Tag 48. Von Valprivas nach Chamalières-sur-Loire

Am 12.09.2013

Strecke 24 Km (Gesamt 1167 Km)

 

Ich hatte nicht nur alleine im Gîte geschlafen, die ganze neue Anlage blieb über Nacht menschenleer. Gegen 07:00 h bin ich aufgestanden, habe gepackt, beiläufig gefrühstückt und anschließend die von mir genutzten Räume ausgekehrt. Aus meinen diversen Geldverstecken suchte ich einen 20 Euro-Schein heraus. Diesen wollte ich im Gîte mit dem Schlüssel hinterlassen, falls das „Le Courpatta Chez Zaz“ erneut geschlossen sein sollte.

Nein, zu meiner Verwunderung war es um 07:30 h geöffnet und durch Forstarbeiter bereits gut besucht. Ich trank einen großen Kaffee,beglich meine Rechnung und erhielt sogar einen Stempel in mein Credencial.

Danach verließ ich Valprivas. Als Erstes machte ich gut 300 mühsam erkämpfte Höhenmeter zunichte, indem ich hinab zum Tal des „Andrable“ lief. Ich konnte schon erkennen, dass ich heute quer zur Gebirgsfaltung lief und wohl noch Einiges vor mir hatte.

Wie schon gestern, hatte ich am Weges- rand neugierige Zuschauer.

 

Nach einer kurzen Strecke entlang des Baches überquerte ich den "Andrable".

Direkt danach, folgte der Aufstieg zum nächsten Hügelrücken. Erneut ging es dann auf einem steilen, felsig ausgewaschen Pfad bergab ins Tal des Flüsschens „Ance“.

 

Nachdem ich etwa einen Kilometer dem Fluss bergwärts folgte, ließ er sich auf einer kleinen Stahlbrücke überqueren. Hier schaute ich einige Zeit einem Fliegenfischer bei seinem Hobby zu.

Hinter Sarlanges verlief der Weg durch eine seicht geschwungene Landschaft um einen gewaltigen, mit Felsbrüchen versehene Bergkuppe herum. Heute Morgen hatte ich noch gedacht, ich müsste auch diesen Hügel überqueren.

So erreichte ich am frühen Nachmittag, relativ entspannt, Retournac an der Loire.

Ich freute mich darauf, ab jetzt entlang der Loire zu gehen und die Landschaft links und rechts des Weges zu genießen. Falsch gedacht. Nach Überquerung der Loire, auf einer schönen Brücke, musste ich mich auf der gegenüberliegenden Seite in Retournaguet wieder in die Berge und in den dichten Wald zu schlagen.

Von der Loire habe ich so gut wie nichts gesehen. Irgendwann führte ein tief ausgewaschener und mit Dornengestrüpp eng bewachsener Weg talwärts. Ich erreichte Chamalières-sur-Loire kurz vor Büroschluss und bekam in der Mairie so gerade noch den begehrten Stempel. Danach unternahm ich einen kleinen Stadtrundgang.

Bereits von Solingen aus, hatte ich als Unterkunft das Châlet „Le Pialloux“ gebucht. Um es zu erreichen, musste ich die Loire überqueren und einige hundert Meter steil bergauf aus dem Tal hinaufsteigen.

Das Châlet selbst ist etwas in die Jahre gekommen, aber sehr gemütlich. Die eigentlichen Betreiber waren zum Zeitpunkt meines Besuches leider nicht zugegen. So kümmerten sich deren Eltern um mich. Ich wurde mit vorbereitetem Essen und  Zutaten  für das morgendliche Frühstück fürstlich versorgt. Selbst an Bier und Rotwein hatten sie gedacht.

Der wilde Hofhund, der mich erst verbellte und dann nicht mehr von meiner Seite wich.
Der wilde Hofhund, der mich erst verbellte und dann nicht mehr von meiner Seite wich.

Da auch hier die deutsch-französische Sprachbarriere im Wege stand, hatte sich die Mutter des Betreibers Beistand besorgt. Ich lernte deren Bekannten, einen deutschstämmigen, pensionierten Fremdenlegionär kennen, mit dem ich mich sehr gut unterhielt.

 

Von ihm erhielt ich sogar das Angebot, bei Beginn meiner Etappe 2014 bei ihm zu Übernachten und mich anschließend in das nahe gelegene Le Puy fahren, damit ich dort starten könne. Ich war von der Gastfreundschaft überwältigt und überlege, ob ich dieses Angebot im nächsten Jahr annehme.

 

An diesem Abend habe ich lange für mich alleine im Châlet gesessen und mich durch die Leckereien (Bohneneintopf mit Kräutern, Hackbraten mit Käse in Tomatensoße, Käseplatte, gefüllte Crepes) gegessen.