Tag 43 Von St.Jean-St.Maurice-sur-Loire nach Pommiers-en-Forez

Am 07.09.2013

Strecke 23 Km (Gesamt 1052 Km)

 

Obwohl ich nicht wirklich gut geschlafen habe, wurde ich sehr früh wach. Ich ging noch einmal durch das Haus und stellte fest, dass die Einrichtung des Hauses sehr geschmackvoll war, selten habe ich Schöneres gesehen. Mme. Brette hatte offensichtlich ein geniales Händchen Altem mit Neuem und Kunst mit Kitsch zu kombinieren. Auch ihrer Art merkte man an, dass sie als Gastgeber dem „Gast geben“ und nicht nur Geld verdienen will. Meine absolute Empfehlung. Wenn es mein Zeitplan erlaubt hätte, wäre ich gerne eine weitere Nacht dort geblieben.

Zum Frühstück hatten wir uns alle für 08:00 h verabredet. Es gab leckeren Kaffee aber auch Tee oder Kakao. Nathalie stellte eine Auswahl selbstgemachter Marmeladen auf den Tisch, darunter auch Exoten wie Aprikose-Sternanis oder Rhabarber-Ingwer (beides sehr lecker). Natürlich fehlte auch Müsli, Obst und Joghurt nicht. Die Gastgeberin hatte schon am frühen Morgen frische Crepes gebacken.

Nach dem Frühstück erhielt ich meine frisch gewaschene Wäsche zurück. Ich packte meinen Rucksack. Da es immer noch regnete, zog ich direkt das Regenzeug an und machte den  Rucksack wetterfest. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von diesen lieben Gastgebern und lief in Richtung Bully los.

In Bully hörte der Regen dann allmählich auf. Die Straßen und Wälder fingen an zu dampfen. Da es hinter Bully ständig bergan ging, wurde mir bald in der Regenkleidung sehr warm, sodass ich sie auszog.          Die Sonne war als schwacher Punkt durch die Wolken erkennbar, folglich konnte die Wolkendecke nicht allzu dicht sein.

Auf halber Strecke nach Dance wurde der Weg flacher und blieb über Amions bis nach Pommiers auch so. Teilweise kam sogar die Sonne heraus.

In Amions traf ich auf das ältere Pilgerehepaar, welches ich schon in Cluny und in Charlieu aus der Ferne gesehen hatte. Es waren Franzosen, die leider nur Französisch sprachen. Immerhin konnte ich in Erfahrung bringen, dass sie in diesem Jahr, ebenso wie ich, die Strecke Cluny – Le Puy gingen. Also sollten wir uns wohl noch öfter über den Weg laufen.

Unterwegs stieß ich auf einen auffallend großen, schwarzen Käfer. Bis ich die Kamera herausgeholt hatte, hatte er sich schon wieder im Gras verkrochen. Kurzerhand hob ich ihn hoch und setzte ihn zurück auf den Schotterweg. Bitte nicht wiederholen, den Käfer- geruch bekommt man einen ganzen Tag lang nicht mehr von den Fingern.

Kaum in Pommiers angekommen, zog es sich dann wieder zu. Laut Beschreibung sollte hier auf dem Campingplatz für 10 Euro die Übernachtung in einem Wohnwagen möglich sein. Dieser war allerdings dauerbelegt. Man bot mir einen großen Standwohnwagen mit vier Schlafplätzen an, der allerdings 45 Euro die Nacht kosten sollte. Ich schluckte heftig. Mein Zögern wurde aber von einem heftigen Donnergrollen in der Ferne unterbrochen und meine Entscheidung fiel zugunsten des Caravans. Sie war auch gut, denn die ganze Nacht schüttete es wie aus Eimern. Außerdem kam es zu einem heftigen Temperatursturz auf gerade mal vielleicht noch 10 Grad.

Wie viel Glück ich möglicherweise bei dieser Entscheidung hatte, sollte ich erst zwei Wandertage später in Champdieu erfahren.

Trotz Regen ging ich nochmals zurück in den Ort. Die alte zerfallene Brücke über den Aix bot,  in Verbindung mit der alten Prieuré, ein tolles Fotomotiv.

Im Informationszentrum der „Prieuré de Pommiers“ erhielt ich den ersehnten Stempel ins Credencial. Die Besonderheit war, dass es sich eigentlich um zwei Stempel handelte. Einen, mit einem Schriftzug sowie ein winziges Siegel mit einem Baum.

Danach ging es im Starkregen wieder zurück auf den Campingplatz, ständig bemüht, das Credencial vor Wasserschäden zu schützen.

Dort angekommen war der Wohnwagen gut angeheizt und ich verbrachte einen gemütlichen Abend, schmökerte in meinen Reisebeschreibungen, machte Notizen und schaute in die Landkarten.