Tag 46. Von Moingt nach La-Chapelle-en-Lafaye

Am 10.09.2013

Strecke 25 Km (Gesamt 1117 Km)

 

Dem Höhenprofil nach zu urteilen, würde es heute wahrscheinlich der anstrengendste Tag meiner diesjährigen Etappe werden. Nicht nur, dass der höchste Höhenzug überwunden werden musste, nein ich hatte auch viele Tageskilometer zu absolvieren. Aus diesem Grund bin ich schon bei dem ersten Morgengrauen, gegen 06:45 h, aufgestanden. Nach einer Katzenwäsche baute ich das Zelt ab und verließ gegen 07:30 h den Zeltplatz.

Bereits nach Verlassen der Stadtgrenze stieg der Weg beharrlich durch Felder und Weinfelder an. Er führte mich zunächst nach St.-Thomas-la-Garde und später an den verträumten See Etang de Vidrieux.

 

 

 

 

Vor Erreichen des Örtchens St.-Georges-Haute-Ville konnte ich etwa        500 – 600 m vor mir Michel mit seiner Frau Marie-Therese erkennen, die ganz offensichtlich noch vor mir gestartet waren. Von hier aus ergab sich auch ein schöner Ausblick auf einen Basaltkegel mit einer Kirche oder einem Kloster.

Schon bald folgte der nächste Anstieg auf den Montsupt mit seiner kleinen, immer verschlossenen Kapelle „Sainte Madeleine“. Ich gönnte mir dort einen Blick auf das bedeutende Fresko, indem ich, wie beschrieben die Sichtklappe an der Pforte öffnete und den Knopf „Lumiere“ drückte.

Von der Kapelle ging es zunächst einmal steil bergab und führte über zum Teil schmale Wiesenpfade und Hohlwege, die Zweifel an der Richtigkeit der gewählten Route aufkommen ließen.

Nach einem kurzen, knackigen Anstieg erreichte ich Saint-Jean-Soleymieux mit seiner bemerkenswerten Kirche. Vor dem Kirchen- portal traf ich erneut auf Marie-Therese und Michel, die mir andeuteten, dass die Kirche durchaus sehenswert sei.

Sie ist in den Hang hinein gebaut. Nach Betreten des Gotteshauses geht man erst einmal ein paar Stufen hinunter, um die Ebene des Kirchen- schiffes zu erreichen. Von hier aus führt eine weitere kleine, steile Treppe hinab in die Krypta.

Nach einer kurzen Besichtigung der Kirche legte ich eine kleine Erfrischungspause ein.

Die war auch dringend notwendig, denn hinter Saint-Jean-Soleymieux geht es nur noch steil bergan. Auf dem halben Weg nach Marols holte ich das französische Ehepaar ein, dass heißt, sie hatten mich in der Entfernung hinter sich gesehen und warteten an einem schönen Aussichtspunkt auf mich. Gemeinsam setzten wir unseren Weg in Richtung Marols fort.

In dem kleinen, aber sehr gepflegten Ort Marols, gab es eine besondere touristische Attraktion. An bedeutenden Gebäuden oder Aussichtspunkten waren massive, hölzerne Schatz- truhen aufgestellt. In diesen befand sich jeweils eine Textrolle, die die Sehenswürdigkeit oder den Ausblick näher erläuterten. Tolle Idee. Zudem schienen in Marols einige moderne Künstler und Ateliers ansässig zu sein, die ihre Spuren im Ortsbild hinterließen.

Ständig ging es bergauf, am Hof „La Citre“ vorbei, bis zum                 1170 m ü. NN gelegenen „Le creux du Cerf“. Auf der Strecke zwischen Trier und Le Puy wird kein höherer Punkt passiert.

 

Das wesentlich ältere Ehepaar überraschte mich mit ihrer Kondition. Gleichmäßigen Schrittes, aber ohne jegliche Pause, stapften sie bergan. Erstmals fiel mir hier auf, dass Michel, trotz der zeitweise steinigen Wege, lediglich Outdoor-Sandalen an seinen wettergegerbten Füssen trug. Die Beiden hatten meinen vollen Respekt.

Vor Montarcher trennten sich erneut unsere Wege. Vorläufig.

Ich hatte von zu Hause aus telefonisch in Montarcher ein Zimmer in der Unterkunft „Le Clos Perché“ gebucht. Die Celliers wollten in, dem einen Kilometer entfernt liegenden, La-Chapelle-en-Lafaye in dem dortigen Gîte communal übernachten.

 

Kurz darauf erreichte ich meine Unterkunft „Le Clos Perché“, ein gediegen wirkendes Haus mit feinem Speisesaal. Obwohl einige hochwertige Autos vor dem Hause standen, die wohl kaum den Köchen gehörten, wurde mir erklärt, dass heute (dienstags) Ruhetag sei. Dies galt nicht nur für das Restaurant, sondern wohl für das ganze Haus.

Wieder zog der Himmel sich bedenklich zu. Da es in Montarcher keinen Zeltplatz gibt, blieb mir nichts anderes übrig als den steilen Kilometer hinab nach La-Chapelle-en-Lafaye zu laufen.

Im Gîte communal, traf ich auf Michel und Marie-Therese, die gerade eingecheckt hatten.

Zum Glück war Herr Jolly, der Verantwortliche, noch vor Ort. Problemlos nahm er auch mich auf. Nachdem dieses geregelt war, öffnete er seinen Bauchladen. Aus einem Karton heraus erstand ich eine Dose Linsensuppe mit Wurst, eine Dose Paté, zwei Fruchtjoghurts sowie ein halbes Baguette, welches Herr Jolly an Pilger zum Selbstkostenpreis weiterverkaufte.

Erneut aß ich mit dem Ehepaar Cellier zu Abend, die diesmal den Wein spendierten. Gemeinsam teilten wir uns anschließend den kleinen Schlafsaal mit seinen doppelstöckigen Betten.