Tag 73. Von Arblade-le-Haute nach Aire-sur-l'Adour

Am 04.09.2015

Strecke 23 Km (Gesamt 1788 Km)

Daniel schnarchte die ganze Nacht durch und trotz Ohrstöpsel habe ich nur sehr schlecht geschlafen.

Nach einem einfachen Frühstück und dem Packen der Rucksäcke starteten wir heute zunächst zu Dritt in den Tag.

Bereits nach etwa zwei Stunden erreichten wir den winzigen Ort Lanne-Soubiran, dessen Kirchturm aufgrund seiner haubenförmigen Dachkonstruktion in dieser Gegend auffällt.

Jean-Claude machte sich Gedanken um die nächste Unterkunft für Hellmut und mich in Air-sur-l'Adour. Während Hellmut und ich unsere Wasservorräte auffrischten, studierte Jean-Claude die Pilgerführer und telefonierte wie wild.

Nachdem er mit seinen Bemühungen Erfolg hatte, setzten wir unseren Weg fort.

 

Leider gerieten die Weinanbauflächen links und rechts des Weges hier immer mehr ins Hintertreffen und wurden nunmehr immer häufiger von Maisfeldern ersetzt.

 

Die noch nicht abgeernteten Pflanzen mit ihren gut zwei Metern Höhe verbauten jeden seitlichen Blick in die Landschaft. Die Wege erschienen wie tief angeschnittene Schneisen in der wogenden Grünfläche.

 

Ein Blick war hier nur auf den noch kommenden oder auf den bereits zurückgelegten Weg möglich.

 

Ein unbefriedigender Zustand, der uns in den nächsten Tagen leider noch häufig begegnen würde.

Auf diesen tristen Wegen bekamen wir unverhofft Gesellschaft. Wir stießen zunächst auf zwei französische Pilger. Der Eine eher ruhig und zurückhaltend, der Andere eher extrovertiert, ein Weinhändler aus Bordeaux, wie ich später erfuhr.

Wenig später trafen wir auf zwei Pilgerinnen, die wohl gemeinsam gingen. Eine Französin und eine Kanadierin aus Ottawa. 

Die Unterhaltung lief durchweg in französischer Sprache ab.

Hellmut und Jean-Claude unterhielten sich prächtig mit den heutigen Weggefährten, ich war leider etwas außen vor.

In der Mittagszeit gelangten wir an eine trutzig wirkende Dorfkirche bei Lelin-Lapujolle.

Es war Zeit für ein ausgiebiges Pic-Nic. Im Schatten der Kirche fanden wir eine geeignete Sitzgelegenheit und jeder stellte die von ihm mitgeführten Nahrungsmittel für ein gemeinsames Mittagsmahl auf den Tisch. 

Im Anschluss setzten wir unseren Weg fort und die Franzosen / die Kanadierin sangen gemeinsam französische Wanderlieder.

 

Irgendwann gelangten wir an die Bahnlinie, die nach Aire-sur-l'Adour führt. Aufgrund des Wegverlaufs mussten wir dem Bahndamm für mehrere Kilometer folgen. Jean-Claude fiel hier sehr zurück, da er Probleme mit seinem Knie hatte.

 

Umso gelegener kam hier ein kleiner Rastplatz, den ein Privatmann für die Pilger mit Gartenmöbeln eingerichtet hatte. Hier legten wir ein Päuschen ein, um auf Jean-Claude zu warten. 

 

Wie ich herausfand, verfügte dieser Platz sogar über einen eigenen Stempel, der dort in einer Kunststoffdose hinterlegt war. 

Nachdem Jean-Claude aufgeschlossen hatte, folgten wir dem Bahndamm weiter bis nach Barcellone-du-Gers welches nahezu nahtlos nach Aire-sur-l'Adour übergeht.

 

An einem gut erhaltenen Waschhaus verabschiedeten wir uns von unseren heutigen Weggefährten und setzten unseren Weg wieder zu Dritt fort. 

Nachem wir die "Adour" erst einmal überquert hatten, gelangten wir schnell in den Stadtkern.

In einem Straßencafé genossen wir ein erfrischendes Bier.

Danach verabschiedeten wir uns erst einmal von Jean-Claude. Er hatte bereits vor unserem gestrigen Entschluss gemeinsam zu gehen, ein Hotelbett in Air-sur-l'Adour gebucht.

Zusammen mit Hellmut suchte ich dann unser Gîte "Relais Saint Quitterie" auf. Ein schönes, altes Haus, dass von den Herbergseltern innen liebevoll restauriert und eingerichtet wurde.

Gemeinsam mit den Hospitaleros, einem jungen französischen Lehrer und seiner hochschwangeren Frau aus Paraguay sowie zwei Pilgern aus Luxemburg aßen wir zu Abend.

Nachdem wir Pizza mit Salat, Kotelett mit Bratkartoffeln und Milchreis verputzt hatten, gingen wir zu Bett. Das Haus war so geräumig, dass Hellmut und ich jeweils ein Mehrbettzimmer für uns alleine zugewiesen bekamen.

Trotz des langen Tages fand ich noch nicht zur Ruhe und machte noch einige Fotos von der nächtlich beleuchteten Stadt.