Tag 47. Von La-Chapelle-en-Lafaye nach Valprivas

Am 11.09.2013

Strecke 26 Km (Gesamt 1143 Km)

 

Nach dem gemeinsamen Frühstück packten wir die Rucksäcke, räumten den Schlafsaal auf und kehrten das Gîte kurz durch. Um 08:00 h standen wir wanderfertig vor der Tür.

Zunächst ging es steil wieder hinauf nach Montarcher, dem kleinen aber feinen Dorf.

Vom Kirchplatz gab es einen tollen Ausblick ins Umland. Dort war eine große Porzellankarte aufgestellt, welche die direkte Umgebung erläuterte sowie die Richtung bedeutender Städte wies.

Vom Standort führten einige Treppenstufen und ein steiler Weg hinab. Sehr bald war der Punkt erreicht, an dem sich mein Weg von dem des französischen Ehepaares endgültig trennen sollten. Die Beiden wollten dem klassischen Jakobsweg „Voie Bollène“ nach Le Puy folgen, während ich mich für den GR 3 „Durch die Schluchten der Loire“ entschieden hatte. Am Trennungspunkt machten wir noch einige Fotos und wünschten uns „bon route“.

Für mich folgte dann der gut zu laufende Weg nach Apinac. Unterwegs passierte ich einen Jäger, der mit Hund und geladener  auf irgendwelches Wildgeflügel wartete. Kaum dreißig Meter weiter, scheuchte ich hinter einem Gebüsch einige Birkhühner oder ähnliches (ich kenne mich nicht wirklich damit aus) auf, die sofort aufflogen. Unweigerlich hörte ich zwei Schüsse aus der Büchse des Jägers und eines der Tiere trudelte zu Boden. Das Abendessen des Waidmannes war damit wohl gesichert.

Für ein ganzes Stück verschlechterte sich der Weg und glich wieder einem ausgetrockneten Bachbett.

Ich durchquerte den Ort Estivareilles und lief, ein leider viel zu kurzes Stück, einen verträumten Wiesenweg zwischen zwei Bächen entlang.

In Apinac war eine kleine Epicerie geöffnet, in der ich mich mit Brot, Käse einer kleinen Wurstkonserve sowie Rotwein eindeckte. Ich aß eine Kleinigkeit. Im Gegensatz zur Epicerie war die Mairie geschlossen, so dass es wieder einmal keinen Stempel gab.

Und weiter ging es in Richtung Eclunes-Hautes.

Dort angekommen, war ich für einen kurzen Moment desorientiert. Der wurde auch prompt von einem Rudel heranwachsender, halbstarker Schäferhundwelpen ausgenutzt, die mich bellend umzingelten. Der Mutigste von ihnen schnappte kurz nach meiner Wade, traf sie zum Glück aber nicht. Ein kurzer, erfolgreicher Tritt nach dem Helden und die Meute suchte kläffend das Weite.

Anstrengend wurde es nach dem Ortsteil Eclunes-Basses. Nach passieren einiger einzelnstehender Bauernhäuser erreichte ich, steil bergab gehend, in der Talsohle einen kleinen Bach. Den musste ich überqueren, um auf der gegenüberliegenden Seite wieder einen stark ausgewaschenen, felsigen Weg bergauf zu gehen. Heute, auf dem Foto betrachtet, sieht es eher aus, als wäre der Weg eine künstlich angelegte Römerstrasse, was direkt vor Ort so nicht erkennbar war. Wie dem auch sei, eine wahrhaft üble Wegpassage, die so nicht im Outdoor-Führer beschrieben ist.

Wieder auf dem Hügelkamm angekommen, führte die Strecke in Richtung Valprivas.

Eigentlich wollte ich in Valprivas die Nacht auf dem Campingplatz verbringen. Die Wolken zogen sich aber zu einem dunklen Grau zusammen. Es sah stark nach Regen aus. Außerdem blies mir auf den letzten Höhenkilometern ein ziemlich kühler Wind entgegen, so dass mein Körper ziemlich ausgekühlte. So lange ich lief, wurde mir dies gar nicht bewusst. Bei der ersten kurzen Rast in Valprivas fing ich jedoch an zu frösteln.

 

Nahe des Ortszentrums fiel mir eine völlig neu erbaute Unterkunft auf, die neben di- versen Ferien- wohnungen auch eine „Gîte etappe“ beherbergte. Ansprechpartner für die Unterkunft war das „Le Courpatta Chez Zaz“ Bar/Restaurant in der Ortsmitte, welches, wie könnte es anders sein, geschlossen war. Ich kam mit ein paar etwa 12jährigen Schülern ins Gespräch, die ihre Englischkenntnisse an mir ausprobierten. Einer von ihnen trieb einen jungen Mann auf, der mir Zugang zum „Gîte etappe“ verschaffte, die näheren Modalitäten wollte er um 17:00 h regeln, wenn das  „Le Courpatta Chez Zaz“  geöffnet sei.

Ich erhielt den Schlüssel für das absolut neuwertige Gîte. Es bestand aus einem Wohn- / Schlafraum mit vier Betten und einer Kochecke, einem weiterem Schlafraum mit vier weiteren Betten sowie einem modernen Badezimmer. In der Gesamtanlage stand auch eine gemütliche Leseecke mit zahlreichen Infomaterialien zur Umgebung sowie einer Fernsehecke zur Verfügung.

Um kurz nach 17:00 h ging ich zurück zum „Chez Zaz“, welches immer noch geschlossen hatte. Ich erkundete den Ort und fand etwas außerhalb eine Gedenkstätte mit drei Steinkreuzen und einer tollen Rundumsicht.

Gegen kurz nach 18:00 h war das „Chez Zaz“ noch immer geschlossen und nach 20:00 h waren sogar die Gardinen zugezogen.

 

Obwohl ich bereits mittags die Heizung in der Unterkunft angeworfen hatte, fröstelte ich noch immer. Ich kam auf die abstruse Idee, mir aus Rotwein und einigen Orangenbonbons einen Glühwein zu bereiten. Gemacht, getan. Er schmeckte erbärmlich, wärmte aber auf. Zum „Glühwein“ aß ich zu Abend und ging, nun nicht mehr fröstelnd, zu Bett.