Ruhetag in Cahors

Am 27.09.2014

Strecke 0 Km (Gesamt 1552 Km)

Da ich heute einen Ruhetag hatte, habe ich erst einmal ausgeschlafen. Danach ließ ich mir das Frühstück im Hotel so richtig schmecken. Es gab Wurst, Schinken, Käse, Fisch  und Obstsalat. Eine willkommene Abwechslung zum üblichen Frühstück mit Baguette und Marmelade.

Ich machte mich auf, die Stadt zu besichtigen. Als Erstes besuchte ich die "Pont Valentré", das Wahrzeichen der Stadt.

Bereits im Jahr 1308 wurde mit dem Bau der mächtigen Brücke begonnen. An ihr wurde über 50 Jahre lang gebaut. Sie war in früheren Jahrhunderten Teil der Stadtbefestigung. Es geht die Sage, dass der Baumeister aus lauter Verzweiflung über die immer neuen Widrigkeiten beim Bau einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Er versprach dem Satan seine Seele, wenn dieser ihm bei der Fertigstellung der Brücke tatkräftig unterstützen würde.

Mit dem Bau der Brücke ging es von nun an voran. Natürlich wollte der Baumeister seine Seele nicht an den Höllenfürsten verlieren. Deshalb schickte der Meister den Teufel kurz vor Vollendung des Bauwerks Wasser holen, um neuen Zement anzumischen. Zum Transport des Wassers gab er ihm ein Sieb mit. Klar konnte auch Luzifer mit einem Sieb keine Flüssigkeit transportieren und die Brücke blieb bis auf einen kleinen Rest unvollendet. Der Teufel soll daraufhin aus Wut einen der oberen Ecksteine aus dem Mittelturm herausgeschlagen haben. Aus unerklärlicher Ursache konnte der fehlende Stein trotz mehrer Versuche lange Zeit nicht ersetzt werden, da er immer wieder herabstürzte.  

Zur Erinnerung ziert heute ein kleiner Dämon den besagten Eckstein des Mittelturmes.

Ich überquerte die "Pont Valentré" die heute ausschließlich Fußgängern vorbehalten ist. Der Brückenbelag besteht aus einbetonierten Kieselsteinen. 

Wie auf dem "Boulevard Gambetta" sind auch hier etwa alle 10 Meter handtellergroße Jakobsmuscheln aus Messing in den Gehweg eingelassen, die den Verlauf der "Via Podiensis" durch die Stadt markieren.

Nur einige Schritte flußaufwärts befindet sich eine der wenigen Quellen der "Causses", die "Fontaine des Chartreux". In einer offenen Felsnische quellen große Mengen kristallklaren Wassers ans Tageslicht. Schon die Kelten nutzten diese Quelle. In späteren Jahrhunderten entstand hier die Römersiedlung "Divona Cadurcorum" mit Theater, Thermen- und Tempelanlagen. Von dieser Quelle ging für mich irgendetwas Magisches aus. Ein wunderschöner Ort, den ich nur Jedem ans Herz legen kann.

Der Lot beschreibt einen weiten Bogen um die Stadt. Erst aus einiger Entfernung war es möglich, eine Gesamtaufnahme der schönen "Pont Valentré" zu schießen.

Abermals überquerte ich den Fluss über die 

"Pont Louis Philippe".

Klappernd näherte sich von hinten eine Personenkutsche mit zwei "Eselsstärken".

Vorbei an einem großen Standbild des französischen Staatsmannes Léon Gambetta hielt ich mich in Richtung Kathedrale.

Auf der "Place Chapou", im Schatten der Kirche, herrschte heute reges Treiben. Es war Wochenmarkt. Liebevoll dekorierte Stände boten auf dem Marktplatz und in der angrenzenden Markthalle alles an, was das Herz begehrt.

Auf dem Markt füllte ich meinen Reiseproviant auf und kaufte eine Flasche Rotwein für den Abend. Danach warf ich ein Blick in die Kathedrale. Welch ein Glück. Am heutigen Tag fand dort das "Marktkonzert" statt und ich bekam gerade noch das letzte Musikstück, ein Konzert für Kirchenorgel und Trompete mit. "Gänsehautfeeling". Nachdem die beiden Musiker ihr Stück beendet hatten, donnerte der tosende Applaus der Zuhörer durch das große Kirchenschiff.  

Ich fragte einen Kirchendiener nach einem Stempel für mein Creancial. Ich bekam gleich zwei Stempel von ihm. Einmal den der Kathedrale und einmal den, der örtlichen Jakobusgesellschaft.

Langsam wurde es Mittag. Zurück ging es zum "Boulevard Gambetta", wo ich mir ein einladendes Restaurant aussuchte. Hier aß ich einen kleinen Imbiss, um danach meinen Stadtrundgang fortzusetzen.

Den Nachmittag verbrachte ich überwiegend am Ufer des Lot, wo sich immer wieder neue schöne Perspektiven ergaben.

Irgendwann taten mir die Füsse weh, weil ich es nicht mehr gewohnt war, den ganzen Tag auf leichten, sehr flachen Schuhen umher zulaufen.


Ich setzte mich an der "Place F. Mitterand" in ein Straßencafé und ließ den Tag bei einem 1/4 Liter Rotwein ausklingen.