Tag 78. Von Cambarrat nach Navarrenx

Am 09.09.2015

Strecke 24 Km (Gesamt 1870 Km)

Wir sind heute bereits um 05:50 Uhr aufgestanden. Meinem Bein ging es bereits merklich besser.

 

Deshalb wollten wir heute Navarrenx erreichen, eine schöne, alte Festungsstadt, wie Jean-Claude gelesen hatte.  Ziemlich mutig hatten wir gestern Abend bereits ein Chalet auf dem Campingplatz in Navarrenx gebucht.

 

Unser Plan war, sehr zu früh starten und relativ spät anzukommen, damit wir die 24 Kilometer bis dorthin gemächlich laufen konnten.

 

Nicolas hatte in der Küche das Frühstück vorbereitet, aber trotz der frühen Stunde waren wir nicht die Ersten die dort erschienen.

Nachdem der obligatorische Abwasch erledigt war, verließen wir im Morgengrauen den Hof.

Bis wir den "Gave de Pau" erreicht hatten, war die Sonne bereits ein wenig aufgegangen und Nebelschwaden waberten über den träge fließenden Fluss.

Wir kamen gut voran.

Es gab fast keine Maisfelder mehr (dafür wieder Sonnenblumen) und an vielen Stellen ergaben sich tolle Ausblicke auf das mäßig bergige Bearn, dem Pyrenäenvorland.

Im Hintergrund hatten wir immer die mächtige Kette der Pyrenäen im Blick, die den Eindruck einer dunklen Wand am Horizont vermittelte.

Wie es sich für ein Alpenvorland gehört, trat auch hier der Ackerbau mehr und mehr in den Hintergrund und wurde von Milch- und Fleischviehzucht abgelöst.

Aber mäßig bergiges Bearn hieß auch, dass es an einigen Stellen, wenn auch nur über kurze Strecken, kräftig bergauf und bergab ging.

Mir ist hier hier insbesondere eine längere Gefällstrecke auf einer Straße in Erinnerung, die uns hinunter ins Tal der "Laà" und zur Zisterzienserabtei Sauvelade führte.

Hier in Sauvelade legten wir eine erste größere Pause ein und tankten bei Kaffee und einem Croissant neue Kräfte.   

Direkt hinter Sauvelade stieg der Weg dann wieder an, um anschließend für eine längeres Stück auf einem Bergkamm zu verlaufen. Der Blick von hier oben ins Umland war beeindruckend.

Doch schon bald ging es wieder steil hinab ins Tal. Hier machte sich, erstmals am heutigen Tag, wieder mein Schienbein bemerkbar. Ich legte auf der Gefällstrecke mehrere kurze Päuschen ein und versuchte das Bein durch Einsatz der Trekkingstöcke weitestgehend zu entlasten. Unten im Tal angekommen passierten wir den malerisch restaurierten Bauernhof von Bignan.

Abermals ging es hinauf auf die Höhen und im Anschluss direkt wieder hinab ins Tal. Wir folgten einem unbefahrenen Teerweg talwärts und erreichten eine Quelle mitten im Wald.

Hier trafen wir auf ein junges englisches Paar, welches mit ihrem ca. 2jährigen Sohn auf dem Jakobsweg unterwegs war. Da der Kleine natürlich die Strecke nicht laufen konnte, führten sie einen abenteuerlich beladenen Cross-Kinderwagen mit sich. Selbst an einem Laufrad für den Nachwuchs fehlte nicht in ihrer Ausstattung. 

Ab der Quelle ging es dann eher flach weiter bis nach Navarrenx.

Obwohl wir eigentlich geplant hatten langsam zu gehen, waren wir bereits am frühen Nachmittag an unserem Campingplatz angekommen.

 

Wir hatten uns eine blitzsaubere Campinganlage ausgesucht. Und auch das uns zugewiesene Chalet war gut ausgestattet und gab keinen Grund zur Beanstandung. 

Während ich, nach einer ausgiebigen Dusche, erst einmal auf der kleinen Terrasse unseres Chalets eine Regenerationspause einlegte, ging Jean-Claude schon einmal in die Stadt, um sich eine neues Ladekabel für sein Handy zu besorgen.

Nach einer guten Stunde ging auch ich in Richtung Stadt.

Wie wahr, es handelte sich um eine Festungsstadt. Und so musste ich einen langen Umweg in Kauf nehmen, um einen Durchgang durch die Bollwerke der ehemaligen Zitadelle zu finden.

Die schachbrettartige Anlage der Stadt als Bastide um den zentralen Hauptplatz herum ist bis zum heutigen Tag erkennbar. 

Es lohnt sich aber auf jeden Fall, diesen Ort auf einer der beiden Hauptstraßen zu durchqueren, um sie durch die "Porte St.-Antoine" zu verlassen. Direkt hinter dem Stadttor ergibt sich ein schöner Blick auf den "Gave d'Oloron" bzw. auf die ihn überspannende Brücke. 

Während meines Rundganges traf ich auf Jean-Claude. Wir hatten beide Hunger. Für heute suchten wir uns ein kleines, von jungen Leuten geführtes Restaurant aus und nahmen an einem Außentisch Platz. Wir bestellten für kleines Geld das Tagesgericht und bekamen auf einer Schieferplatte Spezialitäten der Region serviert.

Das heutige Essen war originell angerichtet, absolut schmackhaft und ausreichend.

Nachdem wir gegessen hatten, wurde es recht schnell kühl. Wir beeilten uns deshalb unsere Unterkunft zu erreichen und gingen danach direkt, leicht fröstelnd zu Bett.