie kam ich mir mit meinem Twingo zwischen all den Lkw ziemlich verloren vor. Hoffentlich wird der Wagen von keinem beim Rangieren übersehen. In der Raststätte kaufte ich mir ein großes, fladenförmiges Brötchen mit Thunfisch, Ei, Salat und Oliven. Es
schmeckte genial. Eine weitere kurze Kaffeepause legte ich in Höhe von Contrexville ein.

Um 14:40 h kam ich dann in Beaune an. Schon bei der Einfahrt in die Stadt fiel mir ein Pilgerpaar auf, welches stadteinwärts lief. Ich würde also nicht allein unterwegs sein. Irgendwo würde ich die Beiden in den nächsten Tagen wiedersehen. Meinen Wagen parkte ich, wie schon bei den früheren Etappen, auf einem Parkplatz in direkter Bahnhofsnähe. Zum Glück sind in Frankreich die Parkplätze an Bahnhöfen nicht so überfüllt wie bei uns. Bislang fand sich immer sofort ein Plätzchen.

Danach begab ich mich direkt auf den bereits bekannten Weg in Richtung Zeltplatz. Direkt vor dem Empfangsbüro des
Zeltplatzes blühte eine mannshohe Pflanze mit wunderschönen Blüten. Ich vermutete, dass es sich um eine Art Artischocke handelte.

Erneut bekam ich eine schöne, mit Hecken umstandene Parzelle, (diesmal ohne Baum) zum Zeltaufbau zugewiesen. Schnell war mein kleines Zelt errichtet und eingerichtet, so dass ich noch viel Zeit hatte Beaune weiter zu erkunden. Nahezu in jedem Straßenzug ließ sich der eine oder andere schöne Ort entdecken.

Es war etwa 260 C warm an diesem Nachmittag und die Luft stand in den Straßen. Deshalb hatte ich mich entschlossen einmal in die Unterwelt zu gehen, um die Keller mehrerer Winzereien zu besichtigen.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nochmals eine Besichtigungstour durch das „Hostel Dieu“ zu unternehmen, in dem bei der Frühjahrsetappe meine Kamera so kläglich versagte.  Ganz offensichtlich ist das „Hostel Dieu“ Ziel zahlreicher Busausflügler, und da heute Sonntag war, bildeten sich schon vor dem Eingang lange Warteschlangen. Ich verzichtete und ging um die Markthalle herum auf einen kleinen Stadtplatz, auf dem sich
zahlreiche Oldtimerfans mit ihren Fahrzeugen versammelt hatten.

Auf dem Weg durch die Stadt kam ich an der Kirche „Notre Dame“ vorbei, aus der Orgelmusik erschallte. Plakate wiesen darauf hin, dass bei freiem Eintritt ein Orgelkonzert mit Stücken aus der Zeit der französischen Revolution gespielt wurde. Da ich mir schon immer einmal ein Orgel- konzert anhören wollte, war das hier die Gelegenheit. Ich ging in die Kirche und lauschte den Orgelklängen. Es war ein bombastisches Erlebnis wie die großen Orgelpfeifen mit ihren tiefen Basstönen die große Kirche förmlich erzittern ließen.


Ein besonderes Gänsehaut - Feeling kam auf, als der Organist in einem etwa 20minütigen Stück klassischer Orgelmusik im wieder die französische Nationalhymne „La Marseillaise“ in verschiedensten Variationen als Thema aufnahm. Einfach Klasse.


 Nach Verlassen der Kirche wurde es schnell dunkel und ich erreichte mein Zelt in der Dämmerung. Um 20:10 h war es bereits stockfinster. Ich nahm noch einen Schluck Wein und ließ den Tag Revue passieren.


Von der Nachbarparzelle hörte ich ein Gespräch in mehr oder weniger englischer Sprache mit, welches von zwei jungen Männern geführt wurde. Es ging ums Reisen.


Ich begab mich auf die Nachbarparzelle und lernte hier einen Abiturienten aus St. Augustin bei Bonn kennen, der mit seinem Fahrrad die Strecke Paris – Dakar fahren wollte. Danach wollte er ein halbes Jahr in Südafrika auf einer Plantage als Erntehelfer arbeiten, um am eigenen Leib zu erfahren, wie die hier billig vertriebenen Lebensmittel und Waren dort produziert werden und anschließend noch ein Wirtschaftsstudium dranhängen. Dieser junge Mann hat auf alle Fälle meinen Respekt.


Bei dem anderen jungen Mann handelte es sich um einen Tschechen, der per Anhalter unterwegs war. Sein größter Wunsch war es, einmal die schneebedeckten 3- und 4000er Berge der französischen Seealpen bzw. der Schweiz zu sehen.


Es war ein unterhaltsamer, kurzweiliger Abend der jedoch bereits schon kurz nach 21:00 h sein Ende fand, da es merklich kühl wurde.