Tag 42. Von Renaison nach St.Jean-St.Maurice-sur-Loire

Am 06.09.2013

Strecke 19 Km (Gesamt 1029 Km)

Nach einem schlichten, aber mit viel Liebe zubereiteten Frühstück verabschiedete ich mich von Mme. Bayle.

Erneut musste ich entlang der vielbefahrenen Nationalstraße laufen, um den Ortskern von Renaison zu erreichen. Heute war es zum ersten Mal wieder bewölkt und die Sonnen- strahlen schienen fingerartig durch Wolkenlücken herab.

Auf dieser Strecke passierte ich einen Antiquitätenhändler, dessen Außengelände gestern in der Dunkelheit nur schemenhaft wahrnehmbar war. Dort lagerte so manch altes Schätzchen.

Dank einer Skizze von Mme. Bayle fand ich das Muschelsymbol im Ortskern von Renaison schnell wieder. Wieder stieg der Weg an, verlief dann aber immer entlang der Hügelkette des Forez. Linkerhand war meistenteils ein Blick auf die Loire-Ebene und Roanne möglich.

Über St.-André-d´Aprchon gelangte ich am späten Vormittag nach St.-Alban-lex-Eaux.

In der Mittagszeit erreichte ich Lentigny. Die Mairie hatte, wie könnte es anders sein, geschlossen, öffnete aber um 13:00 h. Da ich gut in der Zeit lag, legte ich eine Pause auf dem Platz vor der Mairie ein. Bald gesellte sich ein junger, portugiesischer Pilger zu mir. Dieser sprach leider nur Spanisch und Portugiesisch. Eine Unterhaltung war nur mit Wortbrocken und Gesten möglich. Ich verstand aber soviel, dass er in Porto gestartet war und über Santiago-de-Compostella und St.-Jean-Pied-de-Port hierhergelaufen war. Er wollte seinen Weg noch bis Vezelay fortsetzen. Nach einigen Schlücken Wasser brach er schon wieder auf. Pünktlich um 13:00 h öffnete die Mairie und ich bekam meinen Stempel.

Danach ging es weiter in Richtung St.Jean-St.Maurice. Hinter dem verlassenen Schloss Chatelus habe ich wohl wieder geträumt, jedenfalls kam ich vom Weg ab. Diesmal war der Fehler jedoch leicht zu korrigieren, da von der Höhe die Kirche von St.Jean bereits in Sichtweite lag.

 

In Saint-Jean nahm ich erwartungsvoll auf der Außen- terrasse eines schönen Hotels Platz, da ich sehr durstig war. Ich wurde direkt weggeschickt.

Man war, wen wundert es, gerade im Begriff zu Schließen.

Der Wirt füllte meine Wasser- flasche auf und ich stillte meinen Durst mit Wasser am Straßenrand.

Danach setzte sich der Weg in das etwas tiefer gelegene Saint-Maurice fort. Einen schönen Stempel sollte man dort in der Epicerie bekommen, die es jedoch schon seit Jahren nicht mehr gab. Dafür erhielt ich ihn im örtlichen Info-Zentrum.

Nachdem ich meinen Durst mit zwei Bieren in einem Restaurant in unmittelbarer Nähe der Burgruine gestillt hatte, unternahm ich einen kleinen Stadtrundgang.

Sowohl gerade in der Tourist-Info als auch hier im Restaurant hatte man mich gefragt, wo ich die Nacht verbringen würde. Als ich die Begriffe „Eau de Puits“ und „Nathalie Brette“ nannte, erntete ich anerkennendes Nicken und die Aussage "tres bien", dass die Unterkunft in Ordnung sei und Mme. Brette ihre Sache sehr gut mache.

Saint-Maurice liegt malerisch oberhalb der Loire. Um die schon erwähnte Burgruine schmiegt sich ein verwunschenes Dorf, in dem die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben war.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, den alten Burgturm zu besteigen, um auch von hier aus den Ausblick zu genießen. Irgendwie achtete ich nicht auf die Zeit und plötzlich war es schon           17:30 h.

Schnell machte ich mich an die ca. 2 Kilometer Aufstieg  in den Ortsteil Odenet, wobei sich ein schöner Blick zurück auf St. Maurice mit seiner Burgruine ergab.

Endlich erreichte ich „Eau du Puits“. Nathalie hatte mich schon auf der langen Zufahrt kommen sehen und begrüßte mich freundlich vor dem Haus.

Ich sollte erst einmal an dem großen Tisch im Innenhof des Gebäudes Platz nehmen. Bald kehrte Nathalie mit einem  kühlen Bier als Willkommens- trunk zurück.

Nachdem ich es ausgetrunken hatte, führte sie mich zunächst in ihr gemütlich und geschmackvoll eingerichtetes Haus.

Sie zeigte mir mein Zimmer, das                „petit dotoir“ ein Vierbettzimmer mit schönem Bad, welches ich ganz allein für mich hatte. Ich sollte ihr auch meine verschwitzte Wäsche geben, sie wollte sie bis morgen waschen und trocknen.

Um kurz vor 20:00 h trafen wir uns an dem großen Tisch im Innenhof zum Aperitif. Wir, das waren ein Ehepaar aus Kerpen, und dem Elsass, die Besitzer Brette und ich. Die Frauen aus Kerpen und dem Elsass waren zweisprachig und so kam eine ganz passable Unterhaltung mit den ausschließlich französisch sprechenden Gastgebern zustande.

 

Als Vorspeise gab es dünne, geröstete Scheiben verschiedener Bortsorten, dazu wurde eine „Tapenade“ (Paste aus schwarzen Oliven, Kapern, Knoblauch, Salz u. Pfeffer) gereicht. Es wurden dicke Scheiben einer hausgemachten, groben Salami angeboten, die sehr schmackhaft war. Als Abschluss der Vorspeise bot Nathalie warme Blätterteigpralinen mit einer dünnen Käseschicht an, die jeweils mit Sesamkörnern, Kümmel, Anissamen oder Mohn bestreut waren. Köstlich! Dazu wurde ein kühler, halbtrockener Roséwein aus der Region getrunken.

 

Als es draußen kälter wurde, wurde das Essen im Inneren des gemütlichen Hauses fortgesetzt. Die Runde nahm an einem großen, ovalen Tisch vor dem Kamin Platz.

 

Nathalie servierte Lammfleisch, dazu gab es Bulgur und einen Zuchiniauflauf. Alles war nordafrikanisch, in einer mir bislang völlig unbekannten Geschmacksrichtung, gewürzt . Nach dem Hauptgang kam eine große Käseplatte mit Käsesorten der Region auf den Tisch, darunter ein schmackhafter „Montbriac“ aus der Auvergne mit seiner eher unsympathisch aussehenden grau-grünen Rinde und ein hoher, runder Käselaib aus Montbrison.

 

Als Abschluss gab es warmen Apfel-Brombeer-Crumble mit Vanilleeis und einen starken Kaffee, der in einer ganz besonderen Art „Kaffeemaschine“ am Tisch zubereitet wurde. Während des gesamten Essens wurde mit einem leckeren Rotwein aus der Region nicht gegeizt.

Das Essen zog sich bis kurz nach 23:00h hin. Ich ging in mein Zimmer und legte mich ins Bett. Irgendwie konnte ich mit dem vielen Essen in Magen nicht so recht in den Schlaf finden. Ich schlief nur sehr oberflächlich und nahm irgendwann wahr, dass ein heftiger Dauerregen auf das Dachfenster prasselte. Ich war wirklich froh, diese Übernachtungsmöglichkeit ausgewählt zu haben.