Tag 45. Von Montverdun nach Moingt

Am 09.09.2013

Strecke 22 Km (Gesamt 1092 Km)

 

Als Weckzeit hatten Michel und Marie-Therese mit mir 07:00 h abgesprochen. Auf dem Weg zum Waschraum blickte ich über die Klostermauer ins Tal. Die Landschaft war im dichten Morgennebel verborgen.

Wir räumten mit wenigen Handgriffen den Schlafsaal auf und packten die Rucksäcke. Danach gingen wir in die Gemeinschaftsküche und frühstückten zusammen. Hinzu kam eine Dame, die das Kloster wohl hauptamtlich verwaltet. Sie konnte Michel dann sagen, wo wir nach Verlassen der Unterkunft den Schlüssel hinterlegen mussten.

Nach dem Frühstück sah es bereits so aus, als sollte es wieder ein schöner Tag werden.

 

Wir brachen auf, verschlossen das Kloster hinter uns und deponierten den Schlüssel wie abgesprochen.

Nach einem letzten Blick zurück auf das romantische Kloster trennten sich bald unsere Wege.

Über aufgeweichte Waldwege umrundete ich den Basalthügel Mont d’Uzore und geriet hier in das Nebelfeld, welches vom Hügel so malerisch ausgesehen hatte.

Ich erreichte den Ort Chalain d’Uzore. Den versprochenen Pilgerstempel im Rathaus gab es nicht, da dieses wieder einmal geschlossen hatte.

Von dort aus ging es problemlos weiter bis nach Champdieu, wobei ich einige Male den Canal du Forez queren musste.

In Champdieu fiel mir sofort auf, dass an fast jedem Haus Dacharbeiten ausgeführt wurden. Zumindest alle Dächer mit älteren Tondachpfannen waren zerstört, andere Dächer mit Planen notdürftig abgedeckt. Ich traf auf einen Anwohner und deutete auf die Dächer, hierbei machte ich mit dem Finger eine spiralförmige Bewegung, um einen Tornado anzudeuten. Der Anwohner verstand meine Geste und schüttelte mit dem Kopf. Danach berichtete er von „grêlons“, also von Hagelkörnern, und zeigte hierbei mit den Fingern ein O mit etwa 8cm Durchmesser.

Im Ortskern sah ich einige abgestellte Pkw, die im Hagelschlag ungeschützt ausgesetzt waren. Sie hatten durchweg Glas- und irreparable Karosserieschäden.

Ich stellte mir vor, wie es wohl ausgegangen wäre, wenn ich zwei Nächte zuvor in Pommiers-en-Forez in meinem Leichtzelt geschlafen hätte und dort ein derartiger Niederschlag heruntergekommen wäre.

Hinter Chamdieu stieg der Weg auf einem Schotterpfad leicht an und brachte mich nach Montbrison, eine kleine, schmucke Stadt mit zahlreichen Geschäften, die in der Mittagszeit durchweg geschlossen hatten.

 

 

 

 

Zunächst ging ich zu der gewaltigen Collégiale Sainte Claire en Forez. Die Küsterin wollte gerade ihr Büro zur Mittagspause verlassen, hatte aber Verständnis für Pilger und drückte mir noch eben den Kirchenstempel ins Credencial.

Bei einem Bier vom Fass machte ich eine Stunde lang Pause auf dem Stadtplatz „Place de Mairie“. Auf dem weiteren Weg kam ich an der Touristeninformation vorbei. Dort hing ein Schreiben mit einem schönen Muschelsiegel aus. Natürlich ließ ich mir auch diesen Stempel ins Credencial drücken.

Anschließend ging ich durch kleine Seitenstraßen, später entlang einer stark befahrenen Ausfallstraße, die in den zwei oder drei Kilometer entfernt liegenden Vorort Moingt führte, hinaus. Der Campingplatz  war leicht zu finden und schnell hatte ich das Zelt aufgebaut. Leider hatten am Montagabend die wenigen Gaststätten und Läden in Moingt geschlossen.

Kurz entschlossen zog ich mir die leichten Freizeitschuhe  an, steckte meinen Einkaufsbeutel ein und lief entlang der Hauptstraße zurück in Richtung Montbrison. Auf halber Strecke fand ich einen ALDI-Markt, der geöffnet hatte. Hier besorgte ich mir mein Abendbrot und in der angegliederten Bäckerei ein kleines Baguette.

Danach ging es zurück zum Zeltplatz. Da es an diesem Abend noch recht warm war, legte ich die Matratze vor das Zelt, machte es mir gemütlich und aß zu Abend.