Tag 68. Von Moissac nach St. Antoine

Am 30.08.2015

Strecke 29 Km (Gesamt 1651 Km)

Gegen Mitternacht wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Bislang war ich in einem Vierbettzimmer alleine untergebracht. Das änderte sich nun: Drei weitere Pilger belegten die verbliebenen Betten, was natürlich nicht völlig geräuschlos von sich ging.

Der Rest der Nacht verlief ebenfalls nicht besonders ruhig, da einer der drei Neuankömmlinge fürchterlich schnarchte. Zum Glück hatte ich meine Ohrstöpsel griffbereit neben dem Bett abgelegt.

 

Um 07:00 Uhr fand ich mich zu einem Stück Baguette mit Marmelade und zwei großen Tassen Kaffee im Speisesaal ein. Danach packte ich meinen Rucksack und machte mich um 07:45 Uhr auf den Weg.

 

Doch Schreck in der Morgenstunde: Meine Trekkingstöcke ließen sich nur minimal auseinanderziehen. Schlimmer war jedoch, dass sich einer danach nicht mehr zusammenschieben ließ und damit für den Transport am Rucksack zu sperrig war.

 

Ich ging zunächst an dem nahe gelegenen Hotel vorbei, in dem Hellmut die Nacht verbracht hatte. Um 08:00 Uhr war die Tür verschlossen und keine Bewegungen im Haus auszumachen.

Also trottete ich in die Stadt, auf der Suche nach einer Tankstelle oder Werkstatt, um dort meine Trekkingstöcke gängig zu machen. Aber ich fand keine derartige Örtlichkeit und traf auch sonst auf keine Menschenseele. Schlagartig wurde mir klar: Es war Sonntag.

Was blieb mir anderes übrig, als meinen diesjährigen Weg mit zwei ungleich langen, zum Gehen absolut ungeeigneten Stöcken aufzunehmen.

Mit den Wanderhilfen in der Hand folgte ich zunächst dem Tarn ein ganzes Stück lang.

Am Ortsausgang wechste ich vom Tarn zum "Canal Latéral à la Garonne", einer alten, baumgesäumten Wasserstraße mit einem gut zu laufenden Treidelweg.

Hier dauerte es nicht lange, bis Hellmut mich eingeholt hatte.

Obwohl er ein wenig Älter war als ich, legte er einen erstaunlich schnellen Schritt vor und ich musste ihn mehrfach bremsen.

 

So liefen wir für mehrere Kilometer auf schattigen Wegen den alten Kanal entlang. In der Höhe des Örtchens Pommevic verließen wir den schönen Weg. Sehr bald überquerten wir den wesentlich größeren und moderneren "Canal de Golfech".

Danach folgte unsere Route auf Trampelpfaden entlang der Straße oder auch direkt auf der Straße bis nach Espalais.

In Espalais angekommen trafen wir auf eine Oldtimer-Rallye.

Etwa 30 durchweg gut erhaltene Oldtimer der Marke Citroen knatterten, von ihren stolzen Besitzern geführt, durch den Ort.

Schon bald hinter Espalais überquerten wir die Garonne. Es ging auf Mittag zu und das Thermometer zeigte annähernd 30 Grad.

Auf asphaltierten Wegen ging es hinauf in das Städtchen Auvilar.

 

In einem Restaurant legten wir auf der Terrasse, unter einem schattenspendenden Baum, eine kleine Pause ein.

Nach dem Aufstieg über den sonnendurch-glühten Teerweg tat ein kühles Bier einfach gut.

Auch die Oldtimer-Fans pausierten in diesem Restaurant. So konnte ich mir ihre alten Schätzchen in aller Ruhe betrachten.

Nach unserer Pause ging es dann, vornehmlich über Asphalt, weiter bis nach St. Antoine. Obwohl der Weg von seiner Topographie wenig anspruchsvoll war, verlangte er in der Hitze doch einiges von uns ab.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann das am Ortsrand gelegene Gîte in St. Antoine.

Der freundliche Hospitalero bat uns in die Wohnküche. Dort schütteten Hellmut und ich erst einmal geschätzte drei Liter gekühltes Wasser mit Sirup in uns hinein. 

Nachdem wir unseren gepflegten, rustikalen Schlafraum bezogen und geduscht hatten, bat ich den Hospitalero um Hilfe bei der Instandsetzung meiner defekten Wanderstöcke.

Er ließ alles stehen und liegen, öffnete seine Werkstatt und mit Pressluft, Schraubstock und Gewalt demontierten wir gemeinsam die Wanderstöcke.

Die Spannschrauben waren in den Spreizstücken festgerottet und innerhalb der Rohre hatte sich ein weißer Belag gebildet. Nachdem die Rohrstücke innen gereingt und die Spannschrauben mittels Seife wieder gängig gemacht waren, setzten wir die Wanderstöcke wieder zusammen und "voila" sie ließen sich wieder problemlos einstellen.  

Im Anschluss unternahmen wir zwei Pilger einen Rundgang durch den kleinen Ort

Das Abendessen wurde in einem Restaurant im Ort serviert. Das heißt, gegessen wurde an Tischen, die mittig auf der Straße vor dem Restaurant standen.

Es gab eine Gazpacho aus Tomaten und Melonen, Hühnerfrikassee mit Reis und eine leckere Nachspeise aus Quark mit einer köstlichen Erdbeersoße.

Inklusive des Tischweins war das Abendessen mit 14 € für franz. Verhältnisse recht günstig.

Überraschend schnell wurde es dunkel. Schon in der Finsternis erreichten wir wieder unser Gîte und gingen schnell zu Bett.

Nach zwei Nächten mit Schlafunterbrechungen und dem anstrengenden ersten Wandertag war dies eine sehr erholsame Nacht.