Tag 51. Von Le Puy en Velay nach St.-Privat-d'Allier

Am 12.09.2014

Strecke 24 Km (Gesamt 1235 Km)

Schon am frühen Morgen herrschte reges Treiben in Unterkunft. Keiner wollte um 07:00 h die Pilgermesse und die Segnung der Pilger in der Kathedrale versäumen. 

 

Ich war überrascht, dass zu dieser frühen Stunde die Kirche sehr gut gefüllt war. Neben einer Vielzahl von Einzelpilgern gab es dort eine  40köpfige Wandergruppe aus Kanada, deren Mitglieder mir noch häufig unterwegs begegnen sollten.

Eine noch größere Personengruppe aus Deutschland nahm ebenfalls an der Messe teil, allesamt mit schicken gelben Seidenschals versehen und viele von ihnen eher unpraktisch gekleidet. Wie sich herausstellte, waren diese Gläubigen unter der Betreuung ihres eigenen Geistlichen auf dem Weg nach Lourdes. Ich habe nicht Einen von ihnen auf meinem weiteren Weg wieder getroffen.

 

Wie schon auf der Startseite erwähnt, bin ich eher weniger kirchlich geprägt. Ich muss eingestehen, dass mich diese morgendliche Messe  irgendwie berührte. Dies lag nicht zuletzt an dem glockenreinen Gesang einer einzelnen Nonne, die anstatt der Orgel den Gottesdienst musikalisch untermalte. Das machte selbst mir Gänsehaut. Letztendlich habe ich mich auch als Pilger segnen lassen, schaden würde mir dies auf keinen Fall.

 

Im Anschluss an die Segnung unterhielten sich Csaba und ich noch lange mit "Frank". Er war etwa Mitte 30 Jahre. Er hatte lange Haare und einen Rauschebart. Woher er eigentlich stammte, blieb unklar. Er war ohne jegliches Barvermögen unterwegs und ist in der Vergangenheit schon nach Santiago, Rom und Jerusalem gepilgert. Von ihm erhielten wir einige wertvolle Tipps.  

Nach dem Gottesdienst ging es schnell zurück in die Unterkunft. Hier nahmen alle ihr Gepäck auf und machten sich, nach einem gemeinsamen Foto, auf den Weg.

Gemeinsam mit Csaba lief ich hinunter in die Stadt, wo am "Place du Plot" die "Via Podiensis" beginnt. Bald führte eine steile Straße aus Le Puy hinaus in die sanfte, grüne Landschaft des Velay. 

Von der Höhe aus betrachtet lag Le Puy an diesem Morgen in dichtem Nebel und nur die Vulkankegel des "Rocher Corneille" und des "Rocher d'Aiguilhe" malten sich schemenhaft vor dem grauen Dunst ab. 

Schon bald wandelte sich das Wetter und es wurde ein sonniger, heißer Tag. Csaba legte in seinen neuen Wanderschuhen ein hohes Tempo vor und wir trennten uns, ich war ja schließlich nicht auf der Flucht und wollte die Natur des Velay auf mich wirken lassen. Irgendwo würden wir uns schon wiedersehen.

Auf abwechslungs- reichen Wegen passierte ich winzige Orte , die "Chapelle St. Roch" und gelangte schließlich in das Dorf Montbonnet, welches sich um einen Vulkanhügel schmiegt. Hinter dieser Ansiedlung führt ein steiniger Weg hinauf zu zu einem Hochmoor, in dem einst der kreisrunde Vulkansee "Lac de l'OEuf" lag. Im weiteren Verlauf geht es steinig, felsig steil bergab, hinab nach St-Privat-d'Allier, dem heutigen Tagesziel.

Trotz des steilen Abstieges liegt St-Privat-d'Allier immer noch hoch über dem Alliertal. Wie vermutet, traf ich Csaba direkt am Ortseingang. Seine vorgelegte Geschwindigkeit hatte ihm zumindest eine Übernachtungs-stelle im Ort eingebracht. Alle Gîtes waren bei meinem Eintreffen restlos belegt und die anderen Unterkünfte, durch die große Gruppe aus Kanada, ausgebucht. Nach einem erfrischenden Bier zog ich weiter. Etwa 1,5 - 2 Kilometer hinter dem Ort stieß ich links des Weges auf das schöne Gîte "L'Estaou" geführt vom freundlichen Briten Elfed und seiner französischen Frau Pascale.

Ich war heute der einzige Gast und entsprechend wurde ich umsorgt. Bemerkenswert fand ich, dass sich Mitten in der französischen Provinz die Familie untereinander Englisch unterhielt. 

Ich verbrachte einen kurzweiligen Abend mit dem Hausherrn. Aufgrund meiner mangelnden französischen Sprach-kenntnisse erklärte sich Elfed bereit, mir für die nächsten beiden Abende in Saugues und auf der Domaine Sauvage telefonisch einen Schlafplatz zu reservieren. Nach der netten Unterstützung, zog ich mich unter das ausgebaute Dach zurück, wo mein Bett stand. Ich las noch ein wenig in der Tourenbeschreibung für den morgigen Tag und schlief bald ein.