Hier finden Sie meine Erfahrungen und Eindrücke vom letzten Streckenabschnitt der Via Podiensis zwischen Moissac und St.-Jean-Pied-de-Port, der Überquerung der Pyrenäen nach Roncesvalles und meinem Wechsel vom dortigen Camino Francais zum Einstieg in den Camino del Norte bei Irun.

In diesem Jahr startete ich am 28. August und beendete meine diesjährige Wanderung am 24. September.

In diesem Zeitraum war ich 22 Tage zu Fuß unterwegs und legte hierbei ca. 490 Km zurück.

Für die Anreise Wuppertal - Moissac nutzte ich, wie schon in den Jahren zuvor, zunächst einen EUROLINES-Bus für die Strecke Köln - Toulouse, die Weiterreise nach Moissac erfolgte dann mit der Eisenbahn.

Das Wetter war in diesem Jahr recht gemischt. In den ersten Tagen war es bei nahezu 30 Grad schon fast zu warm zum Wandern. Je mehr ich mich den Pyrenäyen näherte, desto kühler und unbeständiger wurde das Wetter. Das Ganze gipfelte in den Pyrenäen auf der Strecke von Elizondo/E nach Vera de Bidasoa/E in einem Unwetter, das mich zu einem raschen Abstieg von einer Passhöhe zwang. Dieser eilige Abstieg hatte zur Folge, dass ich mich am Abend wieder in Frankreich im Örtchen Sare befand.

Meine Wanderung führte mich zunächst durch die Gascogne. Als eine liebe Kollegin im Vorfeld davon erfuhr, fragte sie mich, was ich denn in dieser „kruden“ Gegend wolle.

Tatsächlich konnte ich auf verschiedenen Wegabschnitten keinen rechten Gefallen an der Landschaft finden, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen landwirtschaftlichen Monokulturen lag. Schon bald hinter Moissac verlief der Weg oftmals entlang von Sonnenblumen-feldern, die noch nicht abgeerntet waren. Die Pflanzen waren durchweg dunkelbraun bis schwarz ausgedörrt und verliehen dem hügeligen Gelände an vielen Stellen ein tristes Aussehen.

Sodann folgte das Gebiet des Armagnacs. Dort erstreckten sich links und rechts des Weges Weinbaugebiete, die den Grundstoff für die gleichnamige hochprozentige Spirituose liefern. Hier war man gerade mit der Traubenlese beschäftigt und auf dem einen oder anderen nicht abgeernteten Feld konnte man sich noch eine Hand voll köstlicher Trauben stibitzen.

Im weiteren Verlauf des Weges schlossen sich unendlich erscheinende Maisfelder an. Der ebenfalls noch nicht abgeerntete Pflanzenbestand mit seinen gut zwei Metern Höhe, verbaute auf weiten Strecken ein Blick in die Ferne. Wo er sich ergab, konnte man bereits die Gebirgskette der Pyrenäen am Horizont sehen.

Im Bearn wurde die Landschaft dann mit einem Mal lieblich und erinnerte an das deutsche Voralpenland. Der Ackerbau ging hier nach und nach zurück und wich der Weideviehhaltung, was auch viel besser zum Landschaftsbild passte.

Die Pyrenäen überraschten mich mit begrünten Bergen. Sie erinnerten mich an ein stark zerknittertes Stück Papier, da überall Bergketten neu ansetzten und sich so zahllose Täler und Nebentäler formten. Ein Anblick, an dem man sich kaum sattsehen konnte.

Beim Tagesstart in Roncesvalles war ich erschrocken. Hatte die Zahl der Pilger auf der Strecke ab Le Puy nach und nach zugenommen, so ergossen sich aus dem Kloster Roncesvalles und den beiden Hotels im Ort wahre Pilgermassen auf den Camino. Diese Pilgerkarawane entsprach überhaupt nicht meinem Geschmack und ich freute mich darauf, wieder einsam meinem Weg durch das Gebirge zum Atlantik zu folgen.

Irgendwo in den spanischen Pyrenäen konnte ich dann aus der Höhe bis auf den Atlantik und bis hin nach Biarritz/F blicken. Es war irgendwie ein ergreifendes Glücksgefühl, eine Art vorweggenommenes „Ich-hab’s-geschafft-Gefühl“, obwohl ich bis San Sebastian ja noch einige Tage zu laufen hatte.

Dieses Gefühl war umso ergreifender, da ich auf meinen gesamten Weg von Wuppertal aus noch nie so nahe dran war aufzugeben, wie in diesem Jahr.

Im Bearn hatte sich am Tag 9 der diesjährigen Etappe der Ansatz eines Schienbeinmuskels kurz über dem Sprunggelenk entzündet. An ein Bergabgehen war überhaupt nicht mehr zu denken. Ich habe diesen Wandertag nach nur sechs Kilometern abgebrochen und für mich brach eine Welt zusammen.

Nur dank des Zuspruchs und der Hilfe meiner diesjährigen Wanderfreunde Hellmut aus Bayern und Jean-Claude aus Südfrankreich habe ich diese Krise meistern können.

Jean-Claude trieb in der Provinz einen netten Franzosen auf, der uns mit seinem Installateur-Fahrzeug 20 Kilometer bis in die nächste Kleinstadt fuhr.

Er brachte mich zu einem französischen Arzt, schilderte dort meine Probleme und sorgte für eine ärztliche Untersuchung, worauf ich entsprechende Medikamente verschrieben bekam.

Weder der nette Chauffeur, noch der freundliche Arzt wollten Geld für ihre Bemühungen und gaben sich mit einem Dankeschön zufrieden.

Mit den Medikamenten, ein wenig Schonung und Kühlung, konnte ich bereits zwei Tage nach dem einschneidenden Erlebnis schon wieder 20 Kilometer laufen.

Nur diesen glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass ich meine diesjährige Tour wie geplant in San Sebastian beenden konnte. Die vorab eingeplanten Ruhetage habe ich mir dieses Jahr aufgrund erwarteter Unwägbarkeiten auf dem Pyrenäenweg GR11 und in Anbetracht meines Muskelproblems bis zum Schluss aufgehoben. So konnte ich abschließend einen wunderschönen Tag in Hondarribia und zwei volle Tage in der schönen Stadt San Sebastian verbringen.

Für die Rückreise hatte ich in diesem Jahr IBERIA-Flüge von San Sebastian nach Madrid und von Madrid nach Düsseldorf gebucht. So schrumpfte die Reisedauer auf nur wenige Stunden und war aufgrund früher Buchung nur unwesentlich teurer als die 17stündige Rückreise mit einem Bus.