Tag 61. Von Livinhac nach Figeac

Am 23.09.2014

Strecke 25 Km (Gesamt 1464 Km)

Gemeinsam mit Ebby und Alain gingen wir zum Frühstück. Es wurde in der kleinen Gaststätte von gestern Abend serviert. Es gab das übliche Baguette mit Marmelade, einen Joghurt und Kaffee.

So gestärkt machte ich mich zusammen mit Ebby auf den Weg. Alain hatte derartige Schmerzen im Fuß, dass er die heutige Etappe bis Figeac mit dem Taxi fahren wollte. Es sollte mein letzter Wandertag mit diesen beiden Weggefährten sein. Die Zwei beendeten ihre diesjährige Pilgerreise in Figeac. 

Links und rechts des Weges gab es von freundlichen Kühen bis zu malerischen Autowracks wieder Einiges zu sehen.

Der Weg war gut, und so kam ich mit Ebby bei einem unter-haltsamen Gespräch heute schnell voran.

An einer Stelle zeigte eine Edelkastanie ihren Überlebenswillen besonders deutlich. Offensichtlich wurde hier ein mächtiger Kastanienbaum schon vor Jahren abgesägt. Aus seinem Stumpf wuchs jedoch ein neuer, noch buschförmiger Baum hervor.

Neben einem Standbild der französischen Nationalheldin "Jeanne d'Arc", welches mitten auf einer Straßen-gabelung stand, gab es im Örtchen St-Jean-Mirabel ein über-dimensionales Rennrad aus Holz zu sehen. Es erinnerte wohl daran, dass im Jahr 2004 die "Tour de France" mit der Etappe Saint Flour - Figeac durch diesen kleinen Ort führte.

Die heutige Weg- strecke von 25 Km verging wie im Fluge. Bereits in den frühen Nachmittagsstunden waren wir nahe Figeac angekommen. Ebby befürchtete, dass wir zu Fuß schneller unser Ziel erreichen würden als Alain mit seiner Taxifahrt, bei der sich wohl Komplikationen eingestellt hatten. 

Auf der verbleibenden Strecke passierten wir die ersten  "Burons". Hierbei handelt es sich um traditionelle Hirtenhütten aus aufgeschichteten Steinen, wie sie mir später in der "Causses" noch häufig begegnen sollten.

Allmählich senkte sich der Wegverlauf und führte hinab ins Tal, wo wir an der aufgestauten Célé den Stadtrand von Figeac erreichten. Zunächst entlang einer stark befahrenen Straße, später entlang der Célé, gelangten wir in den Stadtkern.

Da Alain tatsächlich noch nicht mit dem Taxi angekommen war, suchten Ebby und ich zunächst die Tourist-Info auf, wo wir uns einen schönen Stempel für den Pilgerausweis abholten. Anschließend tranken wir gemeinsam ein Bier, bevor sich unsere Wege erst einmal wieder trennen sollten.

Ich hatte meine Unterkunft telefonisch vorgebucht. Es sollte das "Gîte Passiflore" sein, weil man dort Englisch verstand. Das Gîte lag etwas außerhalb des Stadtkerns auf einem verwilderten Grundstück. Hier gab es ein feucht, muffig riechendes Gartenhaus, in dem der Betreiber gerade vier Betten mit Bettlaken bezog, die ihre besten Tage bereits hinter sich hatten. Er begrüßte mich freundlich und zeigte mir Bad und Küche, die ebenfalls nicht gerade einladend wirkten. Obwohl ich hinsichtlich der Übernachtungsmöglichkeit nicht gerade verwöhnt bin, hatte ich eine instinktive Abneigung gegen diese Unterkunft. Kurzentschlossen sagte ich die Übernachtung ab und begab mich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft. 

Diese sollte ich im "Gîte Carmel", direkt am stadtabgewandten Ufer der Célé gelegen, finden. Das Gîte wurde von einem niederländischen Paar liebevoll betrieben. Es ist sehr einfach eingerichtet, aber sauber. Das Haus ist ein Karmeliterinnen-Kloster angegliedert. Ich wurde zum selbst gekochten Abendessen eingeladen, welches ich aber dankend ablehnte, da ich auf ein letztes gemeinsames Essen mit Ebby und Alain in der Stadt hoffte. Ein gemeinsames Frühstück war obligatorisch. Für die Übernachtung zahlte man ein "Donativo", also das, was man zu geben bereit oder fähig war. 

Nachdem ich mich geduscht und umgezogen hatte, ging ich in den Ortskern der schönen alten Stadt Figeac.

Ich lief durch die Straßen und bekam hierbei eine Vielzahl von Häusern mit Arkadengängen und schönen Erkern zu sehen.

So durch die Stadt schlendernd, gelangte ich zum "Place des Ecritures" an dem auch das Musée Champollion liegt.

Das Museum ist dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt Jean-Francois Champollion gewidmet. Dem Sprachgenie, das im Alter von 14 Jahren schon fünf altertümliche Sprachen beherrschte, gelang es als Erstem anhand des "Steines von Rosette" die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern. 

Hier auf dem Platz begegnete ich auch zum letzten Mal meinen Freunden Ebby und Alain. Letzterer war erst vor kurzem mit dem Taxi in Figeac angekommen. Die Beiden hatten Eile. Sie wollten unbedingt noch zum Bahnhof, um sich die Zugfahrkarten für den morgigen Tag zu besorgen. Um 18:00 h war dort Schalterschluss, gleiches galt übrigens auch für das Museeum, welches ich gerne besucht hätte. So begnügte ich mich damit, im Innenhof des Museums eine

14 x 7 Meter große schwarze Granitplatte aus Zimbabwe zu betrachten. Ein amerikanischer Künstler hatte aus diesem Gestein ein überdimensionales Abbild des legendären "Steins von Rosette" geschaffen, den Napoleon einst von seinem Ägyptenfeldzug mitbrachte. 

Im Anschluss verbachte ich den Rest des Abends unter dem Dach einer schönen Markthalle. Hier trank ich ein leckeres Gläschen Wein und machte meine Notizen zum heutigen Tag.  

Über den Wein und in Gedanken versunken, bemerkte ich überhaupt nicht, dass es bereits dunkel und damit auch wieder unangenehm kühl geworden war. Schnell brachte ich meine Aufzeichnungen zu Ende und begab mich in Richtung meiner Unterkunft. An den Ufern der Célé ergab sich noch ein schöner, nächtlicher Blick auf die Uferpromenade von Figeac. 

Als ich die Küche des Gîte betrat, waren dort noch eine handvoll Pilger nach dem Abendessen versammelt. Ich aß das letzte Stück frischen und noch lauwarmen Feigenkuchens, der vom Nachtisch übrig geblieben war. Dieser dünne, mit Streuseln belegte Kuchen war eine wahre Köstlichkeit, obwohl ich mir sonst aus Kuchen eigentlich nicht viel mache.

Gegen 21:00 h löste sich die Runde auf und alle gingen zu Bett.