Tag 52. Von St.-Privat-d'Allier nach Saugues

Am 13.09.2014

Strecke 19 Km (Gesamt 1254 Km)

Nach einem reichlichen Frühstück startete ich kurz nach Sonnenaufgang in den neuen Tag. Elfed bot mir beim Abschied an, dass ich ihn ruhig anrufen könne, wenn ich im weiteren Wegverlauf aufgrund von Sprachproblemen nicht mehr weiterkommen würde und übergab mir seine Handynummer. Tolle Geste.

Es ging ohne nennenswerte Steigung und vornehmlich durch einen Wald zu dem kleinen Weiler Rochegude, hoch über dem Alliertal.

Über dem Dorf ragte der verfallene Wehrturm einer alten Festungsanlage in den bereits stahlblauen Himmel. Er markiert die Grenze zwischen dem Velay und der Margeride

Direkt neben der Burgruine steht die kleine "Chapelle St-Jaques", sie gehörte einstmals ebenfalls zur Burganlage. Leider war sie in der frühen Morgen-stunde noch ver-schlossen.

Von hier oben aus ergab sich ein grandioser Blick in das enge Alliertal, im dem noch der Morgen-dunst stand.

Von Rochegude führte ein sehr steiler Pfad hinab zum Weiler Pratclaux. Im Gegensatz zum gestrigen Abstieg war dieser Weg einfacher zu begehen, da er überwiegend über gewachsenen Fels führte. Hinter Pratclaux tauchte ich dann in den Morgennebel ein.

Wie schon am Vortag löste sich der Dunst innerhalb weniger Minuten auf. Über eine Straße mit starkem Gefälle erreichte ich das Städtchen Monistrol-d'Allier, welches vom mächtigen Wasserspeicher eines Elektrizitätswerk dominiert wird.

Monistrol-d'Allier war an diesem Morgen wie ausgestorben. Bis auf andere Pilger und Wanderer war niemand auf den Straßen anzutreffen, die aufgrund der Nebelreste von der Sonne in ein gleißendes Zwielicht getaucht waren.

Eine alte Weisheit besagt, wo es bergab geht, geht es auch wieder bergauf. Dieses sollte sich recht schnell Bewahr-heiten. Nach Verlassen des Ortes führte  ein steiler Weg, später ein Fahr-weg und sogar Treppenstufen aus dem engen Tal hinaus.

Auf ihm ging es an Felsstrukturen vorbei, die eindeutig vulkanischen Ursprungs waren. Die "Chapelle de la Madeleine" ist wenige Meter weiter in eine Felsgrotte gebaut, die schon keltischen Völkern als Unterschlupf diente.

Vorbei an einem der schönen Wegkreuze, ging es weiter nach Montaure. 

Hier sollte der üble Anstieg erst einmal sein Ende haben.

Zur Belohung gab es einen schönen Blick zurück auf die Landschaft des Velay.

Froh über den geschafften Anstieg legte ich erst einmal eine Pause ein. Weiter ging es durch flache Wiesen und Weiden bis nach Roziers und Le Vernet.

Anders als von mir erwartet führte der Weg wesentlich ebener weiter, bis irgendwann mein heutiger Zielort Saugues in einem weit geschwungenem Tal vor mir lag. Am Wegesrand passierte ich mehrere große Holzkunstwerke mit direktem Bezug zum Jakobsweg.  

Ebenfalls gab es eine grob ge-schnitzte

Darstellung der "Bête du Gévaudan"  zu sehen. Die Bestie soll etwa um 1765  innerhalb von nur drei Jahren ca. 100 Frauen und Kinder bei der Feldarbeit angefallen und getötet haben.

Im Andenken an dieses Geschehen, gibt es einen örtlichen Wanderweg, der zumindest innerhalb der Stadt Saugues mit prachtvollen Metallplatten gekennzeichnet ist, die in den Gehweg eingelassen wurden.

Schnell fand ich im Ort das "gîte communal", in dem mir Elfed ein Bett reserviert hatte.

In dem Dreibettzimmer lernte ich Ebby aus Neckarsulm und Alain aus Lyon kennen. Die Beiden hatten sich vor Jahren auf dem Camino kennengelernt und sind seit dem schön öfters gemeinsam auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen. Wie sich erst später herausstellen sollte, sollten mir auch Ebby und Alain auf meinem diesjährigen Weg mehrfach begegnen.


Ein Rundgang durch das überschaubare Saugues führte mich zur Kirche "St-Médard" und vorbei am Bergfried "Tour des Anglais", der das Überbleibsel einer ehemaligen Burg darstellt. 

Auf meiner weiteren Runde stieß ich auf meinen ungarischen Weggefährten Csaba, der sich mittlerweile mit Barbara und Marc aus Quebec / Kanada angefreundet hatte. Die beiden "Waldläufer" waren ebenso fix unterwegs wie Csaba und so passte das Trio wohl gut zusammen. Gemeinsam tranken wir ein Bier und gingen am späteren Abend Pizza essen.