Ruhetag in Moissac

Am 01.10.2014

Strecke 0 Km (Gesamt 1622 Km)

Im Kreise meiner Mitpilger frühstückte ich und hatte keine Eile. Ich war schon ein wenig neidisch auf Diejenigen, die heute weiterzogen. 

Wie in Conques musste ich bis um 09:00 h die Unterkunft verlassen haben und durfte erst um 16:00 h zurückkehren. Mit Regenjacke und Kamera machte ich mich auf den Weg Moissac zu erkunden.

 

Als Erstes stattete ich der Abtei meinen Besuch ab. Sie weist ein eigenwillig geformtes Portal mit einem prächtigen Tympanon auf.

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als seien die Wände der Kirche innen mit Kacheln verkleidet. Tatsächlich sind sie aber mit einer Farbe aus Eiern und Farbpigmenten handbemalt. Die Präzision die hierbei an den Tag gelegt wurde ist unfassbar.

Die Abtei birgt eine Vielzahl an kunsthistorischen Objekten, wie den oben abgebildeten romanischen Christus aus dem 12. Jahrhundert, einen Sarkophag aus dem 5. Jahrhundert und die geschnitzte Figurengruppe "Die Grablegung" aus dem 15. Jahrhundert.

Das Highlight der Abtei ist  der Kreuzgang aus dem 11. Jahrhundert. Er gilt als Zeugnis der romanischen Baukunst und zählt zu den schönsten Europas. Er weist 116 Einzel- und Doppelsäulen mit Kapitellen bei einer Seitenlänge von je 44 Metern auf. 

Nach der Besichtigung der Abtei ging ich durch die Stadt und überquerte den "Canal des Garonne", eine schmale Wasserstraße, die mitten durch den Ort führt.

So gelangte ich an das Ufer des Flusses Tarn, der träge der Garonne entgegen fließt.

Ein leichter Nieselregen setzte ein. Ich ging zurück in die Stadt und setzte mich unter das Vordach eines Straßencafés. Mir war eingefallen, dass ich mir zum gestrigen Tag noch keine Notizen gemacht hatte. Bei einem Schoppen Rotwein holte ich dieses nach.

Im Anschluss ging ich zum Bahnhof, um mir in Ruhe die Fahrkarte nach Toulouse zu besorgen. Ich wollte mich am morgigen Tag auf keine Experimente einlassen.


Die Dame am Kartenschalter war sehr freundlich und sprach ein sehr gutes Englisch. Sie fragte mich, ob ich sicher sei, dass ich den morgigen Zug um 12:52 h nehmen wollte. Ich bestätigte ihr, dass es definitiv dieser Zug sein wird, da mein Urlaub zu Ende sei. Sie verkaufte mir daraufhin die Fahrkarte zu einem Promotionspreis von 5 Euro (Normalpreis etwa 15 Euro). Das nenne ich einen guten Kundenservice, liebe Bundesbahn.

Mittlerweile war es kurz nach 15:00 h und ich begab mich in Richtung "Carmel". Ich wollte mich dort ein wenig näher Umschauen, da ich dies gestern ein wenig vernachlässigt hatte. Schon in der Zufahrt wurde ich von der Klosterkatze begrüßt, die mir bereits gestern mehrfach im Haus über den Weg gelaufen war.

Entweder gab es mehrere gleichartige Katzen, diese Katze war sehr schnell oder sie kannte Abkürzungen. Sie war jedenfalls gestern im Haus ständig und überall zugegen.

Nachdem ich mich im "Carmel" ein wenig umgeschaut hatte, ging ich auf mein Zimmer. Ich wollte ein kleines Nickerchen halten, da es immer noch leicht nieselte.

Nachdem ich eine halbe Stunde geschlafen hatte, schaute ich aus dem Fenster. Das Wetter hatte sich rapide geändert, nun schien die Sonne. Sofort machte ich mich auf und bestieg als erstes den Kalvarienberg, direkt hinter dem "Carmel". Hier oben steht eine große, leider leicht lädierte Marienstatue und schaut hinab auf Moissac und den Tarn.

Ich stieg von dem Kalvarienberg hinab und drehte erneut eine Runde durch die Stadt, die nun im Sonnenlicht gleich viel sympathischer aussah. Dabei entdeckte ich die eine oder andere sehenswerte Kleinigkeit.

Früh ging ich zurück ins "Carmel". Wie schon in Cahors brannten mir von den flachen Schuhen die Fußsohlen. Sobald ich in dem Kloster angekommen war, zog ich sie aus und genoss den kühlen Steinboden im Klostergarten.

 

Kurz vor 19:00 h versammelte sich erneut die Pilgerschar vor dem Speisesaal. Lauter neue Gesichter für mich. An meinem Tisch saßen heute zwei Pilgerbrüder aus Ulm. Die beiden waren in Cahors gestartet und wollten in diesem Jahr noch bis St. Jean-Pied-de-Port gehen. Sie waren ein wenig älter als ich, dennoch verstanden wir uns gut. 

 

Bei einem kurzweiligen Gespräch aßen wir den heute servierten Tomatensalat mit Croutons, einen Schweinegulasch mit einem schmackhaften, orangefarbenen Püree (aus Kürbis ? Ich hab's nicht verstanden) und zur Nachspeise Eclaires mit Nougatfüllung.

 

Irgendwie hatte der Ruhetag heute mich total geschafft. Ich war müde und ging früh zu Bett.