Anreise von Wuppertal nach Moisssac

Am 28. - 29.08.2015

In diesem Jahr gab es ein Novum: Ich musste an dem Tag meines Reiseaufbruchs noch arbeiten. Irgendwie konnte ich mich an diesem Tag schlecht konzentrieren.

Immer wieder kreisten meine Gedanken um den bereits am Vorabend gepackten Rucksack. Hatte ich alles dabei? Alle wichtigen Papiere, Ausweise, Fahrkarten und Flugtickets eingepackt? War die Ausrüstung komplett?

 

In meiner Mittagspause fuhr ich nach Hause, zog meine Wanderkleidung samt Schuhen an und holte meinen Rucksack zur Dienststelle.

Sofort verloren sich meine zweifelnden Gedanken. Ich hatte alles eingepackt, da war ich mir sicher. Und falls nicht, wären wieder kreative Problemlösungen angesagt. Also, was sollte die ganze Grübelei.

Ein lieber Kollege, mit privater Bindung nach Köln, nahm mich nach Feierabend mit in die Domstadt.

Wieder einmal saß ich auf der Treppe am Dom, beobachtete das Treiben und wartete auf meinen Bus, der diesmal auch recht pünktlich um 18:45 Uhr kam.

Allerdings musste mein Bus auf das Eintreffen eines anderen Eurolines-Busses warten, da dieser umsteigende Fahrgäste an Bord hatte.

Diese Wartezeit, die sich bis 20:15 Uhr hinzog, empfand ich als ziemlich nervig. Aber irgendwann waren alle Koffer verstaut, alle Mitreisenden umgestiegen und es ging los. In der Abenddämmerung fuhren wir über die Autobahn durch das Braunkohlegebiet westlich von Köln. 

Aber es sollte nicht die letzte Verzögerung auf meiner diesjährigen Anreise sein: Mitten in der Nacht hing der Bus für knapp zwei Stunden auf dem Autobahnring um Paris in einem Stau fest.

Der eigentlich für 05:00 Uhr geplante Umstieg in den Anschlussbus in Tours fand daher auch erst um kurz nach 07:00 Uhr statt.

 

Der Eurolines-Bus in Richtung Toulouse wurde von einem spanischen Ehepaar chauffiert. Sie mussten auf ihrer Route keine Anschlussbusse mehr erreichen und fuhren daher nach dem Motto "Einmal zu spät, immer zu spät".

Kurz hinter Tour wurde auf einem öden Parkplatz eine Lenkzeitpause eingelegt, wofür ich im eigenen Interesse volles Verständnis aufbrachte. Bald danach wurde eine Raststätte angefahren, damit die Fahrgäste auch zu einer Tasse Kaffee und einem kleinen Imbiss kamen.

20 Minuten später wurde erneut ein größerer Parkplatz angefahren, um die Bordtoilette des Busses zu entleeren.

 

Bei einer der zahlreichen Unterbrechungen lernte ich die Mitfahrerin Justine kennen. Justine kam aus Brandenburg und hatte gerade ihr Abitur abgelegt. Bevor sie sich dem Studium der Kirchenmusik widmen würde, wollte sie den Jakobsweg von St.-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago-de-Compostela gehen.    

 

Schon am frühen Vormittag musste ich erkennen, dass ich den von mir geplanten Zuganschluss in Toulouse nicht erreichen würde. 

Tröstlich war zu diesem Zeitpunkt aber der strahlend blaue Himmel und angenehmen Temperaturen , die sich am Vormittag in Saintes bereits deutlich im 20 Grad-Bereich bewegten.

Letztendlich kam ich in Toulouse mit drei Stunden Verspätung an. Der von mir favorisierte Zug in Richtung Moissac fuhr fast zeitgleich aus dem Bahnhof.

Jetzt hatte ich bis zur nächsten Verbindung um 19:21 Uhr Zeit.

Gemeinsam mit Justine kaufte ich im Bahnhof Fahrkarten. Während sie ihre Fahrt in Richtung Bayonne sofort fortsetzen musste, setzte ich mich auf eine Bank auf dem Bahnhofsvorplatz und genoss die Abendsonne.

Die Reihe der Verspätungen setzte sich mit dem Zug nach Moissac nahtlos fort. Der Zug stand zwar pünktlich am Gleis, seine Abfahrt verzögerte sich jedoch um weitere 20 Minuten.

 

Ich erreichte Moissac und hastete sofort in Richtung Unterkunft, dem "Carmel", wo ich mich schon im letzten Jahr sehr wohl gefühlt hatte.

Auf dem Weg fragte mich ein Mann in französischer Sprache, ob ich Pilger sei. Aus meiner Antwort schloss er sofort, dass ich kein Französisch spreche. Er fragte nach, ob ich der englischen oder deutschen Sprache mächtig sei. Nachdem wir uns auf Deutsch geeinigt hatten, erfuhr ich, dass es sich bei dem Fragenden um Hellmut aus Bayern handelte.

Wir verabredeten uns noch für den gleichen Abend auf ein Glas Bier vor der Abteikirche.

 

Ich hastete weiter und erreichte um 20:45 Uhr, eine Viertelstunde vor Torschluss das "Carmel". Hier konnte man meine Reservierung nicht finden, nahm mich aber trotzdem herzlich auf.

 

Aus dem mir zugewiesenen Zimmer hatte ich den schon vertrauten Blick über das Städtchen Moissac, über dem aus klaren Himmel der Vollmond schien.

Wie abgesprochen, traf ich mich am Abend vor der Abtei mit Hellmut. Bei einem gemeinsamen Bier erfuhr ich, dass er Ingenieur bei der Bundeswehr ist. Er erzählte mir, dass er in diesem Jahr den Jakobsweg von Moissac bis nach Pamplona laufen wolle.

 

Da wir den gleichen Weg hatten, würden wir uns wahrscheinlich oft treffen. Und da wir uns sympathisch waren, wollten wir den Versuch starten, gemeinsam zu gehen.