Anreise von Wuppertal nach Le Puy

Am 10.-11.09.2014

Ein ereignisreiches Jahr ist seit meiner letzten Wanderung vergangen. Im Winter plagte mich ein seelisches Tief und im Anschluss kämpfte ich bis in den Sommer hinein mit einem Ermüdungsbruch im linken Fuss.

Trotz allem  bereitete ich mich gut auf die diesjährige Etappe vor und hoffte inständig, dass ich hinsichtlich des angeknacksten Fusses und ohne jegliches Wandertraining den Weg gut überstehen würde.

Am 10. September ging es endlich los. Am frühen Nachmittag fuhr ich mit der S-Bahn von Wuppertal nach Köln. Ich hatte mir bewusst ein großes Zeitfenster gelassen, da die Bundesbahn immer wieder aufgrund von Zugausfällen, Streckensperrungen und Verspätungen in die Schlagzeilen geriet.

Aber ich hatte Glück, der Zug fuhr pünktlich und so hatte ich ausgiebig Zeit, dem Treiben auf der Domplatte in Köln zuzuschauen.

Nachdem ein wenig Proviant für die Nacht eingekauft war, setzte ich mich in den Touring-Bus nach Lyon, der in diesem Jahr ohne jegliche Verspätung um 18:45 h startete. In Köln hatte kurz zuvor bei 16 Grad ein leichter Nieselregen eingesetzt.

 

Obwohl der Bus auch dieses Mal wieder voll besetzt war, fand ich irgendwann eine dauerhaft erträgliche Sitzposition und schlief während des überwiegenden Teils der Reise.

Pünktlich um 08:00 h erreichte der Bus den Bahnhof "Perrache" in Lyon.

Die Sonne schien bereits und es war schon 18 Grad warm. Ein gutes Omen.

Der Bahnhof Lyon-Perrache liegt auf einer Landzunge zwischen Saône und Rhône.

Ich ging zunächst ein Stück an der Saône entlang, wechselte dann an die Rhône, überquerte diese, um zum Bahnhof Lyon "La Part Dieu" zu gelangen. Lyon hatte ich mir schöner vorgestellt. Zumindest auf dem Weg zwischen den Bahnhöfen wurde nahezu überall gebaut und es herrschte starker Autoverkehr. Der an sich große Bahnhof "La Part Dieu" war gar nicht so einfach zu finden, da er sich hinter einem gigantischen Einkaufszentrum gleichen Namens versteckt.

Ich setzte mich auf den Bahnhofsvorplatz, nahm einen kleinen Imbiss zu mir und genoß die Sonne, wobei der Genuss nahezu in Minutentakt durch bettelnde Roma unterbrochen wurde. Eine der Frauen hat mich, ohne Wechsel meiner Sitzposition, sechs mal angesprochen.

Das war dann doch zuviel des Guten und ich begab mich in das Einkaufszentrum, um hier die restliche Wartezeit bis zur Weiterfahrt ungestört zu verbummeln.

 

Gegen 14:00 h fuhr dann der Zug in Richtung Le Puy. Leider hatte ich mich vergeblich auf die Fahrt durch das enge Tal der oberen Loire gefreut. Genau hier war das Gleisbett durch einen Erdrutsch beschädigt worden. So ging die Zugfahrt nur bis Firminy und wurde ab dort mit dem Bus fortgesetzt.

 

Auf der Fahrt nach Le Puy kam ich mit dem Ungarn "Csaba" ins Gespräch, der von hier aus bis nach Santiago laufen wollte. Wie sich herausstellen sollte, kreuzten sich unsere Wege einige Male.

In Le Puy angekommen, begaben wir uns zunächst in die Unterkunft der "Les Amis de Saint-Jaques" nahe der Kathedrale, um uns ein Bett für Nacht zu sichern.

Bei den "Les Amis" wurden wir sehr freundlich aufgenommen und bekamen problemlos unseren Schlafplatz zugeteilt

Danach gingen wir gemeinsam in die Stadt. Ich zeigte Csaba dort einige schöne Stellen, die ich aus dem letzten Jahr kannte. Der nächste Weg ging in die Kathedrale, wo wir uns in der Sakristei das "Créanciale" für die bevorstehende Wanderung besorgten.

Anschließend begaben wir uns wieder zurück in die Stadt, wo wir gemeinsam auf dem Rathausplatz ein, zwei Bier tranken und uns angeregt auf Englisch unterhielten.

Nachdem wir die Zutaten für ein Abendessen und ein wenig Proviant für den Folgetag eingekauft hatten, setzten wir uns in die Küche unserer Unterkunft. Gemeinsam mit  anderen Pilgern aßen wir zu Abend. In einem Kauderwelsch zwischen Französisch, Englisch und Deutsch wurde viel gescherzt und gelacht. Alle gingen früh zu Bett. Einen besonderen Nachtgruß gab es von der beleuchteten Statue "Notre-Dame de France", die zum Greifen nah durch das Fenster des Waschraumes hineinschaute.