Tag 49. Von Chamalières-sur-Loire nach Lavoûte-sur-Loire

Am 13.09.2013

Strecke 28 Km (Gesamt 1195 Km)

Die letzte Nacht hatte ich tief und fest durchgeschlafen. Ganz entgegen meiner Gewohnheit wurde ich erst um 07:20 h wach. Als Erstes kochte ich mir eine halbe Kanne Kaffee. Danach nahm ich ein ordentliches Frühstück zu mir. Nachdem ich gespült und den Rucksack gepackt hatte, verließ ich die urige Unterkunft. Es ging  erst einmal wieder steil hinab nach Chamalières.

Gestern Abend hatte ich die Wegbeschreibung studiert und festgestellt, dass es heute wieder bis 800 m hinauf in die Berge und durch Wälder gehen sollte. Von der Loire würde ich so gut wie nichts zu sehen bekommen.

So hatte ich mich entschlossen, zumindest bis Vorey-sur-Arzon der Landstraße D103 zu folgen und jeden kleinen Nebenweg entlang des Flusses zu nutzen, der sich bot. In Montbrison hatte ich mir bereits zwei IGN-Landkarten im Maßstab 1:25.000 gekauft, auf denen eben diese kleinen Nebenwege gut erkennbar waren.

Im Ort angekommen lief ich direkt entlang der hier träge fließenden Loire. Der Weg führte bis zu der Ortsbezeichnung „le moulin“ offensichtlich einer alten Mühlenanlage, die zu einem kleinen Wasserkraftwerk umgebaut wurde. Ab dort näherte sich der Nebenweg immer mehr der D 103.

Irgendwann hatte ich die Landstraße erreicht. Obwohl sie hier eigentlich die Haupt- verbindungsstrecke zwischen den Orten im Loiretal darstellt, war sie überraschend wenig befahren, so dass man gut an ihr entlang laufen konnte.

Schreckmomente gab es immer nur, wenn sich Rennradfahrer völlig geräuschlos von hinten genähert hatten, um dann in dichtem Abstand mit hoher Geschwindigkeit an einem vorbei zu radeln. Von diesen Rennradpiloten gab es dort einige. OK, normalerweise läuft man ja auch auf der Fahrbahn mit Blickrichtung in den Gegenverkehr, aber ich wollte halt die Loire sehen.

Schon bald erreichte ich das kleine Dorf „Le Chambon“. Hier überquerte ich ein weiteres Mal den Fluss.

Am Ende des Viaduktes wird auch gleich noch die Eisenbahnlinie überquert, die aus einem Tunnel wenige Meter rechts des Brückenbauwerkes kommt.

 

Vielleicht einen guten Kilometer hinter „Le Chambon“ kommt auch der      GR 3 aus den Bergen hinunter und quert die Fahrbahn. Hier nahm ich den Wanderweg wieder auf und folgte ihm in seinem Verlauf nahe der Loire bis nach Vorey-sur-Arzon.

Kurz vor Vorey-sur-Arzon windet sich der Fluss und zerteilt sich in mehrere Läufe. Hier konnte ich einige schöne Fotos von der Loire schießen, wie ich sie mir im Oberlauf vorgestellt habe.

In Vorey-sur-Arzon besorgte ich mir in der Tourist-Information eine weitere IGN 1:25.000 Karte, um für den weiteren Weg bis nach Lavoute-sur-Loire gewappnet zu sein. Im Anschluss legte ich eine kleine Erfrischungspause ein und studierte Wegbeschreibung und die neue Landkarte.

Hinter Vorey-sur-Arzon schien es, als hätte Irgendjemand meine Flüche der letzten Tage über die schlechten Wege gehört. Ein frisch planierter Feldweg führte mich, immer leicht ansteigend, aus dem Tal der Loire hinaus.

Ich stieß auf eine T-Kreuzung und folgte nach links dem GR 3. Im weiteren Verlauf war ich froh, dass ich mir die neue Karte gekauft hatte. Wegbeschreibung und Wegkennzeichnung waren eine ganze Zeit lang völlig unklar. Letztendlich richtete ich mich nach der Karte und verließ mich auf mein Bauchgefühl und Orientierungsvermögen. Damit lag ich letztendlich richtig.

Ich erreichte das Dörfchen „La Couleyre“ wo meine Geduld mit der Wegbeschreibung des Outdoor-Führers stark strapaziert wurde. Zwei Fehlversuche endeten mit zerkratzten Beinen auf irgendwelchen landwirtschaftlichen Flächen ohne weiteren Weg. Ich versuchte einen Anwohner ausfindig zu machen, traf aber, außer auf kläffende Hunde, niemanden an.

 

Lange Rede kurzer Sinn. Man sollte am Ortseingang von „La Couleyre“ nicht den offensichtlichen Weg durchs Grasland zwischen der Scheune und dem Wohnhaus linkerhand gehen (weil s.o.). Der richtige Weg führt direkt vor der Scheune vorbei und war im September 2013 ganz frisch mit zertrümmerten Dachpfannen aufgeschüttet. Nach passieren der Scheune führt er als kaum wahrnehmbarer Pfad weiter durch Grasland, um dann auf den Feldweg Richtung Cèneul zu stoßen. Um dahinter zu kommen, habe ich bestimmt eine ¾ Stunde vertan.

Nach der Aufregung war der GR 3 wieder leicht einzuhalten und führte nahezu ständig bergab. Die Landschaft schien mit einem Male völlig ausgetauscht. In den letzten Tagen hatten lange, gefaltete Hügelketten den Horizont bestimmt. Mit einem Mal wurde dieser Blick von einer Ebene mit zahlreichen kegelförmigen Hügeln abgelöst, die ihre vulkanische Herkunft kaum verbergen konnten.

Einmal in der Ebene ange- kommen erreichte ich ohne weitere Steigungen mein Etappenziel Lavoute-sur-Loire.

Da bei meinem Eintreffen wieder einmal die wenigen Geschäfte und Restaurants geschlossen hatten, ging ich direkt zum Zeltplatz. Diesen erreichte ich über eine schier endlos erscheinende Landstraße. Der Zeltplatz lag bestimmt zwei Kilometer außerhalb des Ortes, dafür aber nahezu direkt am Fluss. Dort traf ich auf die deutsch-niederländisch sprechende Platzwartin mit ihrem riesigen Hund. Ich bezahlte meine Gebühren und durfte mir den Stellplatz frei auswählen.

Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, ging ich zurück in die Stadt. Ein freundlicher Hobbyfotograf schoss auf der Loirebrücke ein paar Fotos von mir.

 

In einer Pizzeria gönnte ich mir auf der Terrasse einen ¼ Liter Rotwein und vertrieb ich mir die Zeit, bis es auch etwas zu Essen gab. Zum Abschluss des Tages aß ich eine riesige Pizza und trank einen weiteren ¼ Liter Rotwein.

Im Dunklen ging ich über die Landstraße zurück zum Campingplatz. Ein lebensgefährliches Unterfangen. Kaum zu glauben, was dort für Geschwindigkeiten gefahren werden.