Tag 27. Von Auberive nach Grancey-le-Château

Am 13.06.2012

Strecke 23 Km (Gesamt 684 Km)

 

Im Gîte habe ich geschlafen wie ein Stein. Bereits gegen 06:00 h wurde ich wach. Es regnete. Ich habe zunächst in aller Ruhe mein Bett abgezogen und den Rucksack gepackt. Auch im Gîte fand sich neben der Kaffeemaschine und Filtertüten ein Rest gemahlener Kaffee. Nach einer großen Tasse Kaffee zog ich wieder meine Regenkleidung an. Um 07:15 h machte ich mich auf den Weg, Zunächst zu dem kleinen Lebensmittelgeschäft, wo ich zwei Croissants als Wegzehrung erwarb.

Schon bald führte der Weg wieder in den nassen Wald. Da aber die Pfade nicht mehr in unmittelbarer Tallage verliefen, waren sie auch nicht mehr so matschig und ließen sich wesentlich besser Laufen. Bereits nach knapp einer Stunde gelangte ich an eine Stelle, an der im Wald umfangreiche Rodungsarbeiten ausgeführt
wurden.
Hier verlor ich auch bald meinen Weg. Ich geriet auf die falsche Talseite zu einem Bauernhof. Ab dort versuchte ich mich anhand der Landkarte zu orientieren. Durch die Felder ging es hinab ins Tal zu einem Bachlauf und ich folgte diesem bergwärts. An einer günstigen Stelle überquerte ich dann den Bach.  Bald fand ich auch meine Strecke, eine uralte Kennzeichnung des GR 7, im Wald als Trampelpfad wieder, verlor ihn aber sofort wieder aus den Augen.

Offensichtlich war ich auf eine alte, seit Jahren nicht mehr genutzte Streckenbeschilderung gestoßen.  Ich orientierte mich weiter nach der Landkarte bergwärts und stieß auf einen Fahrweg, der mich zum Örtchen Vivey führte.

Hinter Vivey gelangt man schnell an das „Croix au Loup“, dem „Wolfskreuz“, einer unscheinbaren aber örtlich offensichtlich wichtigen Gedenkstätte mitten im Wald.


Ab hier folgen weitere mal größere, mal kleinere Wege durch den  unendlich erscheinenden Buchenwald. Aufgrund des Holzreichtums wird hier mit Buchenholz geheizt und vermutlich auch gekocht. An vielen Stellen verriet der Geruch von
Buchenholzfeuer einsam im Wald stehende Häuser, lange bevor man diese tatsächlich erreicht hatte.
Obwohl es auch heute regnete, kam ich viel besser voran und hatte deutlich bessere Laune als am Vortag.

Irgendwo in diesen Wäldern verläuft die Grenze zwischen der  Champagne-Ardenne und der Bourgogne, ohne das diese sonderlich kenntlich gemacht worden wäre.

 

Kurz vor dem Ort Lamargelle-aux-Bois verließ ich den Wald. Die Landschaft öffnete sich mit einem mal. Die finsteren, bewaldeten Bergtäler lagen plötzlich hinter mir und wichen einer weit geschwungenen, offenen Landschaft mit Feldern und Äckern. Irgendwie hatte ich hier den Eindruck, dass ich vom nächsten Hügel aus in eine riesige Ebene ähnlich dem Rheintal blicken könne. Doch der Eindruck sollte täuschen. Es ging weiter bergauf und bergab, jedoch wesentlich gemäßigter.


Ich erreichte den Bauernhof „Ferme de Borgirault“. Da hier die Wegbeschreibung etwas unklar war, erkundigte ich mich bei der deutschssprachigen Betreiberin nach dem weiteren Wegverlauf.

Bald hinter der „Ferme de Borgirault“ führte ein Feldweg hinab ins Tal. Von hier aus konnte ich einen ersten Blick auf Grancey-le-Château werfen. Der Weg sollte sich aber noch hinziehen, bevor ich die Unterstadt von Grancey erreichen würde. Auf diesem Weg hörte es, wie man es im Burgund erwarten darf, auf zu regnen.

Direkt am Ortseingang stieß ich auf das „Chambres Le Clos Latour“, einer schmucken Übernachtungs- möglichkeit. Eine vorsichtige  Anfrage ergab, dass der Zimmerpreis bei  65 Euro lag. Eigentlich deutlich zu viel für mein Budget.

Ich ging also weiter, hinauf in die Altstadt. Und oben aus der Altstadt wieder hinaus. Hier sollte ein Campingplatz liegen, den ich nach einiger Suche auch fand. Der Platz öffnete aber erst am 01.07.2012.  Da er zudem unmittelbar neben einer Polizeistation lag, wollte ich dort auch nicht unbedingt unangemeldet Zelten. Also ging ich wieder hinab in die Unterstadt, um schweren Herzens ein Zimmer im „Le Clos Latour“ zu mieten.

Die Unterkunft war zweifelsfrei ihr Geld wert. Zur Begrüßung gab es zunächst eine Flasche Bier in der großen Wohnküche. Ein erster flüchtiger Blick ins Zimmer überzeugte mich. Alles war sehr geschmackvoll und gemütlich eingerichtet. Das Badezimmer war hochwertig ausgestattet und die Heizung lief, so konnte ich eine erste kleine Wäsche einlegen und meine durchnässten Schuhe trocknen.

Ich bin dann nochmals ohne Rucksack hinauf in die Oberstadt gegangen und habe mich ein wenig umgesehen. Ich machte eine kleine Bäckerei mit einem ergänzenden Nahrungsmittelangebot ausfindig. Der Kauf von Brot, Wein und Lebensmitteln war somit gesichert. Nach dem Einkauf setzte ich mich am Dorfbrunnen für eine knappe Stunde in die Sonne, die mittlerweile heraus gekommen war. Schon bald bewölkte es sich aber wieder bedrohlich und ich trat meinen Rückweg an.

Noch vor Erreichen der Unterkunft fielen bereits schon wieder die ersten dicken Tropfen. Während des Regenschauers nahm ich mein Abendbrot im Zimmer zu mir.

Der Betreiber der Unterkunft, Herr Sparnaay, ein Niederländer, bat mich mehrfach am Abendessen der Familie teilzunehmen. Doch die Kosten für Essen und Getränke hätten die von mir eingeplanten Ausgaben um ein Erhebliches überschritten.

In der Abend- dämmerung hörte es dann wieder auf zu regnen. Aus dem Zimmerfenster ergab sich ein schöner Blick auf die alte Oberstadt von Grancey-le Chateau im Gegenlicht.

Mit diesem Bild vor Augen fiel ich in einen tiefen, festen Schlaf.