Tag 39. Von Propières nach Le Cergne

Am 03.09.2013

Strecke 22 Km (Gesamt 955 Km)

 

In der Tallage des Zeltplatzes muss es über Nacht wohl sehr kühl gewesen sein, in meinem Zelt hatte sich viel Kondenswasser gebildet und ich musste es klitschnass einpacken. Es versprach trotzdem, ein sehr schöner und wolkenloser Tag zu werden.

Nach Verlassen des Campingplatzes führte ein leicht ansteigender Teerweg bzw. ein Pfad durch Weideland und lichten Wald hinauf nach Les Echarmeux. Auf dieser Strecke erhielt ich per SMS die Nachricht, dass mein Sohn soeben die Fahrprüfung bestanden hatte und nunmehr stolzer Besitzer eines Führerscheins war.

Problem- und mühelos erreichte ich den Kreis- verkehr von Les Echarmeux, in dessen Mitte eine gestiftete Napoleonstatue aufgestellt ist. Von hier aus genießt man einen tollen Blick ins weite Land.

Danach ging es ständig bergauf und bergab weiter, meistenteils auf grottenschlechten Wegen. Ich passierte nacheinander den Col des Ailles (715m), den Bois de Lafay (867m), den Col des Ecorbans (853m) und den Berg Mont Pinay (883m).

 

Überwiegend führte der Weg durch dicht bewaldete Gebiete. Aus diesem Grund habe ich am heutigen Tag auch nur wenige Fotos geschossen.

 

Im weiteren Verlauf erreichte ich das „Blaue Kreuz“, einem wichtigen Kreuzungspunkt mehrerer Wanderwege. In diesem Bereich verlief früher die alte Salzstraße von Digoin an der Loire nach Thizy in der Nähe von Le Cergne.

 

An manchen Stellen im Wald waren die Wege sehr tief eingeschnitten. In meiner Heimat, dem Bergischen Land, gibt es ähnliche Wege. Auf ihnen wurde früher Steinkohle aus dem Ruhrgebiet auf Pferdefuhrwerken herangekarrt, um damit die beginnende metallverarbeitende Industrie im Bergischen zu versorgen. Ich konnte mir durchaus vorstellen, dass es sich bei diesen Wegen um Überbleibsel der ehemaligen Salzstraße handelte.

Heute hatte ich nach den ersten beiden Tagen eine kurze Etappe ausgewählt. So erreichte ich meinen Zielort Le Cergne auch schon am frühen Nachmittag. Wieder einmal waren die wenigen Geschäfte und Einkehrmöglichkeiten entlang des Weges und auch in Le Cergne selbst geschlossen.

Das Hotel „Bel Vue“ war in dem kleinen Ort schnell zu finden und ich checkte dort ein. Ich hatte die Übernachtung bereits von zu Hause aus per Email gebucht. Nach Bezug des Zimmers setzte ich mich auf die sonnendurchflutete Terrasse. Schon bald darauf traf auch die niederländische Wandergruppe im Hotel ein und wir fanden auf der Terrasse bei einem gemeinsamen Bier in ein erstes Gespräch. Ich erfuhr, dass die fünf Männer in jedem Jahr, eine Woche lang, eine andere Landschaft Frankreichs bewandern und diesmal der Jakobsweg im Bereich Roanne an der Reihe war.

Von der Hotelterrasse ergab sich ein wirklich wunderschöner Blick ins Land, was zur Namensgebung des Hotels sicherlich beigetragen hat. Während des schönen Nachmittages hatte ich mein nasses Zelt unterhalb der Terrasse auf einem gepflegten Rasenstück zum Trocknen ausgebreitet.

In den frühen Abendstunden unternahm ich einen kleinen Rundgang durch den überschaubaren Ort, um mich dann um 19:30 h zum Abendessen im Hotel einzufinden.

 

Das Essen war durchaus sein Geld wert. Es gab Melone mit Räucherschinken, Filet Mignon mit Wildreis und Currysauce, einen Käseteller aus der Region und als Dessert wählte ich einen Kaffee sowie einen Armagnac.

 

Abschließend nahm ich noch einen    ¼ Ltr. Rotwein mit auf mein Zimmer. Ich nutze den restlichen Abend um mich mit der nächsten Tagesetappe vertraut zu machen und um mir einige Erinnerungen zum heutigen Tag zu notieren.

Aus meinem Zimmerfenster heraus konnte ich ein sattrotes Abendrot erleben.