Tag 41. Von Briennon nach Renaison

Am 05.09.2013

Strecke28 Km (Gesamt 1010 Km)

Ich hatte schlecht geschlafen. Mehrmals wurde ich wach und knipste sogar das Licht an, um nachzusehen ob nicht irgendwo etwas krabbelt. Entsprechend früh stand ich auf und frühstückte in der zum Hotel gehörigen „Bar-Tabac“. Gegen 07:00 h brach ich auf.

Schnell ließ ich Briennon hinter mir und bewegte mich über leicht ansteigende Feldwege aus dem Loiretal heraus. Ich erlebte einen schönen Sonnen- aufgang, während unten an der Loire noch einige Nebelbänke standen.

Der nächste Ort auf meiner Tour war Benisson mit seiner farbenfroh eingedeckten Abteikirche.

 

Danach ging es auf guten Feld- und Teerwegen und landschaftlich wunderschön in Richtung St. Romain de la Motte. 

Heute war der Tag, an dem ich die ersten 1000 Km vom Startort Wuppertal knacken würde, eine schon beachtenswerte Strecke. Allerdings passierte ich auch einen Wegweiser, der die Reststrecke nach Santiago auswies. Ich habe noch Großes vor mir.

Aufgrund vieler Kleinigkeiten schien es mir, als würde mit jedem Kilometer in Richtung Süden den Pilgern mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

In St. Romain stieß ich in der Mairie auf eine sehr freund- liche Angestellte. Noch bevor sie den erfragten Stempel hervorholte, stellte sie mir ein großes Glas Wasser hin. Während ich mein Credencial zusammenfaltete überreichte sie mir allerhand Informationsmaterial zur Stadt und zur Region.

Eine schöne Jakobsplastik im Zugangsbereich einer Restaurant- terrasse nahm ich als Einladung an. Ich setzte mich auf die Terrasse und trank mir ein frisch gezapftes Bier, bevor ich den Weg fortsetzte.

In den Feldern hinter St. Romain war die Beschilderung (und auch die Beschreibung) recht rar. Deshalb Achtung !!!! Hinter der zweiten T-Kreuzung nicht blind dem Teerweg nach rechts folgen. Der läuft sich nach einem guten Kilometer tot und endet auf einem Gehöft mit freilaufenden Hunden. Der Fehler fällt auch nicht ohne Weiteres auf, da man hier, wie beschrieben, zunächst ein Hof und später einen Teich passiert.

Deshalb, dort wo der Teerweg rechtwinklig nach rechts abknickt geradeaus auf dem Feldweg entlang der Baumreihe laufen. Nach einigen Metern ist auch wieder die Kennzeichnung erkennbar.

 

So gelangte ich an die beschriebene Bahnlinie. Ich bin nicht der Bahnlinie ein paar hundert Meter bis zum Übergang gefolgt, um sie dort zu überqueren und dann die gleiche Strecke auf der anderen Seite des Gleiskörpers wieder zurückzulaufen. Dort wo der Weg auf die Bahnstrecke trifft, läuft ein schwach erkennbarer Pfad durchs Gras und quert die Gleise. Auf dem jenseits gelegenen Feldweg ging ich etwa 30 Meter nach links und dann sofort nach rechts und schon hatte ich das Muschelsymbol wiedergefunden.

Bis St. Haon verläuft der Weg flach durch Felder und Weide- land. In St. Haon folgt dann nochmals eine brutale Steigung hinauf in die Altstadt. Hier war, wie ich es schon gewohnt war, die Mairie und alle Geschäfte / Bars geschlossen.

Deshalb setzte ich sofort den Weg nach Renaison fort. Dort hatte ich mir mittags telefonisch ein Zimmer reserviert . Durch eine Talsenke, entlang an Weinfeldern, erreichte ich Renaison. Problem war jedoch, dass sich Renaison auf eine bestimmt 3 x 3 Kilometer große Fläche erstreckt. Ich erreichte die Stadt auf der Höhe und damit sozusagen am oberen Rand der Fläche, meine Unterkunft lag jedoch, wie ich später feststellen musste, eher am unteren Rand. Ein freundlicher, älterer Anwohner, den ich bei der Gartenarbeit ansprach, versuchte mir den Weg zu erklären. Aufgrund meiner mangelnden Sprachkenntnisse scheiterte dies natürlich kläglich. Kurzerhand  zog er sich daraufhin seine Turnschuhe an, setzte einen Strohhut auf und zeigte mir persönlich den Weg, bis ich mich nicht mehr verlaufen konnte.

Meine gebuchte Unter- kunft lag in einem weit abseits gelegenen Haus. Die Besitzerin, Mme. Bayle, war sehr freundlich, ein wenig alterszerstreut und irgendwie charmant schrullig.

 


 

Zur Erfrischung stellte sie mir einen großen Krug eiskalten Orangensaft hin. Danach zeigte sie mir mein Zimmer. Es lag in einem rückwärtigen Anbau des Hauses. Das Zimmer war mit uralten Möbelstücken eingerichtet und sauber.

Nach einer ausgiebigen Dusche zog ich mich um und ging die gut zwei Kilometer in den Ortskern. Alle Geschäfte hatten am frühen Abend geöffnet und es gab eine beachtliche Anzahl von Restaurants. In Einem gönnte ich mir ein schönes Steak mit Pommes Frites und Salat.

Den Rückweg trat ich erst bei Einbruch der Dunkelheit an. Meine Unterkunft erreichte ich bei völliger Dunkelheit. Jetzt stellte ich fest, dass das Anwesen der Mme. Bayle komplett mit einer Mauer mit aufgesetztem Metallgitterzaun umschlossen war. Mme. Bayle hatte zur Nachtzeit alle Grundstückszugänge verschlossen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als in der Finsternis den Zaun zu überklettern, zum Glück hatte Mme. Bayle keine Hunde.

 

Nach dem langen Tag mit seinen vielen Kilometern fiel ich sofort in einen tiefen festen Schlaf.