Tag 54. Von der Domaine Sauvage nach Aumont-Aubrac

Am 15.09.2014

Strecke 27 Km (Gesamt 1300 Km)

Die meisten Pilger standen bereits um kurz nach 06:00 h auf. Sie wollten alle pünktlich um 07:00 h beim Frühstück sein. Kevin sah um diese Uhrzeit noch ein wenig lustlos aus. Direkt nach dem Frühstück ging es los, in Richtung  St. Alban.

Ich ging ein ganzes Stück mit Kevin gemeinsam, aber auch er war mir ein wenig zu schnell unterwegs. Ich merkte bei der Unterhaltung, dass ich außer Atem geriet und so ließ ich ihn ziehen. Der Weg führte weiter über die Ländereien der "Domaine Sauvage" und traf am "Col de l'Hospitalet" in 1304 Metern Höhe auf die Landstraße D 587. Nach einem knappen Kilometer entlang der Landstraße passierte ich erneut eine "Chapelle St-Roch". Der heilige Rochus wird in dieser Gegend Frankreichs vielerorts als Pestheiliger verehrt. Es sollte nicht die letzte Kapelle entlang des Weges sein, die ihm geweiht war.

Die Route verlief weiter durch die Landschaft der Margeride mit kleinem und großen Sehenswerten links und rechts des Weges.

Nach einigem Auf und Ab des Weges erreichte ich im Laufe des Vormittags das Städtchen St-Alban-sur-Limagnole.

Oberhalb der Stadt erstreckt sich die weitläufige Anlage eines psychiatrischen Krankenhauses, an deren unterem Geländerand sich das alte Schloss befindet. Im prachtvollen Innenhof aus Rotsandstein ist auch die Tourist-Info untergebracht, in der ich meinen Stempel für das Creancial erhielt.

St-Alban-sur-Limagnole selbst habe ich als weniger schöne Stadt empfunden. Ich war froh, dass ich auf der "Domäne Sauvage" übernachtet habe und nicht, wie vom Rother-Wanderführer als Ende einer Tagesetappe vorgesehen, hier im Ort. Am Ortsausgang legte ich auf dem Gelände eines Kinderspielplatzes ein kurzes Picnic ein. Danach setzte ich meinen Weg in Richtung Aumont-Aubrac fort. Der Nachmittag sollte es dann in sich haben. Es gab einige bemerkenswerte Steigungen und Gefällstrecken auf zum Teil schwierig zu laufenden Untergründen, obwohl die Landschaft weiterhin durchaus ihre Reize hatte.

Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu Regnen. Ein mächtiges Gewitter hatte sich über den Bergen der Auvergne zusammen-gezogen. In der Ferne konnte man die Blitze zucken sehen und ein leises Donnergrollen hören. Am Rande des Gewitters kamen nur einige kurze Schauer, teils jedoch mit Hagel versetzt, herunter. 

Ich erreichte mein Tages-ziel Aumont-Aubrac im Regenzeug. Direkt im teils überdachten Garten der ersten Gastwirtschaft entdeckte ich Csaba und Marc. Gemeinsam tranken wir ein Bier und tauschten unsere Tageserfahrungen aus, während ich mich meines Regenzeugs entledigte.

Danach begab ich mich zu meiner vorgebuchten Unterkunft "Chemin-Faisant", die ich bereits am gestrigen Tag aus dem "Miam-Miam-Dodo" ausgesucht hatte, weil man hier Englisch sprach. Ich war mit meiner Wahl sehr zufrieden. Es handelt sich um eine sehr gepflegte und geschmackvoll eingerichtete Unterkunft, die liebevoll und herzlich von der Eigentümerin geführt wird.

An der Dorfkirche traf ich auf einen armen Teufel aus Belgien. Nach eigenen Angaben sei er von Belgien aus nach Santiago gepilgert und nun auf dem Rückweg. Seine Ausrüstung und Kleidung sowie sein Akzent machten ihn glaubwürdig. Ganz offensichtlich hat ihn aber der Weg völlig aus der Bahn geworfen. Er hatte ganz offensichtlich ein Alkohol- und Hygieneproblem. Er bettelte mich an, da er völlig mittellos sei. Ich gab ihm fünf Euro und holte ihm aus meiner Unterkunft zwei Packungen Studentenfutter und einige Müsliriegel, die ich als noch als Notproviant mit mir herumschleppte.


Apropos Herumschleppen. Der heutige Weg hatte mich derart geschafft, dass ich mich in der Unterkunft spontan von meiner ältesten Trekkinghose, einem zweiten mitgeführten Fleecepulli und einer leichten Shorts trennte, um geschätzt ein knappes Kilo Gewicht zu sparen. 

Am Abend machte ich eine kleine Runde durch den Ort. In der Ortsmitte am Denkmal traf ich zufällig auf Ebby. Während sein Wanderkumpel Alain einige Einkäufe tätigte, rang Ebby mit sich, ob er in einem örtlichen Messerfachhandel für einen hohen dreistelligen Betrag ein lang ersehntes Laguiole-Messer kaufen sollte oder nicht.