Tag 65. Von Cahors nach Lascabanes

Am 28.09.2014

Strecke 22 Km (Gesamt 1574 Km)

Noch einmal genoss ich das umfangreiche Frühstücksangebot, obwohl heute im Speisesaal betriebsame Hektik herrschte. Das Hotel war über Nacht mit Busreisegruppen bis zum letzten Bett ausgebucht gewesen und alle Gäste drängelten jetzt zeitgleich in den Speisesaal.

 

Bereits am gestrigen Nachmittag hatte die nette Dame der Rezeption meine heutige Übernachtung in Lascabanes für mich reserviert. Ich hatte mich zu dieser 22 Kilometer langen Etappe entschieden, weil ich den Vorschlag des Rother-Wanderführers etwas unglücklich fand. Er sieht die Tagesetappen Cahors - Montcuq 31,5 Kilometer und für den Folgetag Montcuq - Lauzerte 14,5 Kilometer vor. Mit der Übernachtung in Lascabanes hatte ich nun zwei etwa gleichlange Tagestouren vor mir.

Erst um 08:45 h verließ ich das Hotel. Ich ging stadtauswärts und passierte erneut die "Pont Valentré". Der Jakobsweg führt direkt am Ende der Brücke sehr steil bergan aus dem Tal des Lot hinaus. Der Weg ist an vielen Stellen stufig in den Fels gehauen, manche der Stufen haben hierbei eine Höhe von 40 - 50 cm. Ich weiß nicht, ob mich das unregelmäßige Schrittmaß oder aber mein voller Magen ins Schwitzen brachte. Jedenfalls gewann ich schnell an Höhe und es ergab sich ein letzter schöner Blick auf die mittelalterliche Brücke. 

Auf der Höhe ange-kommen ging es entspannt und meistens sehr flach weiter. Der Weg führte wieder über einen dieser karsten Kalkrücken der "Causses" und es gab wenig Fotogenes zu sehen.

So trottete ich entlang des Weges und hätte mich im Weiler Les Mathieux beinahe verlaufen. Es gibt hier eine Stelle an einem recht neuen Gîte, an dem der Weg rein gefühlsmäßig geradeaus, halbrechts weiterführt. Tatsächlich muss man hier aber sehr scharf nach links abbiegen (Haarnadelkehre). Zum Glück hatte ein freundlicher Bauer meinen Irrtum bemerkt und mich wieder auf den "rechten Weg" gebracht. Tatsächlich ist diese Kehre durch Wegweiser angezeigt, ich hatte sie einfach nur verträumt.

Nach diesem Punkt führte ein steiniger, steiler Weg hinab ins Tal. Nachdem eine alte Bahnlinie unter- und die D 653 überquert war, ging es stetig, aber leicht zu laufen, bergan, hinauf nach Labastide-Marnhac. In der einzigen Gaststätte am Ort, legte ich eine Erfrischungspause ein. Der Gastwirt war gut aufgelegt und interessierte sich sehr dafür, woher ich kam und wohin ich wollte. Es war eine dieser Gaststätten, wie es sie wohl nur in Frankreich gibt und die Schank- und Speisewirtschaft, Bäckerei, Lebensmittel- und Kleinwarenhandel, Tabak- und Zeitungskiosk sowie Poststation unter einem Dach vereint.

Schon wenige Meter nach der Gaststätte passierte ich ein Wegkreuz, welches durch ein ausgefallenes Accessoire bemerkenswert dekoriert wurde. Irgend Jemand hatte hier seine total durchgelaufenen Wanderschuhe am Fuße des Kreuzes hinterlassen.

 
Irgendwo hatte ich einmal gelesen, dass von Deutschland aus der Weg nach Santiago de Compostela nicht mit ein Paar Schuhen zu bewältigen sei. Diese Aussage schien sich vor diesem Anblick zu bewahrheiten. Schließlich hatte ich nach dem Erreichen Le Puys im letzten Jahr meine alten LOWA-Schuhe auch ausrangiert, da die Sohlen teilweise blank gelaufen waren und einige Nähte des Obermaterials sich in Wohlgefallen aufgelöst hatten.

Der weitere Verlauf des Weges führte nahezu geradeaus durch die  Kalklandschaft der "Causses", in der sich wiederholend kümmerliche Weideflächen mit niedrigen Stein-eichenwäldern abwechselten.

Bereits am frühen Nachmittag erreichte ich meine Unterkunft, das "Gîte le Bouy", am Ortsrand von Lascabanes, ein ansehnliches Bauernhaus, mit großen Rasengrundstück.

Zunächst sicherte ich mir meinen Schlafplatz. Nach der obligatorischen Dusche und dem Wäschewaschen, nahm ich mir eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank des Gemeinschaftsraumes und setzte mich nach draußen zu den anderen Pilgern. Hier lernte ich erstmals Marcel aus Quebec/Kanada und Donald aus den USA kennen. Wir unterhielten uns prima auf Englisch. Später gesellte sich noch ein kanadisches Ehepaar aus British Columbia hinzu. Es war ein kurzweiliger Nachmittag bei dem viel gelacht wurde. Der Pilgerfreund aus British Columbia hatte die Ruhe weg, er sprach ein sehr gut zu verstehendes Englisch und hatte einen Humor, den man nur als "very British" oder besser noch als "extra dry" bezeichnen konnte.

 

Verführerischer Duft drang aus der Küche nach draußen. Wir hatten überhaupt nicht mitbekommen, dass die Hospitalera in der Zwischenzeit den Wintergarten des Hauses schon zum Abendessen eingedeckt hatte.  

Am Abendessen sollten neben mir, den drei Kanadiern und dem Amerikaner noch zwei Schweizerinnen, eine Französin und eine junge Italienerin teilnehmen. Das war wieder eine der bunten Nationalitäts-mischungen, bei der die Unterhaltungen in englischer, französischer, italienischer, deutscher und schwyzerdütscher Sprache geführt wurden und sich alle dennoch irgendwie verstanden. 

 

Als Vorspeise gab es reichlich Melone, die hier in der Gegend in unterschiedlichen Sorten angebaut wird. Hauptgericht war Bulgur mit Hähnchenschenkeln, die in Entenconfit gegart wurden. Zum Nachtisch gab es eine Quarksüßspeise. Die Tischrunde wurde erst aufgelöst nachdem auch die letzte Karaffe Rotwein geleert war.