Tag 50. Von Lavoûte-sur-Loire nach Le Puy-en-Velay

Am 14.09.2013

Strecke 16 Km (Gesamt 1211 Km)

 

Der letzte Tag meiner diesjährigen Wandertour war angebrochen. Da ich möglichst viel Zeit in Le Puy verbringen wollte, hatte ich von vorne herein für heute nur eine kurze Etappe eingeplant und machte mich entsprechend früh auf den Weg. Bereits um 06:30 h stand ich auf und baute mein Zelt fast noch in der Dunkelheit ab. Danach lief ich die lange Landstraße zurück nach Lavoûte -sur-Loire. Am frühen Morgen hatte die Epicerie schon geöffnet, so dass ich mir etwas zum Frühstück und Getränke kaufen konnte.

Mein Weg setzte sich am anderen Ufer der Loire fort. Hier passierte ich den Bahnhof und ging für ein paar hundert Meter direkt an der Loire und einigen Felsabbrüchen entlang. Hierbei passierte ich eine alte, zerfallene Brücke sowie eine ebenso alte Mühlenanlage. Vom Château de Lavoûte-Polignac habe ich so gut wie nichts gesehen.

 

Sehr bald musste ich nach rechts in ein extrem steiles Waldgelände abbiegen. Der Weg führte mich in endlosen Serpentinen bergauf und war sehr anstrengend.

An wenigen Stellen ergab sich ein grandioser Blick zurück, auf das Städtchen Lavoûte, die Loire und ihre Brücken.

 

Auf der Höhe angekommen ging es über gut zu laufende Forstwege und kleine Fahrstraßen in die grobe Richtung Tressac.

 

Kurz vor Tressac passierte ich das Hofgut „Breuil“. Ich verließ den GR 3, denn hier war es möglich, über wenige hundert Meter Landstraße, den Ort Polignac zu erreichen, der von einer mächtigen Festungsanlage überragt wird.

In Polignac stieß ich wieder auf den Jakobsweg. Durch diesen Wechsel hatte ich etwa zwei Kilometer Wegstrecke nach Le Puy eingespart.

Hinter Polignac ging es noch einmal durch eine seichte Talsenke mit einem gemäßigten Anstieg auf den gegenüberliegenden (wirklich allerletzten) Höhenzug vor Le Puy.

Nach einigen hundert Metern Fahrstraße gelangte ich an eine große Parkanlage. Der Weg ging stetig bergab. Am unteren Ende angekommen, bot sich ein beeindruckender Blick über die Felsnadel mit der Kirche "Saint-Michel d’Aiguilhe", dem Felsen mit der riesigen Statue               "Notre-Dame-de-France" und der Kathedrale von Le-Puy-en-Velay.

Bereits gegen 13:00 h ging ich durch den Vorort Aiguilhe, überquerte den Fluss “La Borne“, und passierte den Fuß der Felsnadel. Im weiteren Verlauf gelangte ich in die Altstadt von Le Puy.

Mein erster Weg führte mich zur Kathedrale mit der gewaltigen Treppenanlage. An der Pforte angekommen, hatte ich mein diesjähriges Wanderziel erreicht.

 

 

Hier genoss ich eine ganze Zeit lang den schönen Blick in die Altstadt und machte einen ersten Rundgang durch die Kathedrale.

Als nächstes ging ich zum Bahnhof, da ich mich frühzeitig um eine Fahrkarten zurück nach Chalon-sur-Saône kümmern wollte. Auf meinem Weg durch die Altstadt traf ich ein letztes Mal auf Marie-Therese und Michel. Sie saßen mit einem anderen französischen Pilgerpaar in einem Café. Nach einem kurzen Plausch tauschten wir unsere Email-Adressen aus. Danach verabschiedeten wir uns. Ich kaufte mein Bahnticket und konnte wieder einmal feststellen, dass französische Fahrkartenverkäufer wesentlich freundlicher sind, als ihre deutschen Kollegen.

Direkt gegenüber des Bahnhofs lag das „Ibis Budget“ Hotel, welches mit einem großen Plakat für ein Sonderpreis für Übernachtungen warb. Ich beschloss, mir für die letzte Nacht in Frankreich ein wenig Luxus zu gönnen. Ich checkte ein und bekam zum Sonderpreis ein Dreibettzimmer mit Wannenbad, in dem ich es mir gut gehen ließ.

Frisch gebadet und ohne Rucksack erkundete ich die Stadt. Die Altstadt von Le Puy ist sehenswert, mit alten Häusern, engen, verwinkelten Gassen und schönen Treppenanlagen. Noch einmal führte es mich hinauf zur Kathedrale, wo ich um kurz nach 14:00 h in der jetzt geöffneten Sakristei meinen Pilgerstempel bekam.

Von dort aus führte es mich zurück zur Felsnadel, wo ich zu der „Chapelle Saint-Michel-d’Aiguilhe“ hinauf stieg. Hier oben bot sich eine schöne Aussicht auf die Stadt und das Umland. Die kleine romanische Kapelle ist sehr schlicht eingerichtet, verfügt aber mit ihren zahlreichen Säulen über eine tolle Aura.

Nach meinem Abstieg setzte ich mich in eine Bar, trank ein Bier und schrieb in alter Manier einige Postkarten an meine Bekannten und Freunde.

Ich beobachtete, wie ein junger Mann mit einem 900 ccm schweren Quad vorfuhr und sich an den Nebentisch setzte. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass im Tankbereich des Vehikels ein Piktogramm mit dem Rollstuhlfahrersymbol aufgeklebt war. Ich fand, es war ein gelungener Gag und fotografierte das Fahrzeug. Damit sprang ich mit beiden Füßen in ein Fettnäpfchen. Es kam daraufhin zu einem Gespräch mit dem Fahrer, der gebrochenes Englisch sprach. Ich erklärte ihm, dass ich das Rollstuhlsymbol auf einem schweren, geländegängigen Quad ziemlich lustig fand.  Er erwiderte, dass es kein Gag sei. Er habe vor Jahren einen schweren Motorradunfall gehabt, bei dem er ein Bein verlor. Tatsächlich zeigte er mir sein Holzbein. Seitdem könne er nicht mehr Motorradfahren fahren und fahre nun halt Quad. Um  Behindertenparkplätze nutzen zu dürfen, sei die Kennzeichnung Pflicht. Peinlich, peinlich. Der junge Mann nahm es gelassen und erklärte sich sogar bereit ein Foto von mir zu schießen.

Der Nachmittag verging wie im Flug. Ich schlenderte nochmals durch die Altstadt und fand in einem versteckten Hof das ansprechende Restaurant „Destille“. Ein deftiges Pfeffersteak stand auf meinem Speiseplan.

Da es wieder zu regnen angefangen hatte, beeilte ich mich nach dem Essen schnell ins Hotel zu kommen. Dort machte ich meine Notizen zum Tag und ging früh ins Bett.