Tag 37. Von Cluny nach Saint-Jacques-des-Arrêts

Am 01.09.2013

Strecke 31 Km (Gesamt 910 Km)

 

Die Nacht hatte ich erwartungsgemäß tief und fest durchgeschlafen und warf bereits gegen 06:00 h einen ersten Blick aus dem Zelt und musste feststellen, dass der Himmel bewölkt war. Ich stand auf und ging duschen. Gegen 06:45 h setzte die Morgendämmerung ein. Schnell war das Zelt abgebaut, der Rucksack gepackt und ich machte mich marschfertig.

Der Weg führte mich zunächst wieder in die Stadt, um diese dann durch die „Porte Saint-Odile“ wieder zu verlassen. Direkt nach Durchschreiten des Tores konnte ich die weiß-rote Markierung des GR76 ausmachen, der ich zunächst einmal bis Tramayes folgen konnte.

 

Zunächst ging es etwa 1,5 Sunden lang im weiten Bogen durch das Tal bis an den Fuß einer ersten Hügelkette. Hier stieß ich, wie schon bereits im letzten Jahr, auf einen ganzen Wurf süßer kleiner Kätzchen, die sich abermals in das Gestrüpp rechts des Weges verdrückten. Lediglich zwei von ihnen nahmen nicht sofort reißaus. Wahrscheinlich waren es kleine Kater. Beim Versuch sie hochzuheben fauchten und spuckten sie schon wie eine Große.

Nach Überquerung des Flüsschens „Grosne“ begann ein erster Anstieg. Nachdem dieser erst einmal geschafft war, verlief der Weg in der Höhe fast ebenerdig in Richtung Tramayes. Immer wieder ergaben sich links und rechts tolle Ausblicke auf die liebliche Landschaft, obwohl die Sonne an diesem Vormittag Schwierigkeiten hatte, die Wolkendecke zu durchbrechen.

Nach fünf Stunden in Tramayes angekommen, musste ich auf den schönen Stempel der Tourist-Info leider verzichten, da diese, wie alle anderen Geschäfte und Gaststätten auch, geschlossen waren. Es war halt Sonntag.

Nach kurzer Pause in Tramayes setzte ich meine Wanderung in Richtung Cenves fort. Bald folgte der zweite Aufstieg des Tages, der wesentlich knackiger ausfiel, als der Erste. Der Grund hierfür lag nicht nur in der Steigung der Strecke sondern vielmehr am felsigen Untergrund, der schlecht zu laufen war. An einer einzigen Stelle ergab sich durch die Hügel ein Blick auf die noch entfernt liegende Ebene der Loire.

Beim Abstieg in Richtung Cenves war meine Wasserflasche leer. Hinter der Mauer eines Gehöfts hörte man zahlreiche Stimmen. Ich ging durch das Eisentor und traf hier auf eine große Gruppe von Motocross-Fahrern, die mir bereits tagsüber auf den einsamen Waldwegen mit ihren Maschinen begegnet war. Meine Bitte um frisches Trinkwasser wurde natürlich erfüllt, gleichzeitig wurden mir freundlicherweise zwei „Petit blanches“, kleine 100 ml Gläser Weißwein, angeboten, die ich gerne annahm.

Der nächste Ort, Cenves, war bald erreicht. Ich fand in dem kleinen Ort schnell das Hotel/Restaurant „Dargaud“, in dem ich eigentlich Station machen wollte, welches jedoch leider ausgebucht war.

Hier trank ich zur Erfrischung zwei Biere vom Fass. Danach ging es weiter in das rund sechs Kilometer entfernte Saint-Jacques-des-Arrêts.

Bald nach verlassen des Örtchens Cenves verlor ich die Wegmarkierung und musste mich neu orientieren. Letztendlich entschloss ich mich die knapp ein Kilometer kürze Straßenstrecke nach Saint-Jacques zu laufen, zumal in der Wegbeschreibung ein steiler Abstieg (Gift für meine Knie) auf der Originalstrecke beschrieben wurde.

In Saint-Jacques-des-Arrêts angekommen, musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass das als besonders pilgerfreundlich beschriebene Ehepaar, Josette und Roland Sangouard, keine Pilger mehr unterbringt. Das Geschäft scheint von einer nahe gelegenen Auberge mit Restaurant übernommen worden zu sein, die aber leider geschlossen hatte. Immerhin konnte mir Mme. Sangouard den Kontakt zu der Betreiberin des winzigen Campingplatzes (ca. 6 Stellplätze) vermitteln. Mme. Sangouard versorgte mich mit einer Flasche Bier, um den ersten Durst zu stillen.

 

Während des Abendbrotes, das 

an diesem Tag aus meinen Notvorräten bestand, bemerkte ich Bewegung in der Auberge. Auf Klopfen am Fenster wurde mir geöffnet. Ich bat um einen Stempel und konnte die Betreiberin dazu überreden, mir einen      ¼ Ltr. Wein für den Abend zu verkaufen, den ich bei Sonnenuntergang genossen habe.