Ruhetag in Conques

Am 21.09.2014

Strecke 0 Km (Gesamt 1415 Km)

Kurz nach Mitternacht wurde ich wach. Ein leises Geräusch "Brrr, brrr" hatte mich geweckt. Im Halbschlaf dachte ich, so gleichmäßig kann kein Mensch Schnarchen. Ich öffnete die Augen und stellte fest, dass die Tür des Schlafsaales einen Spalt breit offen stand. Vom Treppenhaus schien ein wenig Licht ins Zimmer. Im Halbdunkel konnte ich eine pechschwarze Katze auf meiner Bettkante erkennen. Sie lief ruhig durch das Zimmer und stattete allen Schläfern in den unteren Betten ihren Besuch ab.  

 

Trotz des nächtlichen Erlebnisses mit der schnurrenden Katze schlief ich weiter tief und fest. Nach dem Frühstück fragte ich bei der Leitung der Abbaye an, ob ich, wie geplant, eine zweite Nacht bleiben könne. Ich bekam das OK, musste aber zwischen 09:00 h und 16:00 h, die Unterkunft verlassen. Nun konnte ich ganz entspannt meinen Ruhetag genießen.

 

Die große kanadische Wandergruppe, die belgische Gruppe, das Ehepaar vom Bodensee und viele Andere beendeten heute in Conques ihren Weg.

Die Übernachtungssituation würde sich also in den nächsten Tagen deutlich entspannen.

 

Von Csaba, Barabara und Marc hatte ich heute Morgen nichts mehr gehört und gesehen. Gestern Abend vor dem Abendessen war bei ihnen im Gespräch, aufgrund der wunden Füße vielleicht heute eine Etappe mit dem Bus oder dem Taxi einzulegen. Leider verlor sich ihre Spur am gestrigen Tag nach dem Abendessen in Conques. Ich habe sie in den Folgetagen nicht mehr wieder getroffen. 

 

Zuerst besichtigte ich die Schatzkammer des Klosters, wo ich dem wertvollen Reliquar der heiligen Fides (St. Foy) meinen Besuch abstattete. Sie war im Jahre 303, im zarten Alter von nur 12 Jahren, zum Tode verurteilt worden, weil sie sich weigerte heidnische Götter anzubeten. Neben der Statue der Heiligen sind zahlreiche andere Kunstwerke, Reliquien und Goldschmiedearbeiten ausgestellt, die mit ihren filigranen Details den Betrachter überraschen, zumal sie bereits seit dem 8. Jahrhundert in Conques zusammen getragen wurden. 

Den Tag über lief ich durch die Straßen und Gassen des Ortes. Ich entdeckte immer wieder Sehenswertes und schoss einige Fotos. An besonders schönen Orten verweilte ich einen Augenblick und ließ die Seele baumeln. Ich nutzte den Tag auch, um an einige liebe Freunde eine Ansichtskarte zu schreiben.

Erst um 16:00 h durfte ich wieder in die Abbaye. An der Anmeldung traf ich auf Ebby und Alain, die heute ebenfalls hier übernachten wollten.


Sylvi stempelte im Hof wieder die Pilgerausweise. Sie hatte zwischen 17:00 h und 19:00 h Freizeit und fragte, ob ich sie nicht auf ein Bier in ein schönes Straßencafé begleiten wolle. Klar, wollte ich.


Neben anderen persönlichen Dingen erfuhr ich von ihr, dass sie beruflich behinderte Menschen pflegt. Sie hatte sich ein paar Monate Auszeit genommen, um in einem Stück von Zürich bis nach Santiago zu gehen.


Leider war sie hier in Conques aufgrund des Ermüdungsbruches im dicken Zeh erst einmal "gestrandet".

Wie am Vortag gab es ein gemeinsames Abendessen mit den Pilgern. An meinem Tisch saßen heute Ebby und Alain. Es wurde kalter Linsensalat, Lasagne, Joghurt und Gebäck serviert, dazu gab es natürlich Rotwein..

Danach fand heute in der Kathedrale ein Orgelkonzert statt, welches ich mit Sylvi besuchte. Einer der älteren Mönche, der das Orgelkonzert gespielt hatte, erklärte den Besuchern im Anschluss die Funktionsweise einer Orgel anhand einer kleineren Holzorgel im Seitenschiff der Kathedrale. Nach einem ausgefüllten Tag ging ich müde zu Bett.