Tag 29. Von Is-sur-Tille nach Messigny-et-Vantoux

Am 15.06.2012

Strecke 23 Km (Gesamt 736 Km)

 

Meine gestrige Entscheidung, mir die Zeit so lange wie möglich im Ort zu vertreiben, war absolut richtig.

Auf dem Campingplatz achtete niemand auf irgendwelche Regeln und Rücksichtnahme war bei dem Platzpublikum wie erwartet ein Fremdwort. Ein etwa 16jähriges Mädchen hörte im Pkw auf der Parzelle nebenan bis nachts um 02:00 h immer das gleiche Musikstück, wahrscheinlich die Nr. 1 der französischen Charts. Das störte aber nicht weiter, da die Musik lediglich die lauthals geführten Unterhaltungen vor den Wohnmobilen untermalte. Gegen 04:30 h trat dann endlich ein wenig Ruhe ein. Trotz Ohrstöpsel hatte ich sehr schlecht geschlafen. Bereits um 06:00 h stand ich auf und führte eine Katzenwäsche im Fluss Ignon durch, die Zähne putzte ich mir vorsichtshalber mit Mineralwasser. Danach baute ich mein Zelt ab und packte den Rucksack. Ich gab mir keinerlei Mühe leise zu sein. Ich wollte nur so schnell wie möglich runter von diesem Platz. Meine Füße fettete ich erst auf einer nahe gelegenen Parkbank ein.

Danach ging es erst einmal zwei Kilometer zurück nach Marcilly-sur-Tille. Von hier führte ein kleines, einsames Sträßchen nach Gemeaux.

Der Wiesenrand der Straße wies eine erstaunliche Blumenvielfalt auf. Auf einer Strecke von kaum fünf Metern
konnte ich einen schönen, bunten Strauß zusammenstellen.

Auf dem Weg entlang der Strasse fand sich aber nicht nur eine beachtliche Blumenvielfalt. Am Straßenrand entdeckte ich eine circa 50 cm große Jakobsmuschel aus Styropor, vermutlich das Teil einer Umverpackung. Eine Wegkennzeichnung der anderen Art.

Schon bald erreichte ich das alte Örtchen Gemeaux. Hier gab es einen ungewöhnlichen Waschplatz und ein Bürgermeisteramt mit direkt angebauter Markthalle zu sehen.

Hinter Gemeaux galt es, die Senke von Marsannay zu durchqueren. Die Wegbeschreibung riet unbedingt dazu, diese Senke nach längeren Regen- fällen zu meiden. Da es erst seit gestern trocken war, hielt ich mich an diesen Rat und umging das weite Tal auf der stark befahrenen N74. An der Einmündung zur N74 hielt ein junger Mann mit seinem Pkw neben mir.  Er ahnte wohl, was bei dem Straßenmarsch auf mich zukommen würde und bot mir an, mich bis nach Marsannay zu fahren. Ich lehnte dies jedoch dankend ab, schließlich wollte ich Santiago ausschließlich
zu Fuß erreichen.

In der Talsenke angekommen hatte ich dann die Nase voll von der N74. Es war mir einfach zu gefährlich, den schmalen Randstreifen entlang zu gehen, während der Schwerlastverkehr mit 120 km/h an
mir vorbeirauschte. Aufgrund der großen Angriffsfläche mit dem Rucksack wurde ich hierbei immer wieder vom Fahrtwind der Lkw durchgeschüttelt.

Wie die Wegbeschreibung verriet, verlieren  sich alle Fußwege in der Ebene von Marsannay. Tatsächlich grenzten hier die Getreide- felder dicht an dicht. In der Ferne konnte ich am Hang eine Traktorspur in Richtung Marsannay ausmachen. Ich ging auf dieses Ziel zu und bewegte mich immer entlang der Feldkanten, stets bemüht, so wenig Schaden wie möglich anzurichten.

Hinter Marsannay-les-Bois führte eine kleine Landstraße weiter nach Savigny-le-Sec. Links und rechts dieser Straße lagen
Steinbrüche, in denen vornehmlich Schotter produziert wurde, eine ziemlich staubige Angelegenheit.
In Savigny gab es eine kleine Bar, die in der Mittagszeit geöffnet hatte. Hier bot sich die willkommene Gelegenheit die eingestaubte Kehle mit einem Bier frei zu spülen.

Ich hatte alle Zeit der Welt auf meiner Seite. In meiner gebuchten Unterkunft in Messigny-et-Vantoux konnte ich erst nach 17:00 h ankommen. Für die zwei Stunden Weg bis dorthin hatte ich volle vier Stunden Zeit. Was lag also näher, als eine ausgiebige Pause in der Sonne einzulegen. Am Wegesrand waren folienverpackte Strohballen aufgereiht.  Ich legte mich auf eine dieser duftenden Unterlagen und dämmerte vor mich hin.

Erst nach etwa 1,5 Stunden setzte ich dann meinen Weg in Richtung Messigny fort. Es ging weitestgehend über Feldwege und ich kam gut voran. In Messigny-et-Vantoux suchte ich als erstes meine gebuchte Unterkunft auf.

Aufgrund der etwas seltsamen Haus- ummerierungen und mangelnder Straßen- bezeichnungen bin ich erst einmal am Haus der Familie Deschamps vorbeigelaufen. Schon bald klingelte mein Handy. Herr Deschamps redete auf französisch auf mich ein. Ich verstand nur soviel, dass ich bis zur Apotheke zurücklaufen sollte, dort stand dann Herr Deschamps wild gestikulierend und führte mich anschließend zu seinem schönen Anwesen.

Das Haus und das Grundstück machten nicht nur von außen einen einladenden Eindruck. Auch innen war alles gepflegt und geschmackvoll eingerichtet.

So war ich auch nicht überrascht, dass ich für meine 45 Euro ein sehr ordentliches Zimmer mit Bad zugewiesen bekam.

Nach einer Dusche und einem Kleidungswechsel ging ich hinunter in den Garten und traf dort auf das Pilgerehepaar aus Trier, welches ebenfalls hier wohnte.

Nach einem Gespräch über die Routenplanung des Folgetages begab ich mich in das Zentrum des Örtchens. Es gab wenige kleine Geschäfte, darunter aber wieder eine Bäckerei mit erweitertem Nahrungsmittel- angebot, sodass ich mir mein Abendessen besorgen konnte.

Ich stellte meine Essensplanung noch einmal um. In einem kleinen
Restaurant aß ich auf der Terrasse einen großen Salatteller. Eine Portion Vitamine konnte schließlich nicht schaden.


Als Schlummertrunk nahm ich im Garten meiner Unterkunft noch ein schönes Glas Rotwein zu mir. Hierbei machte ich mir ein paar Notizen zum heutigen Tag und bereitete die morgige Etappe vor.