Tag 57. Von St.-Chely-d'Aubrac nach Espalion

Am 18.09.2014

Strecke 23 Km (Gesamt 1367 Km)

Heute wurde ich gegen 06:20 h wach und hatte einen leichten Brummschädel. Nach einer Katzenwäsche ging ich in den großen Gemeinschaftsraum und räumte die Reste vom Vorabend auf. 

 

Nach und nach bevölkerte sich der Gemeinschaftsraum, vornehmlich mit Übernachtungsgästen, die man am gestrigen Abend nur flüchtig wahrgenommen hat. Darunter eine größere Frauengruppe aus dem Elsaß und ein Ehepaar vom Bodensee, welches auf der Strecke von Genf nach Santiago de Compostella unterwegs war. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit meinen deutschen Landsleuten machte ich mich auf den Weg.

Das Tal war an diesem Morgen in ein seltsames grau-blaues Licht getaucht. Es war bedeckt, aber   es gab keinen Niederschlag und auch keinen Nebel.

Ich verließ St-Chely-d'Aubrac über die Pilgerbrücke, die über die Boralde führt.

Schnell stieg der Weg am anderen Ufer auf gut begehbaren Pfaden in die Höhe, so dass ich bald ins Schwitzen geriet.

Nachdem der Aufstieg erst einmal geschafft war, ging es weiter über eine offene Hochfläche, die tolle Ausblicke in das Umland bot.

Nach einer ganzen Weile auf der Hochebene ging es weiter durch verträumte Weiler mäßig bergab und bergauf. Ein nickeliger Abstieg und ein knackiger Aufstieg vor La Rozière blieb mir besonders in Erinnerung.

Beim ersten Blick auf St-Côme-d'Olt, fiel einem sofort der markant ge-drehte Kirchturm-giebel auf, der eine Flamme symbolisieren soll. 

St-Côme-d'Olt verfügt über eine schöne, seit etwa 600 Jahren erhaltene Innenstadt. Innerhalb der Stadttore gehört das Stadtbild mit seinen engen Gassen und Plätzen zu den schönsten Orten Frankreichs.


Nach einer kurzen Erfrischungspause auf einem der schönen Stadtplätze setzte ich meinen Weg über und entlang des Flusses Lot fort.

An den Ufern des Lot entschied ich spontan, dem Flusslauf in der Tallage zu folgen.

Der eigentliche Weg führt erneut steil bergauf zur

"La Vierge Notre-Dame-de-Vermus" und weiter steinig, geröllig zur "Eglise de Perse". Auch wenn die Wegbeschreibung von dort oben einen tollen Ausblick auf das Städtchen Espalion versprach, dachte ich an meinen angeknacksten linken Fuß, der bislang erstaunlich durchgehalten hatte.

Leider ging es im Tal des Lot erst einmal entlang der Straße und ein Blick auf den Fluss blieb meistens verwehrt. Erst kurz vor Espalion gab es einige schöne Blicke auf das Gewässer.

Endlich kam Espalion in Sicht.

Schon auf dem ersten Blick eine schöne, alte Stadt.


Direkt am Ortseingang, in einem der ersten Häuser rechts, fand ich im "Gîte d'etappe Au Fil de l'Eau" meine Bleibe für diese Nacht. Eine gepflegte und saubere Unterkunft.

Die "Hospitalera" konnte sich über meinen Familiennamen Kasper gar nicht beruhigen. In Frankreich ist wohl der Zeichentrickfilm mit einem kleinen Gespenst namens "Casper" sehr bekannt.

Wann immer ich der "Hospitalera" begegnete sprach sie von "Huu Huu, Casper, le petit gespent".

 

Nach Dusche und Kleiderwäsche machte ich einen Rundgang durch das schöne Städtchen Espalion.

In einer kleinen, gemütlichen Pizzeria gönnte ich mir heute eine Pizza.

Danach machte ich in der Dunkelheit nochmals einen Stadtrundgang. Auf der Fußgängerbrücke über den Lot traf ich zufällig auf Alain. Er berichtete, dass sich bei ihm erhebliche Fußprobleme eingestellt hätten. Ebby müsse am nachfolgenden Tag ohne ihn losziehen, er würde zu ihrem nächsten Etappenziel Estaing mit dem Taxi fahren. Eine traurige Nachricht.

Nach einigen schönen Nachtaufnahmen ging ich zurück zu meinem Gîte, da es mittlerweile ziemlich kühl geworden war.


In meinem Zimmer war jetzt ein zweites Bett belegt. Wie ich sofort am Rucksack erkannte, musste es sich bei meinem Zimmergenossen um Daniel handeln, der französische Wegbegleiter, der leider kein Englisch oder Deutsch sprach.


In der Gemeinschaftsküche traf ich, wie könnte es anders sein, auf Csaba und die Anderen. Sie kochten wieder gemeinsam und die Stimmung war schon wieder gut. 


Da ich bereits gegessen hatte und auch irgendwie vom Tag geschafft war, verzichtete ich heute auf einen weiteren feucht-fröhlichen Abend und ging zu Bett.