Rückreise von Le Puy en Velay nach Solingen

Am 15./16.08.2013

 

In der Nacht hatte ich geschlafen wie ein Stein. Um 07:00 h ging es zum Frühstück. Für ein Hotel war das Frühstücksangebot ziemlich mager, aber irgendwo muss der günstige Preis ja herkommen. Ich räumte mein Zimmer und durfte bis zur Abfahrt am Mittag meinen Rucksack in einen Gepäckraum an der Rezeption abstellen.

Abermals suchte ich die Altstadt auf, diesmal mit dem Ziel Rocher Corneille, dem Felsen mit der Statue „Notre-Dame-de-France“.

Ich stieg die vielen Stufen zum Felsen hinauf und besichtigte die riesige Statue von außen und innen.

Blick aus der Plexiglaskuppel durch die Krone der Statue
Blick aus der Plexiglaskuppel durch die Krone der Statue

Hier hatte man einen sagen- haften Ausblick auf Le Puy und das Umland, über das ein Regenschauer hinweg zog.

 

Besonders beeindruckend ist, dass man auf die „Chapelle Saint-Michel d’Aiguilhe“ hinab schauen kann, als sei sie Teil einer Modelleisen- bahnplatte.

Nachdem dem Abstieg, ging ich noch ein letztes Mal durch die Kathedrale. Offensichtlich war hier gerade eine Messe zu Ende und die Luft war extrem weihrauchgeschwängert.

Die schwarze Madonna
Die schwarze Madonna
Der Fieberstein "Pierre des Fièvres" aus der Druidenzeit. Allein die Berührung mit dem Stein soll Fieber senken.
Der Fieberstein "Pierre des Fièvres" aus der Druidenzeit. Allein die Berührung mit dem Stein soll Fieber senken.

Auf meinem Weg zurück zum Hotel kam ich an der Tourist-Information vorbei, wo ich mir einen weiteren Stempel in mein Credencial drücken ließ.

Ich holte meinen Rucksack aus dem Hotel, ging zum Bahnhof und wartete auf meinen Zug in Richtung Lyon, der pünktlich um 12:38 h abfuhr.

Während der Zugfahrt saß in Fahrtrichtung links am Fenster und erlebte, was mir zu Fuß kaum gelungen ist. Der Zug zwängte sich über eine weite Strecke, immer dicht am Flusslauf entlang, durch die felsigen Schluchten der Loire. Hier bekam ich die Bilder vom Oberlauf der Loire zu sehen, die ich mir von meiner Streckenwahl versprochen hatte.

Um 14:54 h blieben mir in Lyon nur wenige Minuten zum Umsteigen, die ich auch komplett benötigte, um mich in diesem riesigen Bahnhof zu Recht zu finden.

Gegen 16:40 h traf ich in Chalon ein. Mein Bus nach Deutschland fuhr erst um 23:00 h zurück.

 

Ich schlug die Zeit damit tot, indem ich mir nochmals die, am Sonntagabend menschenleere Altstadt von Chalon ansah, und die Schaufenster der geschlossenen Geschäfte betrachtete. Eine ganze Stunde lang setzte ich mich ans gegenüberliegende Ufer der Saône, um den Sonnenuntergang abzuwarten.

 

Nachdem sie untergegangen war, ging ich wieder in die Stadt. Allmählich wurde es unangenehm kühl. Ich fand einen kleinen Dönergrill, der gerade geöffnet hatte. Hier nahm ich einen Imbiss zu mir und wärmte mich bei einem türkischen Tee auf.

Abermals ging ich in die Altstadt, die romantisch beleuchtet war. Ich schoss ein paar Nachtaufnahmen und nutzte Absperrpoller und Mülltonnen als Kamerastativ. Dann ging ich langsam ich Richtung Bahnhof und erreichte diesen weit eine Stunde vor Abfahrt des Busses.

Eine  direkt am Bahnhofsvorplatz gelegene Bar hatte geöffnet. Sie war mit alten Motorrädern, einem hölzernen Sportruderboot samt Paddeln unter der Decke und anderen historischen Sportgegenständen eingerichtet. Zudem lief hier die ganze Zeit Rock- und Popmusik, die voll meinen Geschmack traf. Ich gönnte mir zwei Biere vom Fass auf die Nacht und fühlte mich dort sehr wohl.

Kurz vor 23:00 h begab ich mich zur Bushaltestelle der Eurolines. Der Bus kam diesmal halbwegs pünktlich und war wieder sehr gut besetzt. Ich fand diesmal meinen Platz am Mittelgang. Der Fensterplatz neben mir war von einer ziemlich alternativ wirkenden jungen Frau besetzt.

 

Der Bus fuhr los und erreichte schnell die Autobahn. Zwei Reihen hinter uns daddelte ein jugendlicher Schwarzafrikaner ein Videospiel mit nervender Sounduntermalung. Bei einer kurzen Zustiegspause in Dijon vertraten wir uns die Beine. Hier wurde meine Sitznachbarin plötzlich zur Furie. Sie griff sich den jungen Afrikaner und stutzte ihn auf Englisch zurecht, dass er gefälligst den Sound ausstellen soll. Er hatte sein Gerät glücklicherweise im Bus gelassen. Ich glaube, wenn sie es in die Hände bekommen hätte, wäre es quer über den Busbahnhof geflogen.

 

Weiter ging es in Richtung Straßburg. Schnell machten wir einen neuen Störenfried aus, mein Sitznachbar auf der anderen Seite des Mittelganges, ein Spanier von erstaunlich kugeliger Körperfülle. Anstatt seinen Magen durch eine halbwegs liegende Position zu entlasten, schlief er mit der Stirn an der Rückenlehne der vor ihm liegenden Sitzreihe angelehnt. Dies hatte zur Folge, dass er unentwegt rülpste, pupste, hüstelte oder schnarchte. An Schlaf war wirklich nicht zu denken.

So kam ich mit meiner Sitz-    nachbarin ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie in Hamburg wohne, 34 Jahre alt und von Beruf Floristin sei. Sie erzählte von ihrer Umschulung, was generell in dieser Welt schlecht laufe und von diversen Erlebnissen mit den "Bullen".

 

Es kam wie es kommen musste. Irgendwann kam die Frage auf, was ich beruflich mache.

 

Nachdem ich mich mit „Kriminalbeamter“ offenbart hatte, kam es zunächst zu der von mir erwarteten Gesprächspause. Danach ging es jedoch von ihrer Seite sehr moderat weiter, wie interessant und aufreibend der Beruf sei und dass man dafür wohl geboren sein müsste. Gut die Kurve bekommen.

 

So verquatschten wir die Zeit. Ich verließ am Haltepunkt Köln Hauptbahnhof den Bus, da die S-Bahnverbindung nach Solingen von hier aus wesentlich besser ist als vom Bahnhof Essen aus.

Am späten Vormittag erreichte ich unsere Wohnung. Meine Frau und meine Kinder waren arbeiten. Ich legte mich sofort ins Bett, um den fehlenden Schlaf der letzten Nacht aufzuholen. Bevor ich einschlief, ließ ich noch einmal vor meinem inneren Auge die schönen Erlebnisse der letzten beiden Wochen Revue passieren. An die absolute Ruhe in den riesigen Wäldern der ersten Wandertage, an die leicht schrullige Mme. Bayle in Renaison, an die wunderschöne Zeit im Hause der Familie Brette in Saint Maurice, an meine lieben Weggefährten Marie-Therese und Michel, mit denen ich mich leider viel zu wenig austauschen konnte und vor allem daran, dass dieses Jahr die Tour der geschlossenen Rathäuser, Geschäfte, Restaurants und Bars war.