Anreise von Solingen nach Cluny

Am 30./31.08.2013

Vor fast genau einem Jahr hatte ich 2012 Cluny erreicht. Seit dem holte ich immer wieder einmal die beiden Wegbeschreibungen hervor und las darin oder riskierte einen Blick in die Landkarten, um mich mit dem Wegverlauf vertraut zu machen.

An verregneten Tagen habe ich mich dabei erwischt, dass ich nach Lichtbildern von Orten „googelte“, die ich passieren würde.

In den letzten Wochen vor der Wanderung stieg das Reisefieber ins Unermessliche und ich plante Übernachtungsorte und buchte erste Herbergen.

Endlich war es dann wieder so weit. Am Vortag der Anreise suchte ich nach meiner Packliste die bewährte Ausrüstung schon einmal zusammen. Da ich ja dieses mal 14 Tage unterwegs sein würde, ergänzte ich meine Ausrüstung um das eine oder andere Kleidungsstück. Nach einer Probewägung trennte ich mich aber sofort wieder von den zusätzlichen Stücken.

Am heutigen Vormittag packte ich in aller Ruhe meinen Rucksack. In der Mittagszeit war ich damit fertig. Die Sonne schien und ungeduldig wartete ich darauf, dass meine Tochter aus der Berufs-schule zurück- kommen würde. Sie wollte mich dann zum Hauptbahnhof Essen bringen, von wo um 17:30 h der TOURING-Fernreisebus in Richtung                    Chalon-sur-Saône starten sollte. Der Reiseanbieter bat darum, sich etwa eine Stunde vor Abreise am Haltepunkt einzufinden. Also war ich letztendlich um 15:15 h vor Ort.

An der Bushaltestelle musste ich mich erst einmal gedulden. Der sehnlich erwartete Bus hatte gut eine Stunde Verspätung und traf  erst gegen 18:30 h an der Haltestelle ein. Sofort folgte eine Überraschung. Der Bus würde via Köln in Richtung Rennes und Tour fahren. Ich musste also, was mir bislang unklar war, in Köln umsteigen.

Der Umstieg in Köln funktionierte problemlos, da die beiden Busse direkt hintereinander am Busterminal hielten. Zu meiner Überraschung war der Anschlussbus schon nahezu voll besetzt.

Ich fand meinen Platz auf der Rücksitzbank hinten rechts. Zunächst war ich froh, da die Rücksitzbank für fünf Personen ausgelegt aber bislang nur mit zwei Personen besetzt war. Schnell wurde mir klar, dass die Beinfreiheit in der letzten Reihe sehr eingeschränkt war. Immerhin konnte ich mich ein wenig quer hinsetzen, aber es war insgesamt sehr unbequem. Im Bus befanden sich sehr viele junge Menschen um die 20 Jahre, die allesamt einen Walkman im Ohr hatten oder auf ihren Smartphones daddelten. So entstand neben dem eintönigen Brummen des Busses ein leiser aber nerviger „Soundbrei“, der ein Nickerchen nahezu unmöglich machte. Dankbar wartete ich auf jeden Haltepunkt und auf jede kurze Pause, um den Bus wenigstens für ein paar Augenblicke verlassen zu können.

Auf der langen Fahrt durch Frankreich holte der Bus seine Verspätung nahezu wieder auf, so dass ich gegen 05:40 h, fast pünktlich, auf  dem Bahnhofs- vorplatz von Chaolon-sur-Saône endlich aussteigen durfte. Es war stockfinster aber es war auch deutlich wärmer als zu Hause.

Ich orientierte mich kurz an einem Stadtplan. Danach ging ich erst einmal zur Saône, um dort an einer Brücke den Tagesanbruch abzuwarten. Langsam setzte die Dämmerung ein. Ich beobachtete eine ganze Weile zwei Clochards, die aus einem Müllsack voller Weißbrot ca. 30 Schwäne auf dem Fluss fütterten. Endlich ging die Sonne hinter einem ehemaligen Kloster, das auf einer der Saôneinseln stand, auf.

Ich begann einen ersten Stadtrundgang und fand bald ein kleines Café, in dem ich eine große Tasse Kaffee und zwei Croissants bestellte, um die Lebensgeister zu wecken. Anschließend setzte ich meinen Stadtrundgang durch die Altstadt von Chalon-sur-Saône fort und entdeckte die eine oder andere schöne Ecke.

In der Kathedrale war in den frühen Morgenstunden eine Küsterin damit beschäftigt, die Blumen zu gießen und die Kerzen zu entzünden. Von ihr bekam ich den ersten Stempel der diesjährigen Tour in mein Credencial gedrückt.

In der Mittagszeit setzte ich mich wieder an den Fluss. Hier führt eine breit angelegte Treppenanlage bis ins Wasser der Saône. Es handelt sich hierbei um den alten Anleger aus den Zeiten der Dampfschifffahrt. Auf der Treppe gibt es großzügige Holzsitzgelegen- heiten, auf denen ich wenigstens eine Stunde fehlenden Schlafes wieder aufholte.

Gegen 14:00 h ging ich zurück zum Bahnhof, da ich von hier aus den örtlichen Bus nach Cluny nehmen würde. Die gut einstündige Fahrt verlief sehr unterhaltsam, zumal in den ebenfalls schon gut besetzten Bus eine ca. 30köpfige Pfadfindergruppe mit Rucksäcken und allem drum und dran einstieg. Es wurde sehr eng und es gab keinen Fahrgast, der nicht irgendetwas auf dem Schoß festhielt. Mein Rucksack wurde unter Mengen anderer Rucksäcke und Kühltaschen begraben. Dabei erhielt meine neue rote Alutrinkflasche, die ich erst kürzlich von einer lieben Kollegin geschenkt bekam, ihre erste Delle. Dafür sang die Pfadfindergruppe aber lauthals fröhliche Lieder zur Unterhaltung.

Endlich in Cluny angekommen, suchte ich den  mir bereits bekannten Campingplatz auf. Ich bekam einen Platz zugewiesen und baute dort mein Zelt auf. Danach ging ich in die Stadt und machte erneut einen ausgiebigen Stadtrundgang. In der Touristinfo holte ich mir einen weiteren schönen Stempel für mein Credencial. Bei dem Rundgang stach mir ein älteres Ehepaar in Wanderklamotten mit Rucksack und Jakobsmuschel ins Auge. Möglicherweise würde ich also nicht alleine auf dem Weg unterwegs sein.

Plötzlich ertönte laute Musik durch die ganze Stadt. Ich suchte deren Quelle und fand sie in der Nähe des Käseturms in einer 15köpfigen Studentenband, die mit Schlaginstrumenten und zahlreichen Blasinstrumenten einen „Samba-Ragtime-Klezmer-Brass-Sound“ hinlegten, der sofort gute Laune verbreitete. Viele Passanten blieben begeistert stehen und die Band sammelte so manchen Euro in ihrem aufgestellten Hut. Später zog die Band musizierend durch die Stadt oder spielte an anderen Plätzen des Ortes. Noch später am Abend saß sie gemeinsam im Außenbereich einer schönen Kneipe und setzte die Tageseinnahme in Flüssiges um.

Zum Abendessen suchte ich die mir schon bekannte Pizzeria  auf und scheiterte erneut kläglich an der Größe der bestellten Pizza.

Gegen 20:30 h war es bereits stockfinster. Ich ging zurück zu meinem Zelt und versuchte den fehlenden Schlaf der Vornacht aufzuholen.