Tag 75. Von Miramont-Sensacq nach Fichous-Riumayou

Am 06.09.2015

Strecke 18 Km (Gesamt 1831 Km)

Heute sind wir gut aus dem Bett gekommen. Nach einem kurzen Frühstück haben wir die Wohnung noch schnell aufgeräumt und danach ging es auch schon los. Aufgrund der frühen Stunde spielte die Sonne noch mit dem Morgendunst in der Tallage. 

Mein linkes Schienbein schmerzte immer noch.

Auch heute ging es zunächst wieder durch nicht enden wollende Maisfelder. 

Trotz der guten Sportsalbe und einer Schmerztablette zum Frühstück fiel mir das Laufen heute schwer und ich war dankbar für jede noch so kurze Verschnaufpause.

Irgend etwas im linken Bein war nicht in Ordnung. Es war definitiv nicht das Sprunggelenk, da war ich mir ziemlich sicher, da ich es unbelastet völlig schmerzfrei in alle Richtungen bewegen konnte.

Ich ging von einer Überanstrengung aus und hoffte, dass sich das in den nächsten Tagen legen würde.

Vorbei an schönen Gehöften folgten wir unserem Weg.

Bereits um kurz nach 11:00 Uhr passierten wir den kleinen Ort Arzacq-Arraziguet, wo wir bei einem Bier eine kleine Pause einlegten.

 

Heute war ein sehr heißer Tag, da kam die kleine Erfrischung gerade zu recht.

 

Mein linkes Bein schmerzte inzwischen immer mehr.

 

Hinter Arzacq-Arraziguet ging es zunehmend mehr bergauf und bergab. Wir passierten den lauschigen Garten eines Privatmannes, der hier im Schatten der Bäume Sitzgelegenheiten für Pilger eingerichtet hatte.

Auch hier legten wir wir eine kleine Pause ein. Kaum hatte der Besitzer uns erblickt, lud er uns ein, die reifen Pfirsiche von den umstehenden Bäumen zu pflücken und die reifen Tomaten aus seinem Gemüsegarten nebenan zu ernten. Eine köstliche Erfrischung.

 

Bald darauf passierten wir den kleinen Ort Louvigny. In der Dorfkapelle sangen Hellmut und ich erneut das Lied "So nimm den meine Hände" und Jean-Claude hörte andächtig zu. Während die Beiden noch die Kühle des Gotteshauses genossen, lief ich umher. Der Schmerz im Bein ließ mich nicht mehr zur Ruhe kommen.

Hinter Louvigny stieg der Weg dann beharrlich an. Da es hier weniger Mais-felder gab, erschloss sich ein weiter Blick in das sonnen-durchflutete Umland.

Aber aufgrund meiner Schmerzen konnte ich mich an diesem Anblick kaum erfreuen. Ich hoffte nur, dass wir unser heutiges Ziel bald erreichen würden. Gut 1,5 Stunden hinter Louvigny erreichten wir dann endlich Fichous-Riumayou, unser heutiges Tagesziel.

 

Oder besser gesagt, das, was wir für unser heutiges Tagesziel gehalten hatten. Meinen beiden französisch sprechenden Wegbegleitern war bei der Planung ein fataler Fehler unterlaufen.

 

Wir waren auf der "Ferme La-Houn-de-Lacoste" für die Übernachtung angemeldet. Da Fichous-Riumayou nur über wenige weit verteilt liegende Häuser verfügt, nahm Jean-Claude nochmals telefonischen Kontakt mit der Ferme auf. Und nun kam die Ernüchterung, die "Ferme La-Houn-de-Lacoste" lag nicht in Fichous-Riumayou, sondern in Louvigny, welches wir vor mittlerweile annähernd zwei Stunden passiert hatten.

 

Immerhin war der Hospitalero so freundlich, uns mit seinem Geländewagen in Fichous-Riumayou abzuholen, um uns samt Gepäck hinunter zu seiner Ferme zu bringen. Hierfür war ich, aufgrund meiner Beschwerden, mehr als dankbar.

Bei der Ferme handelte es sich um umfangreiches Gehöft, mit großem Wohnhaus und einem Pool im Garten.

Hier trafen wir auch wieder auf die beiden luxemburger Weggefährten, die wir bereits in

Aire-sur-l'Adour kennen gelernt hatten.

Gemeinsam genossen wir die noch verbleibenden Sonnenstunden im Garten.

 

Ich suchte mir einen sonnigen Platz am Rand des Pools und ließ meine Beine in das kühlende Nass hängen.

Der Hospitalero Jean-Michel hatte sich zum Abendessen echt ins Zeug gelegt.

 

Er rief uns um 19:00 h zum Aperitif um den großen Gartentisch zusammen. Zunächst gab es Nüsse und kleine Tomaten aus dem eigenen Garten zu einem hervorragenden Tokajer-Wein.

 

Danach gab es das Abendessen, welches seinen Namen verdient hatte:

1.) Hausgemachte Pfefferterrine

2.) Gurken- und Tomatenscheiben mit Peperoni als Salat

3.) Schweinebraten und dazu gelbe Zucchini und Fleischtomaten in Gänseschmalz gebraten

4.) Käse der Ferme mit Kirschgelee

5.) Kuchen

 

Dazu gab es natürlich Rot- und Roséwein.

 

Im Laufe des Abends freundete sich Jean-Claude mit dem riesigen, weißen Hofhund an.

 

Wie wir erfuhren, handelte es sich um einen ausgewachsenen Pyrenäen-Berghund, einem Herdenschutz- und -hütehund von sanftem Gemüt.

Pappsatt und müde begab ich mich zu Bett.

 

Mein Bein schmerzte immer noch und war zudem merklich angeschwollen, rot und heiß. Alle Merkmale einer ausgewachsenen Entzündung waren somit gegeben. 

Im dem Gedanken, wie sich das wohl in den nächsten Tagen weiter entwickeln würde, schlief ich totmüde ein.