Tag 38. Von Saint-Jacques-des-Arrêts nach Propières

Am 02.09.2013

Strecke 23 Km (Gesamt 933 Km)

 

An diesem Tag verließ ich gegen 07:30 h den kleinen Zeltplatz von Saint-Jacques-des-Arrêts ohne Frühstück, da die Auberge immer noch geschlossen hatte. Das Wetter versprach schön zu werden. Der Himmel war bereits blau. In meinem Zelt hatte sich ausnahmsweise mal kein Kondenswasser  gebildet, was wohl an der angenehm milden Temperatur und einem ständigen leichten Wind in der Nacht gelegen hatte.

Über eine Straße, später über geteerte Wege, lief ich hinab ins Tal. Die Sonne beleuchtete zunächst nur die Kammlage des gegenüberliegenden Bergzuges, um dann von Minute zu Minute auch das restliche Tal zu erobern. In der Talllage angekommen, war es dann empfindlich kalt. So kalt, dass der Atem kondensierte.

Im Tal hatte ich das Gefühl, dass der Weg anders ausgeschildert ist, wie er im Outdoor-Buch beschrieben wurde. Ich habe jedenfalls kein Haus mit blauen Läden gesehen, an dem man sich links halten soll. Fakt ist aber, dass ich tatsächlich, kurz vor erreichen der Talsohle, einen leicht ansteigenden Weg links wählte, der im weiteren Verlauf auch wieder gekennzeichnet war.

Aufgrund der niedrigen Temperatur, war ich ein wenig schneller unterwegs um mich warm zu halten und erreichte das kleine Örtchen Ouroux in kürzerer Zeit. Die erhoffte Tasse Kaffee gab es auch hier nicht, da  ebenfalls alle Bars geschlossen waren. In der örtlichen Mairie holte ich mir, von einer freund- lichen Mitarbeiterin, den Stempel ab.

Direkt hinter Ouroux ging es eine Wegstunde lang ständig bergauf, so dass die kühle Außentemperatur sehr schnell kein Thema mehr war. Nach einem Wegstück mit leichtem Gefälle machte ich eine  Pause in der inzwischen wärmenden Sonne und aß etwas, da mein Magen schon bedenklich knurrte.

Auf dem weiteren Weg ging es erst einmal weiter sanft bergab, gefolgt von einem einstündigen Aufstieg zum "Col de Cri". Hier gibt es eine moderne und gern besuchte Freizeitanlage mit Restaurant und einem Informationsbüro. Natürlich war das Restaurant, wie könnte es anders sein, geschlossen. Nebenbei bemerkt, befindet man sich an diesem Ort bereits in der Region Haute Beaujolais. Ich habe dort eine halbe Stunde pausiert, die Sonne genossen und meine Wasservorräte wieder aufgefüllt.

Direkt hinter dem „Col de Cri“ folgte der Hammeraufstieg zum „Mont St. Rigaud“ (1009 m) mit seinen steinigen, steilen Wegen. Dieser Aufstieg und die Wärme haben mich ganz gut fertig gemacht. Es gab dort Passagen, an denen bin ich nur noch 30 – 40 Schritte gegangen bin, um dann eine Minute zu verschnaufen.

Zudem führt der Weg nahezu ausschließlich durch dichte Wälder. Blicke ins Umland, wie dieser auf das Örtchen Mosols, ergaben sich nur sehr selten.

Auf der Höhe angekommen, ging es eine ganze Weile auf gut ausgebauten Forstwegen weiter, die nur noch moderate Gefälle oder Steigungen aufwiesen. Man läuft nur wenige Meter unterhalb des Gipfels entlang und erreicht so den Col de Patoux (915 m). Nach kurzer Teerstrecke führt von dort ein steiler Waldweg hinab nach Propieres.

In dem kleinen Propières gab es eine Epicerie, die immerhin geöffnet hatte. Ich vertraute darauf, dass der im Talkessel liegende Camping- platz „Plan d’eau“ auch über eine Einkaufsmöglichkeit oder gar einen Kiosk ver- fügte. Deshalb kaufte ich in der Epicerie nur Getränke, ließ mir einen schönen Stempel ins Credencial drücken und wanderte gutgelaunt ins Tal.

Am Campingplatz, der wunderbar an einem kleinen See lag, ange- kommen, musste ich feststellen, dass es keinerlei Einkaufs- möglichkeiten gab. Ich suchte mir einen Stell- platz, baute mein Zelt auf und ging mit Einkaufsbeutel und in meinen Freizeitschuhen die ca. 2 Kilometer bergauf, um mir in der Epicerie noch etwas zum Essen zu kaufen. Hierbei lernte ich einen Niederländer kennen, der mit vier Freunden ebenfalls zum Wandern unterwegs war. Sie hatten sich eine Blockhütte auf dem Campingplatz gemietet.

Auf dem Campingplatz zurück, wusch ich ein erstes Mal meine verschwitzte Wanderkleidung und trocknete sie auf einer Leine, die ich zwischen zwei Birken spannte.

Anschließend setzte ich mich mit meinen Vorräten an einen Picknicktisch, der direkt am Seeufer stand.

Bei einem ausgiebigen Abendessen genoss ich, wie die Sonne langsam hinter den Wäldern unterging. Nach Sonnen- untergang wurde es im Tal sehr schnell stockfinster.