Rückreise von Toulouse nach Wuppertal

Am 03./04.10.2014

Ich hatte gut in meinem kleinen Hotelzimmer geschlafen. Nach dem Aufstehen packte ich für dieses Jahr ein letztes Mal meinen Rucksack.

In Anbetracht des günstigen Übernachtungspreises, war ich überrascht vom reichhaltigen Frühstücksangebot. Mit Heißhunger belegte ich meine Brote mit Schinken, Salami, Käse und Ei. Zum Abschluss gönnte ich mir noch einen Obstsalat und einen Joghurt.

 

Meinen Rucksack konnte ich bis zum frühen Nachmittag in einem Abstellraum des Hotels aufbewahren. Also ging ich ohne jeglichen Ballast nochmals auf Stadtbesichtigung.

Bei meinem Rundgang kam ich zur "Basilique Saint-Sernin de Toulouse".

Hier bekam ich, nach einer Messe, einen schönen Stempel für mein Creancial.

Der Weg führte mich an einen Triumphbogen, einem Denkmal für die im Krieg gefallenen Soldaten der Region Garonne. In unmittelbarer Nähe schloss sich eine Platanenallee an. Dort gab es einen schönen Flohmarkt, auf dem wirklich nur Antiquitäten angeboten wurden.

Mittlerweile war es später Vormittag. Im Schatten der Kathedrale trank ich einen letzten Schoppen Rotwein und genoss die Sonne bei 25° C.

Zu Hause  würde mich die nächste Zeit der übliche nasskalte Herbst erwarten.  

Nach dieser genüsslichen Pause ging ich zurück zum Hotel. Auf meinem Weg durch die Stadt gab es nahezu an jeder Ecke etwas Schönes zu bewundern.

Vorbei am "Donjon du Capitole" mit der Tourist-Info gelangte ich nochmals auf den großen Platz vor dem Capitol.

Erst heute fiel mir auf, dass auf der Mitte des Platzes ein gigantisches "Tolosanerkreuz" aus Messing oder Bronze eingelassen ist. Die zwölf Eckpunkte des Kreuzes werden durch große Platten mit den Symbolen der Tierkreiszeichen gebildet.

Nachdem ich meinen Rucksack aus dem Hotel abgeholt hatte, begab ich mich auf direktem Weg zum "Gare Routière Pierre Sémard" direkt neben dem Bahnhof. Es war ein modernes Gebäude mit Kartenschaltern, Wartesaal und Toiletten. Die Bussteige waren durchweg überdacht.

Mein Bus stand bereits am seinem Haltepunkt. Ich war über die wenigen Fahrgäste in Richtung Bordeaux und Tour überrascht. Als der Rucksack im Gepäckraum verstaut war, suchte ich mir einen Sitzplatz vorne, nahe des Fahrers. Ich hatte eine ganze Sitzbank für mich alleine und konnte so sehr bequem Sitzen. Pünktlich um 14:30 h fuhr der Bus ab.

 

Die Reise sollte mich zunächst nach Bordeaux und weitere über Saintes und Poitiers nach Tours führen.

 

Die riesigen Weinfelder des Armagnac und Bordeaux glitten während der Fahrt an mir vorbei und ich nutzte die Zeit, über die vergangenen drei Wochen nachzudenken. Es war eine sehr schöne Zeit und ich begegnete Menschen die ihre mehr oder weniger große Spuren bei mir hinterlassen hatten.

Da war Csaba aus Ungarn. Ein netter Kerl, mit dem ich mich gut verstand. Ich glaube aber, dass er innerlich ständig am Grübeln war und nicht wirklich zur Ruhe kam. Er lief den Weg ab, ohne sein Ziel zu kennen. Zunächst wollte er von Le Puy aus die gesamte Strecke nach Santiago laufen. Später sprach er davon, in Cahors oder Figeac       abzubrechen, um in Spanien neu anzusetzen. Bis nach Conques hatte er sich dicke Blasen gelaufen. Nachdem der Kontakt zunächst abgebrochen war, meldete er sich Anfang 2015 per Mail. Er ist tat-sächlich noch bis St.-Jean-Pied-de Port gelaufen.

Da war Barbara aus Quebec / CDN. Eine starke und aufgeschlossene Frau, die mir mit ihren französisch / englischen Sprachkenntnissen einige Male weiterhelfen konnte. Bei einigen Bierchen habe ich gute Gespräche mit ihr geführt. Sie war ständig zügigen Schrittes unterwegs und hatte als Raucherin nur an Steigungen ihre Schwierigkeiten mit der Atemluft. Ihr Tourende war von vorne herein für Cahors geplant. Leider habe ich von ihr hinter Conques auch nichts mehr gesehen oder gehört. 

Da war der drahtige Marc, ebenfalls aus Quebec / CDN, und ständiger Begleiter von Barbara, obwohl sie sich wohl erst auf der "Via Podiensis" kennen- gelernt hatten. Marc war ein eher schweigsamer Mensch mit immer guter Laune. Er wollte von Le Puy bis nach Santiago gehen. Seine Spur verlor sich für mich ebenfalls hinter Conques. Aber von seinem zähen Typus her traue ich es ihm zu, dass er seinen geplanten Weg beendet hat.

Da war mein Pilgerfreund "Ebby" aus Neckarsulm. Er war schon, mit seinem Freund Alain, auf den verschiedensten "Caminos" unterwegs. "Ebby" gab mir einige Tipps hinsichtlich der Unterkünfte und ich habe Wertvolles aus seinem Erfahrungsschatz mitgenommen. Er ging eine für mich angenehme Geschwindigkeit und da wir uns auch sonst gut verstanden, bin ich mit ihm die Etappen Aumont-Aubrac nach Nasbinals sowie Livinhac nach Figeac gemeinsam gelaufen. Ich stehe heute noch im lockeren Kontakt zu "Ebby".

Da war Alain aus Lyon, der treue Begleiter von "Ebby". Die Beiden hatte sich acht Jahre zuvor auf dem "Camino" kennengelernt und sind seit dem immer wieder verschiedene Wegabschnitte gemeinsam gelaufen. Alain hatte den typischen französischen Charme und die Ruhe weg. Nach seinen Angaben dauerte alles, und war es noch so lang "so zen minüte". Alain ist begeisterter Fotograf mit Liebe zum Detail und den kleinen Dingen. Er fiel deshalb auf den zuvor genannten gemeinsamen Etappen oftmals weit zurück. 

Da war Sylvi aus der Schweiz, die ich in Conques kennenlernte. Sylvi war mir auf den Hieb sympathisch, was bei mir eher selten vorkommt. Ihr Alter gab sie mit "I'm twenty-nine and always fine" an, was das Alter betreffend nicht so ganz stimmte. Sylvi war von der Schweiz aus los gelaufen und hatte sich vor Conques einen Ermüdungsbruch im Zeh zugezogen. Sie hing deshalb vorerst hier fest. Mittlerweile ist sie weiter gelaufen und war zu Weihnachten in Santiago und im neuen Jahr 2015 am Kap Finisterre. Ich stehe noch im lockeren Kontakt zu ihr.   

Da war Kevin aus den USA. Ich lernte ihn auf der "Domaine Sauvage" kennen. Kevin war früher bei der "Mexican Border Control" tätig, später hat er als Officer bei der amerikanischen Einwanderungs-behörde seinen Weg gemacht. Mittlerweile hat er eine zweite Karriere als Geschichtslehrer gestartet.

Aufgrund des ähnlichen Berufsbildes, hatten wir uns viel zu erzählen und es wurde ein kurzweiliger Abend. Kevin wollte bis Condom gehen. Zu Weihnachten hat er mir eine Email geschrieben. Meine Antwort blieb leider im Sicherheitssystem der amerikanischen Institutsserver hängen. 

Da waren die immer gutgelaunte Eva, der gute Koch Bastien und der schweigsame Constant. Das junge französische Trio begegnete mir in der Region Aubrac mehrfach. Und trotz der Sprachbarriere waren es schöne Nachmittage und Abende mit ihnen.

Da war Franz aus Hamburg mit seiner französischen Wandergefährtin Marie. Auch die Beiden hatten sich auf einem "Camino" kennengelernt und Laufen seit dem immer wieder einmal gemeinsam ein Stück des Weges.

Da war "the rabbit", ein freundlicher, junger Mann aus Slowenien. Ich weiß nicht wie er wirklich hieß, aber er schleppte einen 26 Kg Rucksack mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Landschaft. Er hatte Dauerwürste und Schinken dabei, da sich sein Tagesbudget auf lediglich  

4 Euro beschränkte.

Da war "Monsieur Magic", ein Zauberkünstler, der allabendlich in den Unterkünften übte, um seine Fingerfertigkeit nicht zu verlieren. Er sprach nur französisch, ich weiß weder seinen Namen noch ob er aus Frankreich oder Kanada kam. Aber seine Darbietungen haben alle sehr beeindruckt.

Da war Marcel aus Kanada und Donald aus den USA, die sich ebenfalls erst auf der "Via Podiensis" kennen- gelernt hatten. Leider lernte ich die Beiden erst in den letzten beiden Tagen meiner diesjährigen Tour kennen. Wir wären sicherlich ein gutes Gespann geworden.

Da gab es noch so viele andere, etwa Claudia aus der Schweiz, die mir mit ihren Sprachkenntnissen ebenfalls einige Male weiter helfen konnte.

Die freundliche vierköpfige Gruppe mit einem Mann aus Belgien. Auf "Massip" wurde ich von ihr verarztet und durfte stillschweigend an einem kleinen Geburtstagsumtrunk teilnehmen.

Oder Jean-Francoise, der Baske ohne Führerschein, der die Abendgesellschaft auf "Massip" mit einem Geburtstagslied in seiner Heimatsprache prächtig unterhielt.

Und viele, viele weitere Weggefährten und Menschen, deren Gesichter bereits zu verblassen beginnen.

In meinen Gedanken versunken, verging die Zeit bis Bordeaux wie im Fluge. Langsam brach die Dämmerung herein und ich wurde ein wenig müde. Ich gönnte mir aber nur kurze Nickerchen, da ich ich gegen 23:45 h in Tours umsteigen musste.

 

Der Umstieg klappte problemlos und ohne Zeitverzug. Der Bus von Tours nach Köln war ebenfalls schwach besetzt und so hatte ich nicht nur eine Sitzbank sondern direkt eine ganze Sitzreihe zur Verfügung. Dies bot sich natürlich zu einem ausgedehnteren Schlaf an. Irgendwann mitten in der Nacht, machte der Bus eine längere Pause auf einer Autobahnraststätte in Frankreich, ich weiß nicht einmal wo.

Nach einem kleinen Snack und ein wenig Füsse vertreten ging die Fahrt weiter. Ich setzte meinen Schlaf fort und erwachte erst, als zwischen Aachen und Köln die Sonne aufging.

Der Eurolines-Bus kam pünktlich am Kölner Hauptbahnhof an. Mit S-Bahn und Linienbus der Wuppertaler Stadtwerke erreichte ich meine Wohnung am späten Vormittag.

 

Eine schöne Reise war zu Ende, an die ich noch heute gerne denke.

 

Mittlerweile befasse ich mich gelegentlich schon mit ihrer Fortsetzung im Jahr 2015.

 

Dann soll es zunächst von Moissac nach St. Jean-Pied-de-Port und von dort aus weiter an den Atlantik gehen.