Reisetag von Moissac nach Toulouse

Am 02.10.2014

Früh am Morgen wurde ich wach. Ein erster Blick aus dem Fenster zeigte mir, heute sollte ein schöner Tag werden. Die aufgehende Sonne stand glutrot am wolkenfreien Himmel, nur der Tarn hatte Teile der Stadt in eine dichte Nebelbank gehüllt.

Nach dem Frühstück packte ich meinen Rucksack. Sorgfältig kontrollierte ich das Zimmer, ob ich nicht irgendetwas vergessen hatte. Ich verabschiedete mich von den Hospitaleros und setzte mich auf die Stufen zur Kapelle, um mir meine Schuhe zu binden. Ich nahm die Jakobsmuschel von meinem Rucksack ab und verstaute sie bruchsicher. Ein wenig schmerzlich wurde mir klar, dass der diesjährige Abschnitt meiner Pilgerreise nun beendet war, jetzt war ich nur noch Reisender auf dem Weg nach Hause.  

Noch einmal ging ich durch die Stadt. An diesem klaren, kühlen Morgen zeichnete die Sonne das Stadtbild in gestochen scharfen Farben.

Ich ging zur "Pont Napoleon". Hier hing noch der Morgendunst in der Luft.

Nach wenigen Minuten gewann die Sonne die Oberhand und der Nebel verflüchtigte sich. 

Nach einer weiteren Tasse Kaffee in der Stadt ging ich langsam in Richtung Bahnhof. Auf dem Weg passierte ich eine alte Haustüre mit einem besonders sehenswerten Türgriff.

Wie gewohnt, war ich viel zu früh am Bahnhof. Auf dem Bahnsteig stellte ich meinen Rucksack ab und genoss für eine halbe Stunde die wärmende Mittagssonne.

Nach einer knappen Stunde Zugfahrt erreichte ich den großen Bahnhof Toulouse-Matabiau mit seinem prächtigen Bahnhofsgebäude.

Direkt vor dem Bahnhofsgebäude verläuft zwischen den Richtungsfahrbahnen der "Canal du Midi", der hier in ein hässliches Betonbett gepresst ist.

 

Gegenüber des Bahnhofs, links von der "Maison du Velo", fand ich ein einfaches und preisgünstiges Hotel als Bleibe für die Nacht. 

Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, machte ich mich sofort auf, die Stadt Toulouse zu besichtigen.

 

Zunächst ging ich etwa einen halben Kilometer über die "Rue Bayard" in Richtung Stadtzentrum. Bahnhofsviertel pur. Mit meinem polizeilich geübten Auge war mir klar, dass ich hier keinesfalls in den späteren Abendstunden längs gehen wollte.

 

Dann überquerte ich den "Boulevard de Strasbourg" und war schlagartig in einer anderen Welt. Hier gab es mondäne Geschäftsstraßen mit Geschäften bekannter Modelabels und Designer. 

Eine von ihnen endete auf dem riesigen Platz vor dem "Capitole".

Hinter dem "Capitole" steht ein einzelner, schön anzusehender Turm, in dem die Tourist-Info untergebracht ist. Meine Hoffnung auf einen hübschen Stempel der Stadt wurde leider nicht erfüllt.

Ein wenig enttäuscht aber nun mit einem Stadtplan bewaffnet, machte ich mich auf die Suche nach der Kathedrale. Bei all den großen Boulevards und den zahlreichen Seitenstraßen und Gässchen bedurfte es erst einmal einer Orientierungsphase. 

Ich habe die "Cathédrale St. Etiénne" gefunden. Ein riesiges aber seltsames Bauwerk. Das Hauptschiff der Kirche verspringt in der Mitte um einige Meter. Die meisten Kathedralen und Dome wurden über Epochen hinweg gebaut, bilden aber in ihrer Gesamtheit meist ein passendes Ensemble.

Das hier machte auf mich den Eindruck einer "Bausünde".

Zudem gab es in der Kirche nicht einmal einen Ansprechpartner, den man nach einen Stempel hätte fragen können.  

Wirklich beeindruckend  war ein monumentaler Steinaltar im Hauptschiff der Kathedrale.

Nach dem enttäuschenden Besuch der Kathedrale schlenderte ich die "Rue de Metz" hinunter und erreichte die "Pont-Neuf de Toulouse" über die Garonne.

In den Parkanlagen am Ufer der Garonne herrschte das pralle Leben. Hier wurde gespielt, musiziert, gegrillt, gelernt und gefaulenzt. Einige Mutige hatten sich sogar ins Wasser getraut.  

Weiter flussabwärts gelangte ich in das Universitäts- und Studenten-viertel. Einige urige Gaststätten luden hier zum Verweilen ein.

Ich durchquerte die Stadt in einem großen Bogen und gelangte  wieder an den "Boulevard de Strasbourg" mit seinen chicken Cafés und Bistrots. Hier ver-brachte ich auch meine Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit und trank für 6,50 € das teuerste Gläschen Wein meiner diesjährigen Tour. 

Autsch.

Danach ging ich zügig durch die "Rue Bayard" zurück in Richtung Hotel. Meine Einschätzung vom frühen Nachmittag hatte mich nicht getäuscht. Das Klientel was sich jetzt in der Dunkelheit an den Ecken und in den Hauseingängen herumdrückte, war wirklich nicht sehr vertrauens- erweckend. Auf dem Bahnhofsvorplatz gelangen mir noch einige Nachtaufnahmen, bevor ich mich ins Hotel zurückzog.