Rückreise von Cluny nach Solingen

Am 21.09.2012

 

Auf dem Handy hatte ich mir am Abend die Weckzeit 07:30 h eingestellt. Aber wie immer, war ich schon vor dem Alarm wach. Erst einmal gönnte ich mir eine heiße Dusche, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Danach baute ich das Zelt ab und packte meine sieben Sachen, inklusive der geöffneten Flasche Wein, in meinen Rucksack.

Anschließend verließ ich den Zeltplatz in Richtung Stadt. Das Thermometer im Zufahrtbereich des Zeltplatzes stand auf 3o Celsius. Auch mein für dieses Jahr letzter Tag in Frankreich schien sonnig zu werden.

Am Stadteingang überquerte ich abermals die Brücke über die „La Grosne“, einem kleinen Fluss ohne erkennbare Fließ- geschwindigkeit.

In der Stadt suchte ich als erstes ein Sportcafé (mit Wettbüro) auf, welches schon am frühen Morgen geöffnet hatte. Hier versammelten sich bereits Arbeiter, Angestellte und Studenten auf einen kleinen „Café noir“, ohne den in Frankreich nichts zu funktionieren scheint. Ich gönnte mir dort zwei „Grand Café noir“ und zwei Croissants, um ein wenig Brennstoff im Körper zu haben.


In dem warmen Café suchte ich die Unterteile meiner Wanderhose aus dem Rucksackfach und „zippte“ sie mit dem Reißverschluss an die Shorts. Jetzt war ich auch gegen Bodenkälte gewappnet.


Da ich bis zu meiner Abfahrt des Busses in Richtung Mâcon noch weit über eine Stunde Zeit hatte, lief ich ein letztes Mal durch die Stadt, auf der Suche nach einem fotogenen Plätzchen. Abermals liefen mir „die Kölner“ über den Weg. Auch sie waren gerade aufgebrochen, um ihren Weg in Richtung Tramayes fortzusetzen

Danach ging ich in Richtung Bushaltestelle. Die Sonne stand mittlerweile merklich höher. Ich setzte mich auf die Treppe eines verschlossenen Zugangs zum Klostergarten und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen. Hierbei erfuhr ich ganz nebenbei, wie umweltfreundlich die Stadtreinigung von Cluny funktioniert.

Da waren sie wieder, die jungen Menschen mit ihren seltsamen Kitteln. In einem englisch geführten Gespräch erfuhr ich, dass es sich um Studenten einer Ingenieur- schule handelt, die insgesamt für vier Jahre, also acht Semester, hier studieren. Über die gesamte Studienzeit wird von ihnen, zum Zeichen der Verbundenheit, in der Öffentlichkeit der Kittel getragen.


Die farbigen Stoffverlängerungen am unteren Rand der Kittel verraten den Insidern etwas über die bereits zurückgelegte Studiendauer und die damit erworbenen Privilegien (So dürfen die Erstsemester z.B. längst nicht alle Kneipen oder Partys besuchen)


Die im Schulterbereich aufgebrachten phantasievollen Namen werden zu Studienbeginn vergeben und während der gesamten Studienzeit von den Studenten beibehalten.

An der Bushaltestelle kam noch ein älteres niederländisches Pärchen vorbei. Ich bat sie, ein Foto von mir, der Bushaltestelle und meinem Rucksack zu machen. Die Unterhaltung wurde schnell in Deutsch, von der Gegenseite mit deutlichem niederländischem Akzent geführt. Das Pärchen bestand aber darauf, sich mit mir in „Europäisch“ zu unterhalten ;o).

 

„Europäisch“ = „Deutsch“, und das von Niederländern, ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

Bald darauf fuhr schon der Bus und brachte mich nach Mâcon.

Während der halbstündigen Busfahrt kam ich mit einer Lehrerin aus Marburg ins Gespräch, die zuvor eine Woche in Taizé verbracht hatte.

 

Eine ziemlich „vergeistete“ Type Mensch. Sie fand die Idee, einen Jakobsweg zu gehen, faszinierend. Pro Tag aber über 20 Kilometer zu laufen und hierbei einen Rucksack zu tragen, dass ging wohl ja gar nicht…… .

Kurz nach 11:00 h kam ich in Mâcon an. Mein erster Weg ging zum Fahrkartenschalter. Hier erwarb ich bei einem gewohnt freundlichen Mitarbeiter der SNCF eine Fahrkarte für den 14:07 h Zug nach Beaune.


An dieser Stelle mal ein dickes Lob für die Freund- lichkeit und Bemühtheit der Mitarbeiter und die Zuverlässigkeit der französischen Staatsbahn. Bei denen könnte sich die Deutsche Bundesbahn AG eine dicke Scheibe abschneiden, auch in der Preisgestaltung.

Ich hatte also knapp drei Stunden Zeit, um die schöne Stadt Mâcon ein wenig zu erkunden. Es hat sich gelohnt.

Auf einem malerischen Stadtplatz, in der Nähe eines schönen, alten Fachwerkhauses (mit tollen Schnitzereien) gönnte ich mir ein Mittagessen, denn der weitere Weg nach Hause würde ja  noch Stunden dauern.

Nach dem Essen schlenderte ich auf einer Einkaufsstraße langsam wieder zurück in Richtung Bahnhof. Diese führte mich zu einem größeren Platz, der von einer schönen, aus hellen Steinen errichteten Kirche dominiert wurde. Den Stempel für meinen Ausweis erhielt ich im Rathaus, das direkt gegenüber der Kirche auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes lag.

Wieder am Bahnhof angekommen hatte ich noch etwa 20 Minuten Zeit. Ich orientierte mich an den Fahrplänen und setzte mich auf eine Bank des Bahnsteiges, um die hier letzten Sonnenstrahlen auszukosten. Gewohnt pünktlich lief mein Zug in den Bahnhof ein und brachte mich auf direktem Wege zurück nach Beaune.


Um 15:00 h kam ich in Beaune an und ging zu meinem Wagen, der unversehrt auf dem Parkplatz stand. Am Ortsausgang von Beaune tanke ich mein Fahrzeug für die Rückfahrt randvoll. In einem am Ortsausgang gelegenen Supermarkt kaufte ich noch Getränke und ein wenig Obst als Wegzehrung.


Danach fuhr ich auf die Autobahn auf. Direkt nach passieren der Mautstelle, teilte sich die Autobahn. Zwei Fahrstreifen in Richtung Lyon / Marseille und zwei Fahrstreifen Richtung in Paris / Auxerre. Da mein Navigationsgerät nicht mit mir sprach, entschied ich mich rein gefühlsmäßig für die Richtung Paris / Auxerre. Prompt 1,5 Sekunden später verkündete das Navi, dass ich zunächst in Richtung Lyon hätte fahren müssen.


Die Navigationstechnik berechnete soforteine neue Route. Diese führte mich zurück nach Dijon, wo meine Autobahn allerdings am Stadtrand endete. Danach ging es im Berufsverkehr quer durch Dijon, wo ich am anderen Ende der Stadt die richtige Autobahn in Richtung Metz / Luxemburg erreichte.


Die weitere Heimfahrt verlief staufrei und unspektakulär, obgleich  ich hier und da starke Regengebiete durchfahren musste. Während der Fahrt ließ ich nochmals die letzten Tage durch den Kopf gehen.


Ich hatte sehr viel Glück mit dem Wetter gehabt. Obwohl ich ja nur vier Tage gelaufen war, hatte ich tolle und unvergessliche Erlebnisse. So war ich froh darüber Moni und Thomas aus
der Pfalz kennen gelernt zu haben, mit denen ich einige sehr schöne und lustige Stunden verbringen durfte.

 

Tiefe Eindrücke hatten auch die freundliche Fürsorge der Gemeindeschwester und des Herrn Duniault in Moroges bei mir
hinterlassen, die sich so selbstlos und rührend um meine trockene
Übernachtungsmöglichkeit gekümmert hatten. 

Die Erinnerung an das Treffen auf „die Kölner“, die sich Einfachheit und Authentizität bei der Begehung ihres
Jakobsweges auf die Fahne geschrieben hatten aber gleichzeitig nicht auf die Nutzung eines hochentwickelten Navigationsgerätes zurückschreckten, brachte mich erneut zum Schmunzeln.


Selbst der schmerzhafte Stromschlag am Weidezaun hatte, mit einigen Tagen Abstand, eine lustige Komponente. Obwohl mir
direkt nach dem Stromschlag nicht gerade zum Lachen zumute war.


So verging die Rückfahrt fast wie im Flug.


Um 23:50 h kam ich zu Hause an. Meine Kinder waren, wie jedes Wochenede, ausgeflogen. Meine Frau Jutta war gerade im Begriff hundemüde ins Bett zu gehen. Von der langen Autobahnfahrt war ich selbst hellwach und aufgekratzt. Mir kam die gute Flasche Wein vom gestrigen Abend in Erinnerung, die ich irgendwie noch in den Rucksack gestopft hatte.

 

Ich kramte den Wein hervor, holte mir ein Rotweinglas und setzte mich in die Küche. Hier habe ich noch lange die gut 200 Fotoaufnahmen meiner Wanderung auf dem Display der Digitalkamera betrachtet.

 

Es war eine wirklich schöne Zeit.